Spekulationsskandal: Ex-Börsenhändler Kerviel muss ins Gefängnis
Jérôme Kerviel verzockte bei Spekulationsgeschäften einst 4,9 Milliarden Euro und ruinierte damit fast die Großbank Société Générale. Nun muss er für fünf Jahre in Haft.
© Joel Saget/AFP/Getty Images

Größere Verluste verbuchte keiner: Jérôme Kerviel vor der Urteilsverkündung
Ein Pariser Gericht hat den französischen Ex-Börsianer Jérôme Kerviel wegen Untreue, Computermissbrauchs und Fälschung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zwei Jahre davon setzten die Richter auf Bewährung aus. Sie sahen es als erwiesen an, dass der damalige Angestellte der Großbank Société Générale keine Erlaubnis seiner Vorgesetzten für exzessive Spekulationsgeschäfte hatte. Kerviel hatte ingesamt 4,9 Milliarden Euro verzockt. Diese Summe muss er der Bank nun laut Urteil zurückzahlen.
Zwar habe es bei Société Générale auch interne Verfehlungen gegeben, hieß es in der Urteilsbegründung. Dies hätte Kerviel aber nicht von seinen Pflichten als professioneller Händler entbunden. Er habe sehr genau gewusst, was er tue. Zudem habe Kerviel versucht, das Überschreiten seiner Befugnisse zu vertuschen .
Die Richter verwarfen damit die Argumentation der Verteidigung. Diese hatte Freispruch gefordert und der Bank Mitverantwortung vorgeworfen, weil sie sein Handeln tolerierte, so lange er Gewinne machte. Kerviels Anwalt Olivier Metzner kündigte an, in Berufung zu gehen. Er nannte das Urteil "unvernünftig und nicht akzeptabel".
Der 33-Jährige Kerviel hatte die französische Großbank mit seinen illegalen Fehlspekulationen an den Rand des Ruins gebracht. Eigentlich durfte Kerviel maximal 125 Millionen Euro einsetzen, spekulierte aber mit Summen bis zu 50 Milliarden Euro. Der mit der Zeit angehäufte Spekulationsverlust von fast fünf Milliarden ist bislang der höchste aller Zeiten.
Der Richter gestand dem Angeklagten zu, dass er das Schweigen seiner Vorgesetzten als Ermutigung gedeutet habe, weiterzumachen. Es habe bei den Kontrollen in der Bank durchaus Lücken gegeben. Kerviel sei mit der Zeit immer nervöser geworden, sagte der Richter. Er erwähnte eine Chat-Nachricht an einen Arbeitskollegen, in der Kerviel spekulierte, dass er wohl bald im Knast landen werde. Allerdings warf der Richter Kerviel vor, sich während des Prozesses als Opfer des Systems dargestellt zu haben. Davon könne keine Rede sein.
Die Société Générale hatte die internen Kontrollen deutlich verbessert, nachdem der Verlust öffentlich wurde. Der damalige Chef Daniel Bouton musste seinen Posten verlassen. Er ging mit einer stattlichen Abfindung.





.
Zukunft. 2 Jahre sind schon um. Kurz nachdem er die Haft angetreten hat, wird er Freigänger und schließt mehrere Beraterverträge mit Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder Großbanken ab.
Die Vergütung fließt in eine Stiftung nach Liechtensteinischem Recht genannt "Wall Street III".
Kuratoren sind Sarkozy und Trichet nach deren Ausscheiden aus dem Amt.
So geht's business!!!
Für jede verzockte Euro-Milliarde ein Jahr ins Gefängnis. Da würde es mich überhaupt nicht stören, gewissen Herren von diversen Landes- und sonstigen Zockerbanken 40% Rabatt (Bewährung) auf die pauschale Strafe zu gewähren.
Aber in Deutschland läuft das anders. Da bleiben Verantwortliche im "Training on the job" oder werden im schlimmsten Fall auf Gehalts-Diät mit 500.000€ Obergrenze per Annum gesetzt.
Auch eine Art von Bewährung, der die verhöhnte Volks- und Steuerzahlerseele da ausgesetzt wird.
Eines haben wir mit Frankreich dann doch gemeinsam. Um dem Treiben zukünftige Zinserträge nicht zu vermasseln, bleiben die Banken selbst unbehelligt. Im Fall der HSH Nordbank wird Herr Nonnenmacher als Hauptverantwortlicher, gestützt vom "Aufsichtsrat" unter Vorsitz des Herrn Kopper (Mr. Peanuts), noch nicht einmal in Frage gestellt, sondern sogar als derjenige gepriesen, der wegen seiner mathematischen Kenntnisse die Bank wieder in gewinnträchtiges Fahrwasser bringen kann.
Und über allem schwebt wieder mal nur eine Erkenntnis:
Die Kleinen werden gehängt, die Grossen lässt man laufen.
Interessant wäre seine Meinung und Denke nach dem Urteil!
Gibt es Einsichten?
Es zeigt einfach die Entwicklung der Gier bis zum Zusammenbruch!
Opfer des Systems und seines eigenen Systems!
Business eben!
Wenn Herr K. nach seinem Knastaufenthalt wieder etwas Pfändbares besitzen will, muß er in ein Land auswandern, wo die Inkassohäscher der Großbank nicht so leicht hinkommen, bzw. keine Macht haben.
Dieser Fall hat IMO starke Ähnlichkeit mit der von Nick Leeson aus den 90ern. So täuschte z.B. auch Leeson die nötigen Absicherungsgeschäfte nur vor.
(Wikipedia:)
"Nicholas "Nick" Leeson (* 25. Februar 1967) ist ein ehemaliger Derivatehändler britischer Nationalität, der durch riskante Spekulationen den Zusammenbruch der Barings Bank, der ältesten Investmentbank Großbritanniens, verursachte."
1. "Leeson waren diese geringen Gewinne bald zu wenig. Er glaubte, die Bewegung des Marktes vorhersehen zu können und verzichtete auf die Absicherung seiner Geschäfte durch Tokio"
...
2. "Dank einer Computermanipulation gelang es ihm, das Konto 88888, auf das er die Verluste verbuchte, vor den Kontrollinstanzen der Bank zu verbergen."
...
3. "Durch gefälschte Briefe und Faxe täuschte er Geschäftsbeziehungen zu Dritten vor, in deren Auftrag er die Spekulationen durchführte."
...
4. "Leesons Fehlspekulationen führten zu einer weltweiten Devisenkrise, weil das britische Pfund enorm unter Druck kam. Es dauerte fast ein Jahr, bis die Finanzmärkte sich wieder halbwegs erholt hatten."
Leeson brachte später eine Autobiographie unter dem Titel "Das Milliardenspiel" heraus. Das Ganze wurde 1999 sogar verfilmt: "High Speed Money - Die Nick Leeson Story".
Glaubt irgendjemand allen ernstes, dass ein kleiner Trader mit einem Salär von 50.000 € fünf Milliarden verzockt haben soll, ohne dass die Sicherungsmechanismen einer jeden gut geführten Bank Alarm geschlagen haben? Natürlich ist dieser Richterspruch ein politisches Urteil. Es sollen nämlich die Freunde der Politiker, die in Frankreich in den höchsten Funktionen der Wirtschaft sitzen und dieselben Eliteschulen wie sie durchlaufen haben, geschohnt werden. Der Trader soll 4.9 Milliarden Euro zurückbezahlen? Das ist doch ein Treppenwitz der Geschichte. Ginge es nach den französischen Richtern, dann dürften nur noch wenige deutsche Bänker auf freiem Fuss sein und den Rest ihres Lebens Schulden abbezahlen. Wo kommen wir denn hin, wenn die Vorstände der Banken persönliche Verantwortung für ihr desaströses Handeln übernehmen müssten?
... hätte er das alles niemals anrichten können. Er hat sich schuldig gemacht, ja. Und trotzdem ist er nur ein Bauernopfer.
ENtfernt. Bitte äußern Sie sich in eigenen Worten zum Thema und verlinken Sie bitte auf weitere informative Quellen. Die Redaktion/cs
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren