Städtebau Halle, die schrumpfende Stadt
In Halle stehen mehr Wohnungen leer als anderswo in Ostdeutschland. Die Kommune verwaltet den Rückbau. Westdeutsche Städte können hier besichtigen, was auf sie zukommt.
In Halle an der Saale kann man beinahe umsonst wohnen, jedenfalls für kurze Zeit. "Zahlen Sie für den ersten Monat keine Nettokaltmiete, sondern nur die Nebenkosten", wirbt eine Immobilienverwaltung im Netz . Das Unternehmen vermietet keine Unterkünfte irgendwo weit draußen, sondern "Wohnraum in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums, saniert und mit öffentlichen Verkehrsmitteln günstig zu erreichen". Weil kein Makler beschäftigt wird, um Mieter zu finden, sind die Wohnungen auch noch provisionsfrei.
Paradiesische Zustände für Mieter – doch für die Stadt bedeuten sie ein großes Problem. Die Ursache der günstigen Wohnungspreise ist ein hoher Leerstand wie vielerorts in Ostdeutschland. In den neunziger Jahren zogen Hunderttausende gen Westen; immer noch stehen in den betroffenen Städten viele Gebäude leer. Statt Wachstum zu planen, verwalten die Kommunen die Schrumpfung. Häuser werden abgerissen, die Infrastruktur muss der niedrigeren Bevölkerungszahl angepasst werden. Seit Jahren geht das hier schon so. Vielen Städten im Westen steht das Gleiche noch bevor: Recklinghausen etwa, Hagen oder Duisburg . Das Ruhrgebiet verliert besonders viele Einwohner, aus ähnlichen Ursachen wie die ehemaligen Industriestädte des Ostens, und mit vergleichbaren Folgen.
"Uns ist in den neunziger Jahren eine stattliche Mittelstadt verloren gegangen"
Jochem Lunebach, Leiter des Hallenser Stadtplanungsamtes
Halle an der Saale ist die ostdeutsche Großstadt mit der höchsten Leerstandsquote. Den aktuellsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2008 zufolge liege die Ziffer bei 13,6 Prozent, sagt Dominik Weiß, der am Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zu ökonomischen Aspekten des Stadtumbaus in Ostdeutschland forscht. Eigentlich aber steht ein noch größerer Anteil der Gebäude leer, denn die offizielle Quote berücksichtigt nur jene Häuser, die überhaupt noch auf dem Markt sind. Ist eine Immobilie in so schlechtem Zustand, dass sie nicht vermarktet werden kann, oder hat der Besitzer aufgegeben, taucht sie in der Statistik gar nicht mehr auf.
"Uns ist in den neunziger Jahren eine stattliche Mittelstadt verloren gegangen", sagt Jochem Lunebach, Leiter des Hallenser Stadtplanungsamtes. Lebten im Jahr 1990 noch rund 310.000 Menschen in der Stadt, seien es heute nur rund 230.000. "Natürlich ist es so, dass die verbleibenden Einwohner heute mehr Wohnfläche pro Kopf nutzen als vor 20 Jahren." Die Ansprüche seien gestiegen. "Trotzdem ist zu viel Wohnraum da."
Zu DDR-Zeiten war Halle ein bedeutender Standort der Chemieindustrie, für deren Arbeiter in den sechziger Jahren eigens eine neue sozialistische Modellstadt aus dem Boden gestampft wurde: Halle Neustadt , eine Ikone der städtebaulichen Moderne. Die Einwohnerzahl Halles und der Neustadt stieg stark – um dann, nach der Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch der ostdeutschen verarbeitenden Industrie, besonders tief zu fallen. Die Menschen fanden keine Arbeit mehr, also verließen sie die ehemalige Stadt der Zukunft.
Wer blieb und eine Stelle hatte, baute ein Eigenheim im Umland oder zog in die Altstadt, wo fleißig saniert wurde. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung floss viel Geld in die Rettung der historischen Bauten – zugleich waren immer weniger Menschen da, die in den Häusern hätten wohnen können.
Spätestens um die Jahrtausendwende war klar, dass es zu viel Wohnraum gab. Früher als anderswo begann die Stadt mit Abriss und Umbau. Für Eigentümer, die ihr Haus abtragen, gibt es – wie in ganz Ostdeutschland – Fördergelder vom Staat und einen Schuldenerlass. Dennoch geht der Rückbau in Halle nicht schnell genug vonstatten: Mehr als 12.000 Wohnungen seien in den vergangenen Jahren abgerissen worden, besagt die städtische Statistik. Im Moment gibt es in Halle noch 143.000 Wohnungen. Schätzungsweise 18.000 davon stehen leer.
- Datum 09.11.2010 - 10:09 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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... für die misslungene Wiedervereinigung.
Anstatt ein wenig mehr Wettbewerb zuzulassen, wollte man sofort den Osten auf West-Niveau hiefen und übersah dabei, dass man damit sämtliche Vorteile vom Tisch fegte.
Dumm gelaufen. Danke Helmut - für die "blühenden Landschaften"!
hätte man in Halle nach der Wiedervereinigung nicht masiv saniert , wäre diese größe zusammenhängende Jugendstiel Stadt Deutschlands kaputt gegangen, fahren Sie doch mal hin statt so oberflächlich zu kommentieren.
hätte man in Halle nach der Wiedervereinigung nicht masiv saniert , wäre diese größe zusammenhängende Jugendstiel Stadt Deutschlands kaputt gegangen, fahren Sie doch mal hin statt so oberflächlich zu kommentieren.
Ich wohne in Halle, und dass hochwertige Altbauten in Innenstadtlage in großem Stil renoviert wären, sehe ich so nur teilweise. Es steht auch viel leer und verfällt, wo einem das Herz blutet angesichts an sich wunderschöner Häuser in Innenstadtlage.
Und was die Vermietung zu vernünftigen Preisen angeht: da ist das Angebot bestimmt nicht knapp, sonst hätte ich nicht 5 Monate gebraucht um einen Nachmieter für ein WG-Zimmer in der Innenstadt, in einem neu sanierten Altbau, für 150 Euro Warmmiete zu finden. In jeder anderen Stadt hätten sich Studenten darum gerissen.
Was hat denn mangelnder Wettbewerb damit zu tun, dass die Stadt schrumpft??? Und "Westniveau" haben die Kommunen in dieser Region ohnehin nicht (das meine ich nicht unbedingt als Kompliment) - die Probleme sind viel spezifischer. Schließe ich Museen oder Theater oder Philharmonien, damit die alten Omis und Opis in ihrer DDR-Platte70-Neubauwohnung weiter leben können? Ist diese Form gesellschaftlicher Rücksichtnahme vielleicht ein Kniefall vor Müßiggang auf Kosten der jungen Generationen?
Es muss endlich Klartext gesprochen werden: um dauerhaft überlebensfähig zu sein, müssen die Kommunen die Plattenbausiedlungen gezielt abreißen und anfangen die Neu-Verdichtung der fragmentierten Innenstädte zu fördern! Nur Verdichtung schafft städtische Lebensweisen und einen Sinn für die Erhaltung der klassischen Kultur Mitteldeutschlands!
..., dass sie es nicht verstehen.
"Was hat denn mangelnder Wettbewerb damit zu tun, dass die Stadt schrumpft???"
Googeln sie mal nach "Transferleistung", "Subventionen" und "Marktverzerrung"
..., dass sie es nicht verstehen.
"Was hat denn mangelnder Wettbewerb damit zu tun, dass die Stadt schrumpft???"
Googeln sie mal nach "Transferleistung", "Subventionen" und "Marktverzerrung"
Verfallende Städte sind Zeichen von Niedergang und stimmen die Menschen zumeist traurig. Andere, z.B. Naturschützer, gewinnen dem Positives ab, indem sie betonen, dass die Natur solche menschenleere Gegenden wieder zurückerobert, dass sich wieder seltene Schmetterlinge und Vögel ansiedeln, der Wolf zurückkehrt... Viele reagieren auch mit Zynismus.
Was empfindet Alexandra Endres? Ich weiß es nicht, weil ihr Artikel als nüchterner Tatsachenbericht gehalten ist und keine Gefühle erkennen lässt. Gehören Gefühle nicht hierher? Oder sind sie ein zu heißes Eisen?
Richtig, Renaturierung darf kein Tabu mehr sein.
Strukturschwache Regionen müssen nicht zwangsläufig bestehen bleiben.
Richtig, Renaturierung darf kein Tabu mehr sein.
Strukturschwache Regionen müssen nicht zwangsläufig bestehen bleiben.
Es gab in Halle und Leipzig schon eine sehr interessante Austellung zum Thema: http://www.shrinkingcitie...
hätte man in Halle nach der Wiedervereinigung nicht masiv saniert , wäre diese größe zusammenhängende Jugendstiel Stadt Deutschlands kaputt gegangen, fahren Sie doch mal hin statt so oberflächlich zu kommentieren.
Und was ändert meine Hinfahrt am Vefall der Stadt und an den Gründen hierfür?
um des Erhalten Willens, bringt gar nichts.
Es hat auch wenig Sinn noch mehr Geld in den Osten zu pumpen, wenn die Menschen weiterhin ins andere Deutschland oder sogar ins Ausland ziehen wollen.
Da gehen ebenfalls Milliarden an Steuergelden vor die Katz und da kann es noch so schöne Jugendstilhäuser oder Philharmonien geben, wenn kein dort niemand wohnen will, werden diese Einrichtungen auf Dauer auch unnütz, so traurig das auch klingt.
Und was ändert meine Hinfahrt am Vefall der Stadt und an den Gründen hierfür?
um des Erhalten Willens, bringt gar nichts.
Es hat auch wenig Sinn noch mehr Geld in den Osten zu pumpen, wenn die Menschen weiterhin ins andere Deutschland oder sogar ins Ausland ziehen wollen.
Da gehen ebenfalls Milliarden an Steuergelden vor die Katz und da kann es noch so schöne Jugendstilhäuser oder Philharmonien geben, wenn kein dort niemand wohnen will, werden diese Einrichtungen auf Dauer auch unnütz, so traurig das auch klingt.
Auch wenn diie Entwicklung in Halle früh und überdurchschittlich ist. Der Bevölkerungsrückgang ist das Problem und die die Herausforderung der nächsten Jahrzehnte für viele Städte und Regionen in Deutschland. Das wird nur noch nicht stark thematisiert- wer will schon in einem "Geisterviertel wohnen" - evtl. kommt ja hier auch noch ein "Sarazzin".
Und es trifft auch den Westen, und auch Regionen, die sich heute noch relativ "sicher" fühlen. Eine zunehmende Konkurrenz von Kommunen um Einwohner, z.B. mit günstigen Bauplätzen für Familien kann letztlich keine Lösung sein, weil dies nur auf Kosten andere Kommunen gehen kann.
Von daher kann die Entwicklung in Halle auch Leitbild für andere Städte sein sowie Ausgangspunkt für entsprechende Projekte und Strategien, wie man mit "Rückgang" umgeht.
Auch im Westen trifft es bereits einige Kommunen: Wuppertal, Gelsenkirchen und Duisburg (einst deutlich über 500.000 Einwohner) haben schon ähnlich harte Einwohnerverluste verkraften müssen und auch einige andere Städte im Westen sind massiv bedroht und haben teils schon drastisch sinkende Einwohnerzahlen erlebt, etwa Essen, Hagen, Bremerhaven und Saarbrücken.
Allerdings werden derzeit im Westen vor Allem die ländlichen Regionen (wie auch im Osten) leergezogen.
In der Tat ist Halle ein Modell für viele Städte uind Regionen in Deutschland.
Wichtig sind auch Erfahrungen mit dem Erhalt einer überdimensionierten Infrastruktur. Etwa Abwässerkanäle, die für den Dreck von über 300.000 Menschen ausgelegt sind, verotten ziemlich schnell, wenn sie nur noch mit den Abwässern von 200.000 gespült werden.
Es wäre vielleicht auch Zeit, die Mittel für den "Aufbau Ost" gezielt umzuleiten. Leipzig und Dresden geht es gut, diese Städte brauchen keine Beihilfen mehr, Städte wie Rostock und Halle hingegen benötigen genauso wie Bremerhaven oder Gelsenkirchen deutliche Unterstützung.
Auch im Westen trifft es bereits einige Kommunen: Wuppertal, Gelsenkirchen und Duisburg (einst deutlich über 500.000 Einwohner) haben schon ähnlich harte Einwohnerverluste verkraften müssen und auch einige andere Städte im Westen sind massiv bedroht und haben teils schon drastisch sinkende Einwohnerzahlen erlebt, etwa Essen, Hagen, Bremerhaven und Saarbrücken.
Allerdings werden derzeit im Westen vor Allem die ländlichen Regionen (wie auch im Osten) leergezogen.
In der Tat ist Halle ein Modell für viele Städte uind Regionen in Deutschland.
Wichtig sind auch Erfahrungen mit dem Erhalt einer überdimensionierten Infrastruktur. Etwa Abwässerkanäle, die für den Dreck von über 300.000 Menschen ausgelegt sind, verotten ziemlich schnell, wenn sie nur noch mit den Abwässern von 200.000 gespült werden.
Es wäre vielleicht auch Zeit, die Mittel für den "Aufbau Ost" gezielt umzuleiten. Leipzig und Dresden geht es gut, diese Städte brauchen keine Beihilfen mehr, Städte wie Rostock und Halle hingegen benötigen genauso wie Bremerhaven oder Gelsenkirchen deutliche Unterstützung.
wobei Leipzig in den letzten 10 Jahren an die 20000 Einwohner hinzu gewohnen hat und somit nicht mehr als "shrinking city" bezeichnet werden kann.
Halle hat aufgrund seiner kernstädtischen Bausubstanz noch enormes Potential zur Attraktivitätssteigerung und ist in manchen Lagen bereits jetzt eine ausgesprochen schöne Statdt!
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