Stanford-Studie Besser als das BIP
Zwei Stanford-Ökonomen haben den Lebensstandard weltweit neu vermessen. Europa rückt in der neuen Rangliste näher an die USA, die armen Länder fallen weiter zurück.
© Justin Sullivan/Getty Images

Armenspeisung in San Francisco: Die USA sind das reichste Land der Welt, aber die Spaltung in Arm und Reich verschärft sich
Dass das Bruttoinlandsprodukt nur bedingt tauglich ist, um unseren Lebensstandard zu beschreiben, ist unter Ökonomen schon lange Konsens. Vieles kann diese schlichte Zahl einfach nicht abbilden: Wie viele Verbrechen etwa in einem Land verübt werden. Oder wie groß das Risiko ist, in Armut zu rutschen. Oder aber wie viele Stunden im Jahr die Menschen arbeiten müssen, um ihr Geld zu verdienen.
Die beiden Stanford-Ökonomen Charles Jones und Peter Klenow haben nun einen Vorschlag vorgelegt, wie sich der Lebensstandard in einem Land besser beschreiben ließe. Dabei stellen Sie ein Gedankenexperiment an: Wie gut wäre das Leben eines Menschen, würde er als zufälliger Einwohner in ein Land geboren werden? Wie viele Güter könnte er im Verlauf seines Lebens konsumieren, wie viel Freizeit hätte er? Wie groß wäre das Risiko, arm zu sein, und mit wie vielen Jahren Lebenszeit könnte er rechnen?
Die Daten, die Jones und Klenow für 134 Staaten errechnet haben, stellen die übliche Rangliste von Arm und Reich nicht auf den Kopf. Aber sie zeigen, wie sehr die Öffentlichkeit irrt, wenn sie nur auf das Pro-Kopf-Einkommen in einem Land schaut (siehe Grafik). Ein Amerikaner etwa verfügt im Durchschnitt über ein deutlich höheres Einkommen als ein Franzose. Im Gegenzug aber muss er rund 240 Stunden im Jahr mehr arbeiten. Dabei steigt sein Risiko in Armut zu leben. Auch lebt ein heute geborener Franzose im Durchschnitt zwei Jahre länger. Das alles führt nach den Berechnungen der Stanford-Ökonomen dazu, dass der Lebensstandard in Frankreich in etwa so hoch liege wie in den USA.
Weil kürzere Arbeitszeiten, eine höhere Lebenserwartung und eine tendenziell gleichere Gesellschaft positiv auf den Lebensstandard wirken, rücken viele Länder Europas näher an die USA – auch Deutschland. Der Abstand zu den ärmsten Ländern vergrößert sich hingegen. Vor allem in den afrikanischen Staaten ist die Lebenserwartung gering und die Ungleichheit hoch. Beides senkt den Lebensstandard.
Der neue Indikator leistet aber noch etwas anderes: In Ländern wie Singapur, in denen viel investiert wird, wächst die Wirtschaft in der Regel schneller – der Konsum aber ist während dieser Zeit entsprechend geringer. Langfristig mag die gesamte Volkswirtschaft von einer solchen Wachstumsstrategie profitieren. Der kurzfristige Preis, den die Bürger zahlen, wird durch die Berechnungen von Jones und Klenow sichtbar.
- Datum 23.09.2010 - 10:51 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 8
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Als jemand der in England lebt wundere ich mich doch stark über den angeblich hohen Lebensstandard in GB :-)
Davon abgesehen wäre es interessant diesen Indikator fuer einen aktuelleren Datensatz zu berechnen. Zumindest im Hinblick auf das Pro-Kopf-Einkommen sollen China und Indien in den letzten 10 Jahren ja mächtig aufgeholt haben.
In die Grafik hat sich ein Tippfehler eingeschlichen:
Es heißt Großbritannien, nicht Großbrittanien.
Es ist etwas gemein zu sagen, dass in der EU nicht soviel verdient wird, da wir zwar mehr Steuern bezahlen, dafuer aber auch mehr Gesundheitssystem, Bildung etc bekommen was sich noch zusaetzlich auf unsren Lebensstandart auswirken sollte.
Wunderbar zu sehen waere das, wenn die Daten neuer waeren, da ja jetzt die ganze Ueberschuldung der Amerikaner, die Aufloesung der Mittelschicht und ein veraendertes gesamtwirtschaftliches Bild besteht.
Ich wuenschte, deutsche Zeitungen wuerden diese Statistik auf der ersten Seite drucken, wo doch jeder immer nur soviel schlechtes ueber unser kleines Land zu sagen hat.
Es gibt keinen Grund woanders hinzugehen, denn bei uns ist es doch am besten!
Es ist wirklich pervers.
Diese Propaganda und Volkstäuschung hat ja in Deutschland Tradition (Drittes Reich, DDR)
Lebensutopien!
Lebenserwartung ist das eine.
Es kommt nicht nur auf die Quantität an, sondern auch auf die Qualität.
Was sich die Leute hierzulande alles verkneifen für ein paar Jährchen länger leben.
Gegenbeispiel Mozart! Der ist jung gestorben, hat aber gelebt dass es für zwei reichen würde. Etwas hinterlassen hat er auch.
Solche Leute wird man in diesem Land nicht mehr finden.
Die Bürger sind mittlerweile ein ideologisch verbortes Pack, das ist unerträglich. Aber wer die Medien kontrolliert, kontrolliert das Volk!
über neue und für die Mehrheit von uns aussagekräftigere Masseinheiten nachzudenken. Wie so oft wird das Umdenken so etwas wie eine steile Lehrn- und Akzeptanzkurve mit sich bringen...
Seltsam nur, das alle anderen Länder in ideser ersten Ausarbeitung unter die 100 Grenze der USA fallen... Soll die USA nach wie vor als Vorbild dienen obwohl dort drüben sovieles Zweifelhaft ist? Immerhin tun solche Organisationen wie etwa die WTO und ihre global gültigen Handelsverträge nicht's anderes als die US Standards auf alle anderen anzuwenden. WTO, GATS, IMF, ACTA um nur ein paar bekantne zu erwähnen haben z. Bsp. den Eurpäern gneau was an Postiven Aspekten gebracht...?
Die für die Zivilgeselslchaften und deren Anforderungen an Politik und Oekonomie komplett blinde Neoliberlae Wettbewerbsdoktrin hat einige wenige sehr reich und sehr viele ärmer gemacht...
Die 100 als Massstab "aller Dinge" ist also mit Zweifeln und Fragen zu belegen.
ich würde den lebensstandard in deutschland sogar oberhalb der usa setzen...
war kürzlich in den usa und musste wieder einmal feststellen, wie gut es uns eigentlich geht.
schlechte straßen, viertel wo man besser nicht mit dem auto durchfahren sollte, armut, übertriebener reichtum, schlechtes essen...
klar gab es auch viele schöne seiten(wetter, toller service, freundlich leute...), aber trotzdem lebe ich sehr gern in deutschland:-)
und wenn ich immer wieder beiträge lese von sog. deutschen, die dauernd jammern und meckern, muss ich mich fragen warum sie einfach nicht auswandern und sich hier das "schlechte" leben antun? fehlt ihnen der mut? hmm...keine ahnung, aber schwarzmalerei hat noch nie geholfen...stichtwort: selbst gestalten;-)
Zwischen USA und Malawi liegen in Wirklichkeit noch eine Menge anderer Länder, die in der obigen Auswahl weggelassen wurden. China liegt tatsächlich an 98.Stelle, gleich hinter Albanien Nr.97.
Wie soll man das denn anders darstellen? soll hier rd. 200 Länder in einer Liste aufgeführt werden, finde die Grafik schon recht ausssagekräftig. Hier werden Länder verglichen mit denen wir uns vergleichen hohe Einwohnerzahlen haben oder einfach als krasses Gegenbeispiel zu Industrieländern gelten.
Wenn ich Sachen Vergleichen will hole ich mir doch auch nicht den kompletten Datensatz, das verfehlt nämlich die Aussage.
Wie soll man das denn anders darstellen? soll hier rd. 200 Länder in einer Liste aufgeführt werden, finde die Grafik schon recht ausssagekräftig. Hier werden Länder verglichen mit denen wir uns vergleichen hohe Einwohnerzahlen haben oder einfach als krasses Gegenbeispiel zu Industrieländern gelten.
Wenn ich Sachen Vergleichen will hole ich mir doch auch nicht den kompletten Datensatz, das verfehlt nämlich die Aussage.
Wie soll man das denn anders darstellen? soll hier rd. 200 Länder in einer Liste aufgeführt werden, finde die Grafik schon recht ausssagekräftig. Hier werden Länder verglichen mit denen wir uns vergleichen hohe Einwohnerzahlen haben oder einfach als krasses Gegenbeispiel zu Industrieländern gelten.
Wenn ich Sachen Vergleichen will hole ich mir doch auch nicht den kompletten Datensatz, das verfehlt nämlich die Aussage.
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