Arbeitsförderung Ein-Euro-Jobber finden selten reguläre Jobs

Der Ein-Euro-Job ist nur für Wenige die Brücke zu einem festen Arbeitsplatz. Grund könnte das Stigma des Billigarbeiters sein – oder die falschen Qualifikationen.

Langzeitarbeitslose mit einem solchen Job finden nicht schneller in reguläre Beschäftigung. Hartz IV-Empfänger, die einen Ein-Euro-Job annehmen, erreichten nach einem Jahr sogar seltener eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als vergleichbare Langzeitarbeitslose ohne Ein-Euro-Job, ergab eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Für die Untersuchung werteten Fachleute die Erwerbsverläufe von 160.000 Arbeitslosengeld-II-Empfängern aus.

Der Nachteil der Ein-Euro-Jobber bei regulären Stellen habe sich quer durch die Bevölkerung gezeigt, hieß es. Am stärksten sei der Effekt bei Männern ohne ausländische Wurzeln. Die wenigsten Unterschiede zeigten sich bei Frauen mit ausländischer Herkunft.

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Das ZEW sieht mehrere mögliche Gründe für dieses Resultat: Die Qualifikationen, die sie durch ihren Billigjob erwerben, könnten an den Erfordernissen des ersten Arbeitsmarktes vorbeigehen. Auch sei es denkbar, dass die Ein-Euro-Jobs Langzeitarbeitslose stigmatisieren, weil die Arbeitgeber diese Tätigkeit als Indiz für eine mangelnde Beschäftigungsfähigkeit ansehen.

Es könnte jedoch auch sein, dass sich Hartz-IV-Empfänger besonders intensiv um einen Job am regulären Arbeitsmarkt bemühen, um einen unattraktiven Ein-Euro-Job zu vermeiden. Dann wäre die höhere Beschäftigtenquote in der Vergleichsgruppe ein indirekter Erfolg der Ein-Euro-Jobs.

Das ZEW warnt jedoch davor, die Jobs für ein unwirksames Mittel zu halten. "Mit den Daten können wir leider nicht feststellen, welche Gründe für das ungünstige Abschneiden der Ein-Euro-Jobs verantwortlich sind", sagte ZEW-Wissenschaftler Stephan Thomsen. Darum dürfe man aus den Ergebnissen nicht voreilig den Schluss ziehen, dass Ein-Euro-Jobs ein vollkommen ungeeignet seien, Menschen einen festen Arbeitsplatz zu verschaffen.

Ein-Euro-Jobs sind derzeit das von den Jobcentern am häufigsten eingesetzte Mittel, um Langzeitarbeitslose zu Erwerbsarbeit zu verhelfen. Sie sollen so ihre Beschäftigungsfähigkeit steigern und die Chance auf einen sozialversicherungspflichtigen Job erhöhen. Jährlich beginnen laut ZEW mehr als 750.000 Langzeitarbeitslose einen Ein-Euro-Job.
 

 
Leser-Kommentare
  1. über diese ergebnisse. da werden fragen mit konjunktiv bezeichnet, die jede/r betroffene beantworten könnte, nämlich aus erfahrung.

    "Der Nachteil der Ein-Euro-Jobber bei regulären Stellen habe sich quer durch die Bevölkerung gezeigt, hieß es. Am stärksten sei der Effekt bei Männern ohne ausländische Wurzeln. Die wenigsten Unterschiede zeigten sich bei Frauen mit ausländischer Herkunft."

    kann es sein, daß man den negativen effekt bei "männern ohne ausl. wurzeln" darum so gut sehen kann, weil die anderen gruppen auch sonst auf dem arbeitsmarkt stark benachteiligt sind, diese teilgruppe aber sonst weniger?

    "Die Qualifikationen, die sie durch ihren Billigjob erwerben, könnten an den Erfordernissen des ersten Arbeitsmarktes vorbeigehen."

    welche qualifikationen sind gemeint, in beschäftigungen, die als zusätzlich und nicht unternehmerisch nutzbar etc. gekennzeihnet wurden. wo sollen dann qualifikationen für den regulären arbeitsmarkt erworben werden? das ist beinahe schon ein tautologischer zusammenhang.

    "Auch sei es denkbar, dass die Ein-Euro-Jobs Langzeitarbeitslose stigmatisieren, weil die Arbeitgeber diese Tätigkeit als Indiz für eine mangelnde Beschäftigungsfähigkeit ansehen...Es könnte jedoch auch sein, dass sich Hartz-IV-Empfänger besonders intensiv um einen Job am regulären Arbeitsmarkt bemühen, um einen unattraktiven Ein-Euro-Job zu vermeiden."

    hat der journalist beim schreiben einen zusammenhang bemerkt, zumal in direkt aufeinanderfolgenden sätzen?

  2. ich kann mindestens noch einen weiteren grund nennen, der dazu führt, daß ein-euro-jobber weniger häufig in reguläre jobs einmünden:
    die kommunen kranken extrem und immer stärker unter finanzmangel. viele ivestitionen, die "früher" noch unter nutzung von handwerksfirmen oder jedenfalls von regulär beschäftigten ausgeführt wurden, laufen heutzutage über sog. "beschäftigungsgesellshcaften". dort verrichten eben "arbeitslose" die arbeit, die die kommunen als "zusätzlich" deklarieren (weil sie aus den verbliebenen haushaltsposten nicht mehr regulär finanziert werden können). so kann also so manch qualifizierter arbeiter nicht mehr regulär beschäftigt werden, sondern nur noch über solche beschäftigungsmaßnahmen. damit wurden dann tatsächlich arbeitsplätze vernichtet, weil die entsprechenden handwerksfirmen mangels aufträgen pleite gingen oder wenigstens personal abbauen mußten, öffentliche arbeitsplätze nach dem ausscheiden entweder mit k.w. versehen wurden (kann wegfallen) oder in befristete tätigkeiten umgewandelt wurden 8oder eben ein-euro-jobs).

    es gibt noch mancherlei zusammenhänge. aber im grunde sind die bereits alte hüte. das iab nürnberg stellt schon seit jahren diese und ähnliche diagnosen, ohne daß sich allerdings an der praxis etwas verändert.

  3. Also ich habe mir gerade die PM auf der HP des ZEW angeschaut (ist im Artikel oben verlinkt). Unterer Satz kommt da nicht vor...er ist auch ein wenig - sagen wir - gewagt, angesichts des Befundes der Studie....

    "Es könnte jedoch auch sein, dass sich Hartz-IV-Empfänger besonders intensiv um einen Job am regulären Arbeitsmarkt bemühen, um einen unattraktiven Ein-Euro-Job zu vermeiden. Dann wäre die höhere Beschäftigtenquote in der Vergleichsgruppe ein indirekter Erfolg der Ein-Euro-Jobs."

    Mich würde schon interessieren, wer den da drin haben wollte....

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    lustig, dieser satz ist mir auch aufgefallen (kunststück bei den paar dürren sätzen über eine komplette studie). wolte aber nichts mehr schreiben, der platz hat nicht mehr ausgereicht.
    nun würde ich allerdings nicht (leicht verschwörungstheoretisch) vermuten, daß den satz dort jemand drin haben wollte. nein, es war sogar ein direktes ziel der h4-reform, langzeitarbeitslose stärker unter druck zu setzen, um sie dazu zu bringen, auch niedriglohnjobs anzunehmen, bspw. um dem druck der mitarbeiter der jobcenter zu entgehen. so weit ich mich erinnere, wurde dies ziel sogar recht klar formuliert.

    lustig, dieser satz ist mir auch aufgefallen (kunststück bei den paar dürren sätzen über eine komplette studie). wolte aber nichts mehr schreiben, der platz hat nicht mehr ausgereicht.
    nun würde ich allerdings nicht (leicht verschwörungstheoretisch) vermuten, daß den satz dort jemand drin haben wollte. nein, es war sogar ein direktes ziel der h4-reform, langzeitarbeitslose stärker unter druck zu setzen, um sie dazu zu bringen, auch niedriglohnjobs anzunehmen, bspw. um dem druck der mitarbeiter der jobcenter zu entgehen. so weit ich mich erinnere, wurde dies ziel sogar recht klar formuliert.

  4. lustig, dieser satz ist mir auch aufgefallen (kunststück bei den paar dürren sätzen über eine komplette studie). wolte aber nichts mehr schreiben, der platz hat nicht mehr ausgereicht.
    nun würde ich allerdings nicht (leicht verschwörungstheoretisch) vermuten, daß den satz dort jemand drin haben wollte. nein, es war sogar ein direktes ziel der h4-reform, langzeitarbeitslose stärker unter druck zu setzen, um sie dazu zu bringen, auch niedriglohnjobs anzunehmen, bspw. um dem druck der mitarbeiter der jobcenter zu entgehen. so weit ich mich erinnere, wurde dies ziel sogar recht klar formuliert.

    Antwort auf "indirekte Erfolge..."
  5. Es ist ja schon seit langem bekannt, dass die "Arbeitsgelegenheiten" in vielfältiger Hinsicht kontraproduktiv sind. Es wurden hier Begehrlichkeiten der Kommunen, aber auch von gemeinnützigen Vereinen geweckt: der Ein-Euro-Jobber kostet nichts, im Gegenteil, er bringt sogar noch Geld mit, denn die Arbeitsagentur zahlt dem Beschäftiger eines Ein-Euro-Jobs eine zusätzliche Mehraufwandsentschädigung. Dadurch hat sich in Kommunen und auch in gemeinnützigen Organisationen eine "Der-Nächste-Bitte"-Mentalität durchgesetzt. Es sind schließlich genug potenzielle Ein-Euro-Jobber da, es besteht keinerlei Notwendigkeit, auch nur irgendwen davon fest einzustellen. Und die Argen sind angewiesen für billigen Nachschub zu sorgen, den man gerne nimmt.

    Ein weiteres Problem dürfte in der Stigmatisierung der Ein-Euro-Jobber begründet sein. Sie sind in der Regel klar an der ihnen bereitgestellten Arbeitskleidung erkenntlich. Sinn dieser optischen Abhebung ist eine klar erkennbare Abgrenzung zu den regulär Beschäftigten. Letztere gehen einer normalen Erwerbstätigkeit nach, die Ein-Euro-Jobber hingegen befinden sich unter disziplinarischen Beobachtung seitens der Behörden. Durch die öffentlich erkennbare Abgrenzung der Ein-Euro-Jobber wird auch den Steuerzahlern in der Öffentlichkeit sichtbar gemacht, dass die arbeitsmarktpolitischen Leitsätze des Förderns und Forderns keine hohlen Phrasen sind. Dass es sich hier am Ende aber nur im statistische Tricksereien handelt, wird unterschlagen.

  6. Für welche Institutionen ist der 1.Euro-Job interessant. Es sind in der Regel Kommunen, gemeinnützige Verbände und Vereine und deren Beschäftigungsgesellschaften. Die Interesse hört aber dann auf, wenn der 1.Euro Jobber in ein befristetes oder sog. unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden soll - dann fallen die Zuschüsse weg. Der "Gemeinnützigen Industrie" kann nur daran gelegen sein, dass der 1.Euro-Jobber bleibt was er ist, ist seine Zeit abgelaufen - kommt der nächste. Das ein 1.Euro-Jobber durch seine Tätigkeit in den 1. Arbeitsmarkt kommt, ist selten, da auch nicht gewollt. Ich weiss wovon ich rede, bin selbst Vorsitzender eines gemeinnützigen Vereines.

  7. Ich bin selbst 1€-Jobber und wollte nur mal davon abraten, alle Arbeitsgelegenheiten, wie die 1€-Jobs von der ARGE genannt werden, schlechtzumachen. Es gibt wirklich auch 1€-Jobs, die durchaus anspruchsvoller sind als die des immer wieder als Beispiel herangezogenen Grünflächenreinigers. Auch werden nicht alle Arbeitslosen zwangsläufig in solche Maßnahmen gezwungen, sondern sind vielleicht dankbar, auf diesem Wege wieder am Arbeitsleben teilnehmen zu können bzw. einen strukturierteren Tagesablauf zu haben.

    Zudem wurde bei meinem 1€-Job der Arbeitslose, der vor mir auf der 1€-Stelle eingesetzt war, in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen.

    Sicher werden diese Stellen auch oft ausgenutzt, um billig an Arbeitskräfte zu kommen, ohne dass diese durch ihre Tätigkeit ihre Perspektive auf einen Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt verbessern würden. Was mich nur ärgert ist, dass man in der Öffentlichkeit eigentlich ausschließlich die Negativbeispiele hört und dass in den Artikeln, die sich mit dem Thema befassen, immer Menschen abgebildet sind, die Müll aufsammeln, Hecken schneiden oder wie hier Laub aufsammeln. Als gäbe es gar keine anderen Tätigkeitsfelder, in die 1€-Jobber vermittelt würden.

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  • Quelle dpa
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  • Schlagworte Bevölkerung | Sozialpolitik | Ein-Euro-Job | Arbeit
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