SuchneutralitätEU-Kommission ermittelt gegen Google

Hat Google Suchergebnisse manipuliert und seine Marktmacht missbraucht? Verletzt der Konzern dadurch die Such-Neutralität? Die EU-Kommission hat Ermittlungen eingeleitet. von dpa und AFP

Das Europa-Hauptquartier von Google im irischen Dublin

Das Europa-Hauptquartier von Google im irischen Dublin  |  © Peter Muhly/AFP/Getty Images

Google steht im Verdacht, Suchergebnisse manipuliert und so Mitbewerber benachteiligt zu haben. Die EU-Kommission hat daher ein formelles Verfahren gegen den Internet-Riesen eingeleitet , um zu prüfen, ob Wettbewerbsverstöße vorliegen. Ihr lägen mehrere Beschwerden vor, Google habe die Seiten anderer spezialisierter Suchdienste bei seinen Suchergebnissen vorsätzlich zu weit unten angezeigt und seine eigenen Dienste prominenter präsentiert, begründete die Kommission ihren Schritt.

Würde sich der Vorwurf bestätigen, wäre es ein Verstoß gegen das Prinzip der Such-Neutralität , das vorgibt, dass alle gefundenen Ergebnisse gleich behandelt werden müssen.

Anzeige

Die EU-Wettbewerbshüter gehen eigenen Angaben zufolge auch Vorwürfen nach, dass Google seine marktbeherrschende Stellung missbraucht habe. So habe das US-Unternehmen bei Werbeverträgen den Partnern möglicherweise auferlegt, bestimmte konkurrierende Werbung auf ihren eigenen Seiten zu schalten. Sie mussten, lautet der Vorwurf, eine Ausschließlichkeitsverpflichtung unterschreiben, wenn sie mit Google Geschäfte machen wollten.

Google selbst kommentierte das Verfahren nur indirekt. In einer schriftlichen Erklärung heißt es, das Unternehmen arbeite hart daran, "das Richtige für unsere Nutzer und unsere Branche zu tun". Dazu gehöre, dass jeder über seine Daten verfügen könne und dass Werbung stets eindeutig gekennzeichnet sei. "Natürlich gibt es immer auch Möglichkeiten für weitere Verbesserungen – wir werden daher eng mit der Kommission zusammenarbeiten, um etwaige Bedenken auszuräumen."

Nach EU-Wettbewerbsregeln dürfen Unternehmen, die einen großen Teil des Marktes kontrollieren, diese Position nicht zum Schaden von Verbrauchern und Konkurrenten ausnutzen. Im vergangenen Jahrzehnt war die Kommission gegen den Software-Giganten Microsoft vorgegangen und hatte Strafen in Milliardenhöhe verhängt. Falls die Wettbewerbshüter im Laufe des Verfahrens ihre Vorwürfe erhärten können, droht auch Google ein hohes Bußgeld.

In den USA gibt es ebenfalls solche Klagen gegen den Konzern. Seit einigen Monaten ermittelt der Generalstaatsanwalt des amerikanischen Bundestaates Texas aus dem gleichen Grund. Vier Konkurrenten hatten geklagt, sie würden in der Googlesuche benachteiligt, das britische Unternehmen Foundem , und die amerikanischen Firmen myTriggers , SourceTool und TradeComet . Google antwortete darauf in einem Blogpost mit der gleichen Formulierung , die auch jetzt wieder verschickt wurde.

Foundem soll auch einer der Initiatoren der europäischen Untersuchung sein.Google beschuldigt die Firma, sich bei der Klage von Microsoft unterstützen zu lassen. Das Unternehmen ist einer der größten Konkurrenten Googles. Wobei sich die Frage stellt, ob es relevant ist, wer die Klage unterstützt, wenn sie sich als begründet erweisen sollte.

Die Kommission teilte mit, sie habe bisher keine rechtswidrige Handlung nachweisen können.

Ein Harvard-Professor hat vor kurzem gezeigt , dass die googleiegenen Suchergebnisse tatsächlich manchmal auffällig weit oben stehen. Benjamin Edelman schreibt dazu, er habe Belege gefunden, dass Google die eigenen Seiten in die Ergebnisse " hard-code ", also ihr Auftauchen in der Liste erzwinge.

Update: Google hat inzwischen auf einem seiner Firmenblogs eine Erklärung zu den europäischen Ermittlungen veröffentlicht . Darin steht jedoch lediglich, dass Google ständig seine Suchtechnologie umbaue und verändere, und dass der Konzern so transparent sei, wie es ihm möglich ist.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Google manipuliert die Suchergebnisse seiner Suchmaschine nach allen möglichen Vorgaben.
    (Werbe)skripte auf fast jeder Website verfolgen den "Surfer" über den Tag.
    Der Ip werden nun vorlieben zugeordnet, ohne das der Surfer es merkt. Tippt er nun eine Suchanfrage ein hilft schon die Autovervollständigung der "freien Suche" nach.
    Je nach IP ( über abgleich die PLZ) gibt google auch gerne Ergebnisse die nicht nur Länder sondern auch lokalspezifisch sind.
    Hilfreich ist es immer zu finden was man will. Aber auch etwas beängstigend wenn google schon vorher weiß welche information man sich gleich aneignen wird.
    Mit einem personellen "Internet Avatar" möglichmit dem E-Perso kann eine Organisation das wissen und die Vorlieben jedes Menschen auf der Welt speichern.

    Die Googlesuche "weiß" natürlich mehr über solche seiten mit deren Werbung drauf, da kann man auch den Großteil der Kunden hinlenken. Durchschaubar ist das nicht.Wiedermal müsste Google selbst die belastenden Beweise liefern, das werden sie einfach nicht tun.

    Und dieses Gerichtsverfahren ist nur eine große Geldverschwendung.

    Benutzt man Firefox mit AdBlock+ und Ghostery kann man sich etwas weniger sorgen darüber machen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Der Ip werden nun vorlieben zugeordnet"

    Das mag sein, aber eine IP hat man in der Regel für 24 h, danach wird diese erneuert, ausgenommen man ist Kunde bei Kabel Deutschland, da hat man eine IP wesentlich länger; was für mich auch der Grund ist trotz des guten Durchsatzes nicht zu KD zu wechseln. Was nun IPv6 angeht muss man noch abwarten ob die IPs dann aufgrund des größeren Pools eine längere Haltedauer als 24 h haben oder nicht. Vorstellbar ist jedoch dass die IPs dann länger herhalten müssen, da dies natürlich für alle Beteiligten (Werbeindustrie, Provider und Strafverfolgungsbehörden) außer dem Kunden wesentlich "praktischer" ist.

    Die IP wird meines Wissens nach nicht mit der PLZ in Verbindung gebracht sondern mit dem nächstgrößeren Backbone des Providers über den man sich einwählt. So ist eine ungefähre Lokalisierung möglich, da der Anbieter ja weiß wo der Backbone steht und in welchem Umkreis der Nutzer ungefähr sitzen sollte.

    Und was Google angeht: Google gibt doch offen zu, dass sie dem Nutzer in Zukunft nicht nur das Finden abnehmen wollen, sondern ihm auch gleich sagen wollen, was er eigentlich sucht. Da die Leute ja immer freizügiger auf Google Mail und andere Dienste dieses Konzerns zurückgreifen. sollte dies nicht zu schwer sein.

    Was die Suchvorschläge angeht orientiert sich Google einfach daran was andere Nutzer suchen, und schlägt dies schon beim Eintippen vor. Das hat aber nichts mit der IP Adresse zu tun! Außerdem: Cookies permanent löschen!

  2. "Der Ip werden nun vorlieben zugeordnet"

    Das mag sein, aber eine IP hat man in der Regel für 24 h, danach wird diese erneuert, ausgenommen man ist Kunde bei Kabel Deutschland, da hat man eine IP wesentlich länger; was für mich auch der Grund ist trotz des guten Durchsatzes nicht zu KD zu wechseln. Was nun IPv6 angeht muss man noch abwarten ob die IPs dann aufgrund des größeren Pools eine längere Haltedauer als 24 h haben oder nicht. Vorstellbar ist jedoch dass die IPs dann länger herhalten müssen, da dies natürlich für alle Beteiligten (Werbeindustrie, Provider und Strafverfolgungsbehörden) außer dem Kunden wesentlich "praktischer" ist.

    Die IP wird meines Wissens nach nicht mit der PLZ in Verbindung gebracht sondern mit dem nächstgrößeren Backbone des Providers über den man sich einwählt. So ist eine ungefähre Lokalisierung möglich, da der Anbieter ja weiß wo der Backbone steht und in welchem Umkreis der Nutzer ungefähr sitzen sollte.

    Und was Google angeht: Google gibt doch offen zu, dass sie dem Nutzer in Zukunft nicht nur das Finden abnehmen wollen, sondern ihm auch gleich sagen wollen, was er eigentlich sucht. Da die Leute ja immer freizügiger auf Google Mail und andere Dienste dieses Konzerns zurückgreifen. sollte dies nicht zu schwer sein.

    Was die Suchvorschläge angeht orientiert sich Google einfach daran was andere Nutzer suchen, und schlägt dies schon beim Eintippen vor. Das hat aber nichts mit der IP Adresse zu tun! Außerdem: Cookies permanent löschen!

    Antwort auf "Die sind ja lustig"
    • peto1
    • 30. November 2010 16:04 Uhr
    3. Unfug

    Also der Vorwurf gegen Google ist so was von Unsinnig !
    Die Konkurrenten beschweren sich weil sie bei Google Ergebnissen zu weit hinten stehen würden fühlen sie sich benachteiligt, dabei um auf die Startseite zu kommen müssten sie dafür bezahlen, die wollen aber auf Google eigener Seite immer auf platz eins stehen, sooo ein Blödsinn, also Google kann doch anzeigen was es will ist eigene Ergebnis Seite. Das ist so als wen man mir vorschreibt Werbung für die anderen auf eigenem Homepage zu machen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dennoch gilt es zu bedenken, dass Google wie M$ bei Betriebssystemen bei Suchmaschinen ein Monopol hat. Daher erscheint mit der Vergleich zum Internet Explorer auch passend. Auch das gab Stress für M$, obwohl sie nur ihr eigenes Produkt zum Betriebssystem beigelegt haben.

    Wenn jetzt Google die eigenen Links bzw. die bei ihnen bezahlten Links nach oben schiebt dann ist das zwar einerseits legitim, damit werden sie aber nicht durchkommen, wenn die Kommission analog zum Internet Explorer Fall entscheidet.

    • agffm1
    • 01. Dezember 2010 12:32 Uhr

    Google verpflichtet sich bei seinen Suchergebnissen zur Such-Neutralität. Die Beschwerde der Wettbewerber hat nichts mit bei Google geschalteter oder nicht geschalteter Werbung zu tun und ist deshalb auch keineswegs "unsinnig", sondern wirft ein Licht auf eine - wenn der Vorwurf zutrifft - sehr dubiose Einflussnahme vonseiten Googles. Aber das hätten Sie auch im redaktionellen Text lesen können.

    • peto1
    • 30. November 2010 16:09 Uhr

    "Nach EU-Wettbewerbsregeln dürfen Unternehmen, die einen großen Teil des Marktes kontrollieren, diese Position nicht zum Schaden von Verbrauchern und Konkurrenten ausnutzen. Im vergangenen Jahrzehnt war die Kommission gegen den Software-Giganten Microsoft vorgegangen und hatte Strafen in Milliardenhöhe verhängt."
    ---------------------------------------------------------
    Also Das kann man wirklich nicht vergleichen, Microsoft ist Kommerziell und verkauft Jeden einzelnen Dienst an einzelne Personen, Google lebt von Werbung und bietet seinen Service Kostenlos an

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    kommerziell kann man Google mit M$ auf Seiten des Privatverbrauchers wirklich nicht vergleichen. Aber denken Sie doch mal an die B2B Beziehungen von Google. Die werden ihre Produkte & Services werbenden Firmen auch nicht kostenlos zur Verfügung stellen, insofern kassiert Google auch ab, nur nicht Privatpersonen.

    Außerdem - so denke ich - geht es gar nicht darum, wer etwas kostenlos anbietet und wer Geld dafür verlangt sondern um eine marktbeherrschende Stellung (Monopol), und dass Google eben diese bei Suchmaschinen hat, wird ja keiner von uns hier abstreiten können.

  3. durch seine Geschäftsform den Aktionären verpflichtet gewinnbringend zu arbeiten. Punkt.
    Weiter musste die Beweisaufnahme auch die Suchalgorithmen von Google einschließen und spätestens dann geht das Dilemma los gegen welchen Recht man verstößt (wobei die Amis noch das "Fruit of poisonous tree" haben)

  4. es geht doch garnicht darum, dass sich billger.de beschwert, dass preisvergleich.de besser bei Google zu finden ist.
    Es geht zum beispiel darum, ob bei der Suche nach "Preisvergleich" ein Link zu Google Shopping das erste Ergebniss sein darf (aber das auch nur unter der Annahme, dass Google aktiv dafür den Alorythmus ändert, um sein eigenes Produkt besser zu vermarkten).
    Oder ob für ein Partnerunternehmen von Google (Beispielsweise die Unister Gruppe - sprich preisvergleich.de oder auto.de) andere Regel bezüglich Werbung, Mitbewerber oder das Positionieren in den Google Ergebnissen gelten dürfen.

    Ich meine die Stiftung Warentest darf auch bei einem Test für Waschmaschinen nicht die Kriterien für einzele Marken ändern. Oder?

  5. ich finde mit google verhält es sich wie mit vielen anderen dingen: ist die gefahr/das risiko/die absicht erstmal bekannt, ist alles weniger erschreckend.

    google liefert !kostenlose!, praktische anwedungen und tools und bekommt/sammelt dafür userdaten. allerdings kann ich mir bei google wenigstens ziemlich sicher sein, dass sie genau nur eines damit tun werden: sie zu werbezwecken einsetzen.
    das nehme ich billigend in kauf, weil 1. ich lieber werbung für dinge sehe, die mich wenigstens evtl. interessieren könnten und 2. ich meine daten lieber bei google weiß als bei sonst wem.

    beispeiel gibt es genug, hier nur ein paar:

    http://www.heise.de/newst...

    http://www.heise.de/newst...

  6. dennoch gilt es zu bedenken, dass Google wie M$ bei Betriebssystemen bei Suchmaschinen ein Monopol hat. Daher erscheint mit der Vergleich zum Internet Explorer auch passend. Auch das gab Stress für M$, obwohl sie nur ihr eigenes Produkt zum Betriebssystem beigelegt haben.

    Wenn jetzt Google die eigenen Links bzw. die bei ihnen bezahlten Links nach oben schiebt dann ist das zwar einerseits legitim, damit werden sie aber nicht durchkommen, wenn die Kommission analog zum Internet Explorer Fall entscheidet.

    Antwort auf "Unfug"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Google | Microsoft | EU-Kommission | Bußgeld | Ermittlung | Strafe
Service