Wohlstand Jeder Sechste ist von Armut bedroht

Armut trifft in Deutschland besonders die Arbeitslosen und Alleinerziehenden – macht aber auch vor Erwerbstätigen nicht halt.

Etwa jeder Sechste in Deutschland ist von Armut bedroht. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt , waren im Jahr 2008 durchschnittlich 15,5 Prozent der Bevölkerung Deutschlands armutsgefährdet. Das N iveau blieb damit gegenüber dem Jahr 2007 (15,2 Prozent) nahezu konstant.

Die Zahlen stammen aus einer europaweiten Erhebung. Als armutsgefährdet gilt demnach, wer nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen ein Einkommen von weniger als 11.151 Euro im Jahr (929 Euro monatlich) zur Verfügung hatte . Die Statistiker sprechen bewusst nicht von Armut. Die Zahlen seien Momentaufnahmen und bildeten einen Querschnitt. "Sie müssen ja nicht arm bleiben. Wenn sich die Familiensituation ändert, kann es im nächsten Jahr ganz anders aussehen", sagt Silvia Deckl vom Statistischen Bundesamt.

In Haushalten von Alleinerziehenden lag bei mehr als jeder dritten Person (37,5 Prozent) im Jahr 2008 eine Armutsgefährdung vor. 29,3 Prozent der allein lebenden Menschen verfügten im Jahr 2008 über ein Einkommen unterhalb des Schwellenwertes. Dagegen waren lediglich 7,7 Prozent der Personen in Haushalten von zwei Erwachsenen mit zwei Kindern armutsgefährdet.

Frauen sind in Deutschland häufiger armutsgefährdet als Männer. Dies gilt vor allem im Rentenalter: So haben 17,0 Prozent der Frauen ab 65 Jahren wenig Geld, aber nur 12,9 Prozent der Männer.

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Die Erhebung sei "ein trauriger Beleg" für die soziale Schieflage in Deutschland, kritisierte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Die Arbeitsarmut unter Erwerbstätigen sei das "erschreckende Ergebnis einer unsozialen Arbeitsmarktpolitik" durch den Missbrauch der Leiharbeit, die Förderung des Niedriglohnsektors und das Ausweiten prekärer Beschäftigungsverhältnisse, erklärte das DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki in Berlin. Verstärkt werde die Ausbreitung der Armut durch eine Bildungspolitik mit "sehr geringer sozialer Durchlässigkeit".

Nach der EU-Definition gilt als armutsgefährdet, wer von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung lebt. Für die Erhebung "Leben in Europa" sind in Deutschland 2009 fast 13.100 Haushalte mit mehr als 23.800 Bürgern ab 16 Jahren zu ihren Einkommen und Lebensbedingungen im Vorjahr befragt worden. Das ist der deutsche Teil der EU-weit vergleichbaren Datenquelle (EU-SILC).

Daneben wird die Armutsgefährdung in Deutschland auch bei der Volksbefragung Mikrozensus erhoben. Danach galt 2009 etwa jeder siebte (14,6 Prozent) als arm. Die Schwelle zur Armut war dabei bei Alleinstehenden mit 800 Euro berechnet worden.

 
Leser-Kommentare
  1. für eines der reichsten Länder der Erde. DAS sind die eigentlichen Zahlen wie es der Mehrzahl der Bevölkerung - vor allem den Kindern - in unserem Land wirklich geht.

    Wenn sie sich nur einmal schämen würden in den "oberen Riegen"...

  2. volle konzentration auf werdende Eltern und den Kinder.

  3. gibt es keine Armut. Arbeitslose gibt es nicht mehr. Die heilige Ursula hat sie endgültig abgeschafft.

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  4. Wenn sich die Familiensituation ändert, kann es im nächsten Jahr ganz anders aussehen", sagt Silvia Deckl vom Statistischen Bundesamt.

    Was soll das denn heissen? Reich heiraten, "Bedarfsgemeinschaft" bilden, rechnerisch raus aus Hartz4?

    Oder:

    Dieses Jahr noch Mutter und allein erziehend, nächstes Jahr Kind gestorben, Problem gelöst?

    Die Aussage von Frau Deckl lässt ziemlich viel unschönen Interpretationsspielraum.

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  5. Ich könnte weinen wenn ich höre, dass Menschen aus der Statistik regelrecht verschwinden, weil sie einen Vermittler haben, der privat ist und nicht öffentlich! Auch die, die sich entgegen jedem Nutzen in einer Weiterbildungsmaßnahme befinden (wo man so lustige Dinge lernt wie: Wie schalte ich einen Computer an? Wie drucke ich Dokumente aus?-anderes Thema).
    Es ist erstaunlich wie ignorant man sich der Wahrheit gegenüber widersetzen kann! Selbstverständlich geht es den Ärmeren von uns noch verhältnismäßig gut, schließlich muss noch keiner auf das Nachmittagsprogramm von gewissen Fernsehsendern verzichten. Dennoch ist es eine Schande, wenn arbeitende Menschen so im Stich gelassen werden und wenn Zeitarbeit sogar vollkommen legalisiert werden soll!
    Wie gut, dass ich nach meinem Universitätsabschluss auswandere, denn in so einem Staat möchte ich nicht leben.

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  6. Ich lebe als Student von 500. Danke.

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    • deva
    • 29.10.2010 um 19:28 Uhr

    Die Studienzeit ist eine vorübergehende Ausnahmesituation - und vor allem selbst gewählt.
    Hör also auf zu jammern!!!

    • SF
    • 29.10.2010 um 19:39 Uhr

    Von der gleichen Summe lebe ich als Studentin auch und fühle mich nicht arm. Das dürfte an folgenden Unterschieden liegen:

    - die Studienzeit ist vorübergehend und die meisten Studenten dürfen wohl davon ausgehen, dass ihr zukünftiges Einkommen die 900€ übersteigt - dies ist ja auch einer der Gründe, warum man studiert

    - als Student genießt man zahlreiche Vorzüge, bezahlt bis 25 keine Krankenversicherung etc.

    - als Student wird man nicht marginalisiert, wenn man mit 500€ auskommt, allen anderen geht es schließlich ähnlich und der studentische Lifestyle ist darauf ausgerichtet

    - ein Student ist nicht gezwungen, vollzeit zu arbeiten und dafür 900€ zu bekommen, wie ist im Niedriglohnsektor der Fall ist (womit ich nicht sagen möchte, dass Studenten faul sind, aber sie haben mehr Freiheiten)

    Wo denn? In Bitterfeld?!

    • deva
    • 29.10.2010 um 19:28 Uhr

    Die Studienzeit ist eine vorübergehende Ausnahmesituation - und vor allem selbst gewählt.
    Hör also auf zu jammern!!!

    • SF
    • 29.10.2010 um 19:39 Uhr

    Von der gleichen Summe lebe ich als Studentin auch und fühle mich nicht arm. Das dürfte an folgenden Unterschieden liegen:

    - die Studienzeit ist vorübergehend und die meisten Studenten dürfen wohl davon ausgehen, dass ihr zukünftiges Einkommen die 900€ übersteigt - dies ist ja auch einer der Gründe, warum man studiert

    - als Student genießt man zahlreiche Vorzüge, bezahlt bis 25 keine Krankenversicherung etc.

    - als Student wird man nicht marginalisiert, wenn man mit 500€ auskommt, allen anderen geht es schließlich ähnlich und der studentische Lifestyle ist darauf ausgerichtet

    - ein Student ist nicht gezwungen, vollzeit zu arbeiten und dafür 900€ zu bekommen, wie ist im Niedriglohnsektor der Fall ist (womit ich nicht sagen möchte, dass Studenten faul sind, aber sie haben mehr Freiheiten)

    Wo denn? In Bitterfeld?!

    • WIHE
    • 29.10.2010 um 19:21 Uhr

    Verstärkt werde die Ausbreitung der Armut durch eine Bildungspolitik mit "sehr geringer sozialer Durchlässigkeit".<

    Die Leute von heute sind nicht mehr in der Lage, die tatsächlich gegebene Durchlässigkeit zu nutzen.
    Früher klappte es besser mit der Durchlässigkeit.
    Vielleicht war da wohl die Intelligenz oder Wille zum Aufstieg derjenigen noch größer, die nach oben wollten.
    Alles wird offenbar schlechter, nichts besser.
    Ich bin noch neben einem Kuhstall groß geworden.
    Allerdings konnte meine Mutter lesen und schreiben.

    Das reichte völlig, um mir anfangs auf dem Gymnasium die Lateinvokabeln abfragen zu können.
    Dass ich damals einen Weltatlas für 40 DM benötigte, wagte ich meiner Mutter ein halbes Jahr gar nicht zu sagen, weil ich annahm, ihr Geld reiche nicht dafür.
    Abitur Universität, alles habe ich abgeschlossen, die schon in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

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    • Wombel
    • 29.10.2010 um 23:52 Uhr

    als ich noch zur Schule gegangen bin (vor 20 Jahren) sind in meiner (gesamten) Schulzeit vielleicht 10 Stunden ausgefallen, Heute fallen bei beiden meiner Kinder 10 Stunden in der Woche aus, überhaupt ist der Untericht schon im Stundenplan sehr ungewohnt für mich.
    3x in der Woche haben die Kinder 1. und 2. Stunde Untericht dann 3 Stunden frei und ab der 5. Stunde dann bis 17:00 Uhr Abends, für Nachhilfe bleibt keine Chance mehr und Hausaufgaben sind dann ja auch noch 2 bis 3 Stunden.
    Also faul sind unsere Kinder Heute sicher nicht, wer sein Abi (Heute) nach 12 Jahren bei einer Unterichtsversorgung von 70 bis 80% schafft verdient meinen Respekt.
    Wenn die Kultusminister dann immer auf 120% Versorgung kommen, lässt mich allerdings dann auch an der Qualität (Ihrer Ausbildung)zweifeln.

    • Wombel
    • 29.10.2010 um 23:52 Uhr

    als ich noch zur Schule gegangen bin (vor 20 Jahren) sind in meiner (gesamten) Schulzeit vielleicht 10 Stunden ausgefallen, Heute fallen bei beiden meiner Kinder 10 Stunden in der Woche aus, überhaupt ist der Untericht schon im Stundenplan sehr ungewohnt für mich.
    3x in der Woche haben die Kinder 1. und 2. Stunde Untericht dann 3 Stunden frei und ab der 5. Stunde dann bis 17:00 Uhr Abends, für Nachhilfe bleibt keine Chance mehr und Hausaufgaben sind dann ja auch noch 2 bis 3 Stunden.
    Also faul sind unsere Kinder Heute sicher nicht, wer sein Abi (Heute) nach 12 Jahren bei einer Unterichtsversorgung von 70 bis 80% schafft verdient meinen Respekt.
    Wenn die Kultusminister dann immer auf 120% Versorgung kommen, lässt mich allerdings dann auch an der Qualität (Ihrer Ausbildung)zweifeln.

    • deva
    • 29.10.2010 um 19:28 Uhr

    Die Studienzeit ist eine vorübergehende Ausnahmesituation - und vor allem selbst gewählt.
    Hör also auf zu jammern!!!

    Antwort auf "900 Euro im Monat?"

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