Warnstreiks haben in der Nacht und am frühen Dienstagmorgen den Bahnverkehr vor allem im Westen und Süden Deutschlands behindert. Wie die Gewerkschaften Transnet und GDBA mitteilten, waren gegen 4.30 Uhr rund 300 Eisenbahner bundesweit im Ausstand, betroffen waren besonders Nordrhein-Westfalen und Bayern. Vor allem die Pendler in Großstädten mussten sich auf Ausfälle und Verspätungen einstellen.

Erste Protestaktionen begannen den Angaben zufolge um 2.00 Uhr im Westen und in Bayern. In Dortmund, Essen, Münster und Düsseldorf legten knapp 200 Beschäftigte die Arbeit nieder. Betroffen waren der S-Bahn- und der Regionalverkehr, in Dortmund außerdem der Fernverkehr. In München wurden seit dem frühen Morgen die S-Bahn-Werkstatt und das dazugehörige Stellwerk in Steinhausen befristet bestreikt. Gut 30 Beschäftigte legten dort die Arbeit nieder, wie Transnet und GDBA mitteilten. Der S-Bahnverkehr der bayerischen Landeshauptstadt war infolge des Ausstandes gestört.

Im nordrhein-westfälischen Mettmann traten gegen 4.00 Uhr etwa 30 Beschäftigte der Veolia-Tochter Rheinisch-Bergische Eisenbahn in den Ausstand, wie es weiter hieß. Der Regionalverkehr sei erheblich beeinträchtigt. Warnstreiks gab es demnach auch bei der S-Bahn im niedersächsischen Hannover, dort sollten einige Züge ausfallen. Protestaktionen wurden zudem in einigen Bereichen Sachsen-Anhalts abgehalten, wo die Stellwerke in Magdeburg, Sandersleben und Halberstadt befristet bestreikt wurden. Auch hier kam es den Angaben zufolge "zu erheblichen Behinderungen" im Regionalverkehr. Von den Warnstreiks betroffen waren sowohl Privatbahnen als auch die Deutsche Bahn.

Aus Gewerkschaftskreisen war am Montagabend zu erfahren, dass die Berliner S-Bahn von den Arbeitsniederlegungen nicht betroffen sei. In nördlichen Bundesländern wie Hamburg und Schleswig-Holstein sollte den Angaben zufolge kaum gestreikt werden.

Die Gewerkschaften verhandeln mit der bundeseigenen Deutschen Bahn und ihren privaten Konkurrenten seit Wochen über einen Branchentarifvertrag für den Regionalverkehr. Damit wollen sie verhindern, dass der Wettbewerb auf der Schiene über die Löhne der Beschäftigten ausgetragen wird. Privatbahnen konkurrieren seit mehreren Jahren immer stärker mit der Deutschen Bahn um lukrative Regionalverbindungen.

Die Deutsche Bahn kritisierte die Streiks als "unbegründet und kontraproduktiv" und schlug den Gewerkschaften eine Schlichtung vor . Grundsätzlich halte der Konzern eine Lösung am Verhandlungstisch für möglich, erklärte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Jedoch könne es nicht sein, dass die Deutsche Bahn bestreikt werde, um Druck auf Wettbewerber des Konzerns auszuüben.

Bahnreisende können sich laut Deutscher Bahn bis auf Weiteres unter der kostenlosen Servicenummer 08000-996633 über die Auswirkungen der Streiks informieren. Details zur aktuellen Situation sind demnach auch im Internet unter www.bahn.de/aktuell erhältlich. Wer aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Verlust eines Anschlusses seine Reise nicht antreten kann, hat dem Konzern zufolge die Möglichkeit, seine Fahrkarte kostenlos umzutauschen oder erstatten zu lassen.