Das japanische Kabinett hat einen Sonderhaushalt zur Förderung der Wirtschaftsaktivität gebilligt. Das Paket ist umgerechnet rund 44,5 Milliarden Euro schwer und muss noch vom Parlament abgesegnet werden. Hier besitzt die Regierungspartei von Ministerpräsident Naoto Kan allerdings keine eigene Mehrheit .

Es ist bereits das zweite Paket zur Belebung der Wirtschaft seit Kans Antritt im Juni. Es sieht Programme zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Förderung von Kleinunternehmen und der Infrastruktur sowie Investitionen in das Sozialsystem vor. Der Wirtschaft in Japan droht eine Deflation, zudem leidet sie unter dem starken Yen und der Weltwirtschaftslage.

Der Höhenflug des Yen verdirbt der japanischen Industrie mit Weltmarktführern wie Toyota an der Spitze zunehmend das Geschäft: Das Exportwachstum schwächte sich im September bereits den siebten Monat in Folge ab, teilte das Finanzministerium in Tokyo mit. Die Ausfuhren erhöhten sich binnen Jahresfrist um 14,4 Prozent, während sie gemessen am Vormonat um 0,1 Prozent schrumpften. Im August wurde das Niveau des Vorjahrs noch um 15,5 Prozent übertroffen, zu Jahresbeginn sogar um mehr als 40 Prozent.

Die Landeswährung stieg damit zu Wochenbeginn im Vergleich zum Dollar auf den höchsten Stand seit 15 Jahren, obwohl Japan vor wenigen Wochen massiv Dollar gekauft hatte und mit seinem ersten Eingriff am Devisenmarkt seit sechs Jahren den Höhenflug stoppen wollte. Durch die Aufwertung werden japanische Produkte in Übersee teurer. Wie stark das auf die Bilanzen durchschlägt, zeigt das Beispiel Toyota: Der weltgrößte Autobauer rechne damit, dass der hohe Yen-Kurs den operativen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr um etwa umgerechnet 1,3 Milliarden Euro drücken werde, berichtete die Zeitung Yomiuri .

Nach Einschätzung der Regierung tritt die japanische Wirtschaft derzeit auf der Stelle. Auch sie macht dafür den starken Yen verantwortlich. Zu schaffen macht Japan aber auch die geringere Wachstumsdynamik in Asien, wo mehr als die Hälfte der Exporte landen. Sie stiegen nur noch um 14,3 Prozent. Im August waren es noch 18 Prozent. Das Geschäft mit dem wichtigsten Handelspartner China legte sogar nur noch um 10,3 Prozent zu – das war der schwächste Zuwachs seit November 2009.

Die Einfuhren nach Japan wuchsen im September um 9,9 Prozent, was leicht über den Erwartungen der Analysten lag. Der Handelsbilanzüberschuss lag bei 797 Milliarden Yen (etwa sieben Milliarden Euro).