Die bislang größte Demo gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21, an der 60.000 bis 100.000 Menschen teilnahmen, bildete am Wochenende den lauten Auftakt für die Schlichtungsgespräche. Am Dienstag trifft Vermittler Heiner Geißler die Vertreter des Aktionsbündnisses gegen das Projekt. Ende der Woche soll die eigentliche Schlichtung beginnen. Bereits jetzt verwahrte sich Geißler gegen die Auffassung, nach der Schlichtung könne es nur Gewinner und Verlierer geben: Es gebe "nicht nur schwarz und weiß".

Doch hinter vorgehaltener Hand äußern mittlerweile auch führende Manager baden-württembergischer Großunternehmen massive Zweifel daran, dass Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) das Projekt politisch durchsetzen kann. Unklar ist jedoch, wie hoch der Preis für einen Ausstieg aus dem seit knapp zwei Jahrzehnten geplanten Mega-Projekt wäre.

Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) spricht von Rückabwicklungskosten von 500 Millionen Euro bis 1,4 Milliarden Euro. In jedem Fall kämen hohe Regressforderungen durch die Bahn auf das Land zu. Wie erklärt sich die enorme Spanne?

"Alles in allem würde die Bahn nach jetzigem Stand bei einem Projektabbruch mindestens 1,5 Milliarden Euro verlieren", sagt Bahn-Vorstand Volker Kefer. Dazu kämen noch einmal Ausgaben von 1,5 Milliarden Euro, weil das Gleisbett vor dem Stuttgarter Bahnhof marode ist. Auf die Sanierung wurde bislang verzichtet, weil sie sich durch den Tiefbahnhof erübrigen würde. Nach Rechnung der Bahn werden demnach bei einem Stopp rund drei Milliarden Euro fällig, ohne dass es – außer den sanierten Gleisen – einen vorzeigbaren Mehrwert gebe.

Die Gegner kommen dagegen auf Ausstiegskosten von nur einer halben Milliarde Euro. Nach Rechnung des Bahnexperten Christian Böttger von der Berliner FH für Technik und Wirtschaft sind mehr als die Hälfte der 1,5 Milliarden Euro Korrekturbuchungen auf Gewinne der Bahn aus Grundstücksverkäufen. Vom Rest entfalle ein Teil auf die ICE-Strecke, die auch ohne Stuttgart 21 gebaut werden könnte, sagt der Sachverständige im Verkehrsausschuss des Bundestages. Die echten Ausstiegskosten lägen somit bei maximal 500 Millionen Euro.

Die Kosten für Stuttgart 21, also den unterirdischen Bahnhof selbst samt seiner neuen Anbindung, beziffert die Bahn seit diesem Jahr auf 4,1 Milliarden Euro. Dafür wurde eine komplexe Mischfinanzierung von Bund, Land, Stadt, Region und Bahn vereinbart.