Europas Bauern sollen künftig ökologischer und sozialer wirtschaften – und dafür von Seiten der Europäischen Union (EU) finanziell belohnt werden. Entsprechende Pläne für die nächste große EU-Agrarreform stellte Agrarkommissar Dacian Ciolos in Brüssel vor. Er will mit dieser Reform, über deren endgültige Form noch erbittert gerungen werden dürfte, die Subventionen besser vor den europäischen Bürgern rechtfertigen.

Künftig sollen jene Landwirte mehr Geld erhalten, die mit ihrer Arbeit die Umwelt bewahren . Auch kleine Höfe sollen durch eine Staffelung der Zahlungen mehr bekommen als Großbetriebe. Zudem soll die Zahl der Arbeitskräfte pro Hektar stärker berücksichtigt werden. Manche Bauern benötigen für einen Hektar Fläche rechnerisch mehr Arbeitskräfte, etwa weil sie umweltschonender produzieren. Zurzeit fließt der Großteil der Hilfen aber rein nach Fläche.

Die Subventionen für die Landwirtschaft machen rund 40 Prozent des gesamten EU-Haushaltes aus. Jährlich fließen mehr als 50 Milliarden Euro an die Bauern, davon etwa sechs Milliarden nach Deutschland. "Die gemeinsame Agrarpolitik betrifft nicht nur die Bauern, sondern alle Bürger der EU als Verbraucher und Steuerzahler", sagte Ciolos. "Deshalb müssen wir zu einer Politik kommen, die für die Öffentlichkeit nachvollziehbar ist und die genau zeigt, welche Vorteile die Bauern der ganzen Gesellschaft bringen."

Zustimmung erntet der rumänische Kommissar bei Umwelt- und Verbraucherschützern sowie naturnah wirtschaftenden Bauernhöfen und Agrarbetrieben. Viele große Agrarbetriebe und Bauernhöfe, die weniger auf die Umwelt achten, aber würden durch die Reform schlechter gestellt.

Daher sind auch die deutschen Bauern gespalten: Der tendenziell für eine technisierte und groß strukturierte Landwirtschaft sprechende Deutsche Bauernverband (DBV) übte scharfe Kritik an den Reformvorschlägen. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner forderte einen "besseren Gleichklang" zwischen marktorientierter Landwirtschaft und Umwelt- und Klimaschutz. Die neuen Vorschläge brächten den deutschen Bauern "mehr Rückschritt als Fortschritt".

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die kleinere und eher naturnah wirtschaftende Bauern vertritt, begrüßte die Vorschläge dagegen, ebenso wie die Umweltverbände WWF und BUND. EU-Kommissar Ciolos habe sich gegen jene durchgesetzt, "die nichts anderes als die Interessen der größten Profiteure der Agrarpolitik im Sinn haben", sagte der AbL-Vorsitzende Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) schlug sich auf die Seite des DBV und kritisierte, die Vorschläge enthielten "mehr offene Fragen als überzeugende Antworten". Die Ministerin warnte, durch die stärkere Kontrolle von Bauernhöfen auf Naturschutzleistungen drohe mehr Bürokratie. "Unserer Natur ist nicht damit geholfen, wenn am Ende nur die Bürokratie blüht", sagte sie.

Bei der kleineren Reform 2008 hatte die EU bereits ähnliche Vorschläge wie dieses Jahr auf den Tisch gelegt. Sie wurden aber vor allem von Deutschland und Frankreich deutlich abgeschwächt. Nun verlangt Brüssel eine noch stärkere Bindung der Zahlungen an soziale und ökologische Kriterien als bei der vorherigen Reform. Auch diesmal zeichnet sich allerdings ab, dass unter anderem Berlin und Paris auf eine stärkere Beibehaltung des Status quo dringen.