BonuszahlungenKoalition geht Bankern ans Gehalt

Nach den Vorständen muss auch die zweite Reihe Einschnitte hinnehmen: Schwarz-Gelb hat die Deckelung der Gehälter für Mitarbeiter staatlich gestützter Banken präzisiert. von AFP, Reuters und dpa

Die neuen Gehaltsregeln gelten nur für Mitarbeiter im Inland, für Banken mit mehr als 75 Prozent Staatsbeteiligung gelten noch schärfere Beschränkungen als bisher bekannt. Das sind Eckpunkte eines Konzeptes, mit dem die Koalition auf die Kritik an hohen Bonuszahlungen an Banker in mit Staatsgeldern geretteten Instituten reagierte. Vom nächsten Jahr an sollen demnach Gehälter aller Manager in staatlich gestützten Banken gedeckelt werden.

Seit Inkrafttreten des Bankenrettungsgesetzes galt das nur für den Vorstand. Nun werden die Gehälter auch für Positionen unterhalb des Vorstands auf 500.000 Euro pro Jahr begrenzt. Allerdings soll es Ausnahmen geben: So soll unter anderem die Obergrenze zwar für alle Institute gelten – aber nur für Mitarbeiter im Inland.

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Bei Banken, an denen der Staat mit mehr als 75 Prozent beteiligt ist, sollen variable Vergütungen wie Bonuszahlungen komplett gestrichen werden. Bei geringerer Bundesbeteiligung bleiben erfolgsabhängige Prämien allerdings weiter erlaubt.

Bisher galt die Obergrenze nur für Vorstände staatlich gestützter Banken wie etwa für Commerzbank-Chef Martin Blessing, dessen Institut teils in Staatsbesitz ist. Vor allem einzelne Mitarbeiter aus dem Investmentbanking verdienen dank Bonuszahlungen aber oft mehr als die Topmanager.

Die Auflagen werden voraussichtlich noch weitere Einschränkungen enthalten. So soll der Gehaltsdeckel auch dann nicht gelten, wenn eine gestützte Bank die Zinsen auf ihre Eigenkapitalhilfen vollständig zahlt oder wenn sie mindestens die Hälfte des Staatsgeldes zurückgezahlt hat.

Laut dem Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Altmaier, sei mit der Entscheidung ein klares Signal gesetzt, "dass es dort nicht weitergehen kann wie vor der Krise". Der CDU-Politiker geht davon aus, dass die deutsche Regelung auch in anderen europäischen Ländern einen Diskussionsprozess um Begrenzungen von Banker-Boni auslösen wird. 

Die neuen Vergütungsregeln sollen in das Restrukturierungsgesetz für Banken eingearbeitet werden, das in dieser Woche vom Bundestag verabschiedet werden soll.

Die Diskussion um Gehälter und Sonderzahlungen für Banker war vor Kurzem neu entbrannt, als bekannt wurde, dass allein die Jahresgehälter von 68 Bankern staatlich gestützter Institute wie der Commerzbank, der Hypo Real Estate (HRE) oder der WestLB über der Marke von einer halben Million Euro liegen. Dabei handelt es sich nach Angaben der Banken vor allem um Spezialisten, die etwa in den Investmentsparten tätig sind.

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Leserkommentare
    • basho
    • 26. Oktober 2010 16:59 Uhr

    An dieser Deckelung der Gehälter zeigt sich mal wieder, dass unser Wirtschaftssystem insgesamt einige grundlegende Fehler hat. Natürlich ist es für die Politiker schwierig, wirklich harte Obergrenzen einzuführen, wenn der Rest der Welt nicht mitmacht. Insofern kann ich schon verstehen, dass nur eine halbe Million als Obergrenze gesetzt wird. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das immer noch unverhältnismäßig hohe Gehälter sind, erst Recht in Anbetracht der Tatsache, dass die betreffenden Banken mit Steuergeldern gerettet wurden.

    In anderen Bereichen, insbesondere mit "normalen" Angestellten, würde viel härter durchgegriffen werden. Aber die Normalverdiener haben eben nicht so viel Macht, und dass obwohl wir doch angeblich in einer Demokratie leben...

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    Die Deckelung der Gehälter für vom Staat gerettete Banken halte ich für moralisch in Ordnung. Wirtschaftlich könnte es vielleicht schädlich sein, um das zu beurteilen hab ich allerdings zu wenig Einblick.
    Was aber Ihren Systemfehler angeht bin ich anderer Meinung. Ein Investmentbanker der für seinen Auftraggeber Millionen investiert und dabei ein gutes Händchen hat, erwirtschaftet nunmal mehr Gewinn als ein 'normaler' Angestellter. Dementsprechend kann er auch mehr verdienen.

    • Gerry10
    • 26. Oktober 2010 17:55 Uhr

    ...war da nicht mal was mit einer 500K Gehaltsgrenze.
    Und wie lange hat die gehalten?

  1. Die Deckelung der Gehälter für vom Staat gerettete Banken halte ich für moralisch in Ordnung. Wirtschaftlich könnte es vielleicht schädlich sein, um das zu beurteilen hab ich allerdings zu wenig Einblick.
    Was aber Ihren Systemfehler angeht bin ich anderer Meinung. Ein Investmentbanker der für seinen Auftraggeber Millionen investiert und dabei ein gutes Händchen hat, erwirtschaftet nunmal mehr Gewinn als ein 'normaler' Angestellter. Dementsprechend kann er auch mehr verdienen.

    Antwort auf "Systemfehler"
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    • tr-808
    • 26. Oktober 2010 19:46 Uhr

    Sicherlich ist eine leistungsabhängige Vergütung i. O. und Anreiz zu entsprechenden Leistungen. Das Produkt seiner Arbeit ergibt sich aber zu einem Großteil eben nicht durch seine geistige oder körperliche Leistung, sondern aus dem ihm treuhänderisch übergebenen Geld seines Arbeitgebers und dessen Kunden! Nur weil er mit abstrakten (weil unvorstellbar hohen) Zahlen hantiert, ist noch lang kein ebensolches Gehalt gerechtfertigt.

    • jorkal
    • 26. Oktober 2010 21:13 Uhr

    Auf Ihrem Argumentationsniveau kann man die Deckelung der Gehälter genau so gut auch ablehnen.
    Und zwar mit der folgenden Erwägung: Dann wandern die guten Leute ab und gehen dahin, wo weiterhin die astronomischen Einkommen winken - zum Schaden der staatlich gestützten Institute, die diese guten Leute umso mehr bräuchten, um aus ihrer misslichen Lage wieder herauszukommen.

    Moral ist die Grundlage einer gewaltfreien Ordnug des inneren und des äußeren Friedens - und als solche unteilbar.

    Wenn individuelle Einkommensunterschiede diesen Frieden bedrohen, ist es höchste Zeit, den verbindlichen Moralkodex den neuen Erfordernissen anzupassen. Staatlich und privat.

    • tom310
    • 26. Oktober 2010 18:54 Uhr

    Die Unternehemn sollten künftig nur noch soviele Bonifikationen und Dividenden zahlen, wie sie Eigenkapital zurücklegen. Wer viel zurücklegt, darf die Leute dann auch belohnen.

    • BerndL
    • 26. Oktober 2010 19:29 Uhr

    dramatisch für die Jungs, die mit großer körperlicher und geistiger Anstrengung Geld umschaufeln.
    Die werden doch bei einem derartig geringen Einkommen nicht in die Altersarmut abrutschen.
    Sollten wir da nicht ein bisserl bedauern und sammeln.

    • tr-808
    • 26. Oktober 2010 19:46 Uhr

    Sicherlich ist eine leistungsabhängige Vergütung i. O. und Anreiz zu entsprechenden Leistungen. Das Produkt seiner Arbeit ergibt sich aber zu einem Großteil eben nicht durch seine geistige oder körperliche Leistung, sondern aus dem ihm treuhänderisch übergebenen Geld seines Arbeitgebers und dessen Kunden! Nur weil er mit abstrakten (weil unvorstellbar hohen) Zahlen hantiert, ist noch lang kein ebensolches Gehalt gerechtfertigt.

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    Wenn mir jemand 100 Mio. gibt kann ich auch 5 Mio. Gewinn erzielen :-)
    Ich sehe allerdings nicht wo das Problem ist, wenn die Arbeitnehmer am erwirtschafteten Gewinn beteiligt werden.
    Je höher die Beteiligung, desto besser ist es meiner Meinung nach.
    Die Alternative wäre, dass z.B. ein größerer Teil der Gewinne der Deutschen Bank im Unternehmen bleiben und an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Das kann wohl kaum in Ihrem Interesse sein.

    • Ploetz
    • 26. Oktober 2010 20:38 Uhr
  2. Wenn mir jemand 100 Mio. gibt kann ich auch 5 Mio. Gewinn erzielen :-)
    Ich sehe allerdings nicht wo das Problem ist, wenn die Arbeitnehmer am erwirtschafteten Gewinn beteiligt werden.
    Je höher die Beteiligung, desto besser ist es meiner Meinung nach.
    Die Alternative wäre, dass z.B. ein größerer Teil der Gewinne der Deutschen Bank im Unternehmen bleiben und an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Das kann wohl kaum in Ihrem Interesse sein.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa
  • Schlagworte Commerzbank | Gehalt | Unionsfraktion | Bundestag | Euro | Geschäftsführer
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