Die Nachricht dürfte die Kritiker von Stuttgart 21 in ihrer Haltung bestärken: Das Eisenbahnbundesamt, das die Kalkulation für den Bau der Schnellbahnstrecke Wendlingen-Ulm prüft, hält das Projekt für zu teuer. "Vorläufig keine Baufreigaben in finanzieller Hinsicht", heißt es in einem Schreiben der Behörde vom 7. September 2010 an die DB Netz AG.

In dem Brief, der dem Magazin Stern vorliegt, geht es um den umstrittenen Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofes und der dazugehörenden Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm . Allein bei zwei Tunneln, die durch die Schwäbische Alb gebohrt werden sollen, rügen die EBA-Beamten, dass "Mehrkosten in Höhe von ca. 280 Millionen Euro zu verzeichnen sind". Aus der Erfahrung mit anderen Projekten sei "nicht zu erwarten, dass derart hohe Mehrkosten ... kompensiert werden können".

Unter diesen Voraussetzungen sei die Gesamtfinanzierung des Vorhabens derzeit nicht gesichert. Derweil bestätigte auch eine Sprecherin des Bundesverkehrsministerium den Bericht des Stern . Das Eisenbahn-Bundesamt habe im September eine Baufreigabe für die neue Strecke von Wendlingen nach Ulm verweigert.

Es sei ein normaler Vorgang, wenn vor Baubeginn die Finanzierung noch einmal nachjustiert werden müsse, sagte die Sprecherin. Bund und Bahn würden weiterhin zu der Neubaustrecke stehen. Es müsse nun überprüft werden, wie die Strecke fortgeführt werden könne.

Mehrere Gutachter hatten die Kostenrechnung der Bahn bereits als unseriös eingestuft. Zuletzt ermittelten Fachleute im Auftrag der Grünen , dass die Kosten auf etwa zwölf Milliarden steigen dürften. Das Problem: Bei der Rechnung spielen politische Vorgaben eine Rolle, etwa vom ebenfalls beteiligten Land Baden-Württemberg , das seinen Finanzierungsanteil deckelte. Experten vertreten zudem die Ansicht, dass das Land gar nicht mitbezahlen darf, weil der Bau ausschließlich Angelegenheit des Bundes sei.

Die offizielle Baukostensumme und auch die Zeitpläne des Milliardenprojekts seien fragwürdig, heißt es in dem Bericht. "Der Gesamtterminplan ist ... nicht mehr realistisch und die Inbetriebnahmetermin 2019 nicht mehr zu halten", zitiert der Stern aus einer "streng vertraulichen" Analyse vom September.

Im Juli hatte Bahnchef Rüdiger Grube verkündet, die Neubaustrecke koste 2,89 Milliarden Euro. In einem internen Bericht vom September heißt es, die derzeit vorliegenden Kostenberechnungen der Entwurfsplanungen "ergeben jedoch eine höhere Gesamtsumme".

Die Bahn beharrte auf ihrer offiziellen Haltung. Ein Sprecher sagte, man gehe von "Kosten in Höhe von 2,89 Milliarden Euro aus". Der Terminplan sei zwar "ambitioniert", aber es sei "weiterhin möglich, ihn einzuhalten".

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hält einen Baustopp beim umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 für möglich, sollten die Mineralwasserquellen der Stadt bei den Tunnelarbeiten Schaden nehmen. "Wenn es eine konkrete Gefährdung geben könnte, würde die Stadt sofort Maßnahmen zur Beseitigung dieser Gefahren einfordern – notfalls mit vorläufigem Baustopp", sagte Schuster der ZEIT. "Eine Prämisse war immer der Schutz unseres Mineralwassers." Die Stadt werde das Grundwassermanagement, das dem Schutz der Mineralquellen dient, deshalb "ganz genau und sehr kritisch beobachten".

Demonstranten protestieren seit Monaten heftig gegen das Vorhaben , für das im Stuttgarter Schlossgarten fast 300 Bäume fallen sollen. Bei der Räumung des Parks durch die Polizei hatte es Ende September viele Verletzte gegeben.

Mittlerweile herrscht offiziell ein Baustopp, weil sich ein Runder Tisch unter Leitung des früheren CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler um einen Konsens von Bahn und Gegnern bemüht.