Wenn nicht ein Wunder passiert, wird die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auf ihrer Sitzung am 3. November die Märkte erneut mit frischem Geld fluten. "Quantitative Easing 2" oder kurz "QE 2" nennen die Experten den wiederholten Versuch, über den Ankauf von Wertpapieren die lahme Wirtschaft zu stimulieren.

Ein Erfolg der Fed ist unwahrscheinlich. Die amerikanischen Zinsen sind bereits niedrig – und zwar durch die Bank. Dass die Unternehmen nicht investieren und die Verbraucher kein Geld ausgeben, liegt nicht an zu hohen Finanzierungskosten, sondern an mangelnden Einkommenszuwächsen beziehungsweise Absatzchancen.

Die Liquiditätsflut der Fed wird zwar, wenn alles gut geht, die Vermögenspreise nach oben treiben, was über die Zunahme des gefühlten Reichtums auch etwas Konsum auslösen kann. Doch die Effekte dürften sich in Grenzen halten – und ob es sinnvoll ist, die Nachfrage aus dem Immobilienmarkt quetschen zu wollen, der gerade die größte Blase aller Zeiten hinter sich hat, ist mehr als fraglich.

Helfen würde der amerikanischen Wirtschaft im Augenblick nur ein neues Konjunkturpaket – doch das Wort Stimulus überhaupt in den Mund zu nehmen käme in Tea-Party-Amerika politischem Selbstmord gleich. Die Finanzpolitik ist gelähmt und die Fed ist derzeit das einzige handlungsfähige Staatsorgan. Weil ihr Mandat ihr vorschreibt, für Preisstabilität und Vollbeschäftigung zu sorgen, kann sie sich nicht verweigern.

Ganz anders in Europa, wo die Gründungsväter der Währungsunion der Europäischen Zentralbank (EZB) einzig das Ziel stabiler Preise vorgegeben haben und man an die Wirksamkeit einer lockeren Geldpolitik ohnehin nicht glaubt – dafür aber umso mehr an ihre Gefahren. Sicher, auch Europa muss sparen, doch der gut ausgebaute Wohlfahrtstaat in vielen Ländern macht den Konjunktureinbruch erträglicher als in den USA, wo der Jobverlust existenzbedrohend ist. Und für den Fall der Fälle gibt es ja den Euro-Rettungsschirm.

Jedenfalls ist die EZB bereit, mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik zu beginnen. Manche Ratsmitglieder – darunter Bundesbankpräsident Axel Weber und Chefvolkswirt Jürgen Stark – begännen damit wohl lieber früher als später. Andere – darunter Notenbankchef Jean-Claude Trichtet – plädieren für einen allmählichen Kurswechsel. Das Problem ist nur, dass ihnen die Fed einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Je nachdem wie umfangreich das neue Programm ausfällt, könnte es eine mächtige Abwertung des Dollars auslösen – aus Sicht der USA ein angenehmer Nebeneffekt, der den Export stimuliert und damit neue Wachstumsquellen erschließt.

Die damit einhergehende Aufwertung des Euro wäre für das starke Deutschland kein Problem, für die schwächelnden Staaten Südeuropas aber schon. Es ist unwahrscheinlich, dass Trichet bei einem drastischen Kursanstieg die Zinsen anheben wird. Je schneller er die Geldpolitik strafft, desto mehr Kapital lockt er nach Europa. Desto stärker fällt die Aufwertung aus.

Niemand kann den Amerikaner verbieten, eine Geldpolitik zu fahren, die aus ihrer Sicht angemessen ist. Lösen ließe sich das Problem nur durch Kapitalkontrollen und Deviseninterventionen – um den Wechselkurs auf ein Niveau zu bringen, das den Amerikaner das Exportieren ermöglicht, ohne die Europäer in die Krise zu stürzen.

Dazu wird es nicht kommen. Gut möglich also, dass die Europäer am Ende Bernankes Spiel mitmachen müssen.