Die US-Wirtschaft trachtet danach, mittels der siegreichen Republikaner die Wirtschaftspolitik von Präsident Barack Obama zu ändern. Den Lobbyisten geht es neben der Gesundheitsreform auch um Erleichterungen beim Umweltschutz, der Steuerpolitik und der Finanzmarktreform.

Jay Timmons, Vizepräsident der Industrie-Lobbygruppe Association of Manufacturers, sagte, das Wahlergebnis sei sehr gut für die Wirtschaft und ihre Ziele. Mit ihrer künftigen Mehrheit im Repräsentantenhaus werde die Opposition grundlegende Teile der Gesundheitsreform ändern, die staatliche Regulierung aufweichen und die Staatsausgaben drosseln.

Angekündigt ist es bereits – durch den künftigen republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Eric Cantor. Der sagte, er hoffe, "dass wir umgehend ein Widerrufsgesetz einbringen können, wenn wir im Januar die Mehrheit übernehmen". Die Amerikaner hätten landesweit mit ihrer Wahl die Botschaft gesendet, dass sie die Gesundheitsreform nicht wollten.

Das gewaltige Haushaltsdefizit abzubauen, ist auch eines der dringlichsten Ziele der Obama-Regierung. Es war wegen der gewaltigen Aufwendungen im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise im Steuerjahr 2009 auf 1,4 Billionen Dollar (rund 933 Milliarden Euro) gestiegen.

Die Republikaner hatten bei der Kongresswahl die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernommen. Die Wirtschaft sieht sich durch dieses Resultat in ihren Forderungen bestätigt. "Die Amerikaner haben für Jobs und Wachstum gestimmt", und Obamas Politik "durchweg abgelehnt", sagte Thomas Donohue, Chef der Handelskammer U.S. Chamber, der größten Wirtschaftslobbyorganisation.

Die Wirtschaftsvertreter hoffen nun, auch Steuererleichterungen aus der Regierungszeit George W. Bushs zurückzuerhalten. Obama wollte sie nur Haushalten weiter gewähren, die weniger als 250.000 Dollar Jahreseinkommen haben. Auch will die Wirtschaft von Obama durchgesetzte Steuererhöhungen für Gewinne außerhalb Amerikas kippen.

Die Republikaner kündigten auch an, Regierungsvertretern durch Nachfragen und Anhörungen die Arbeit an neuer Regulierung zu erschweren, insbesondere an Gesetzen zum Einsatz von Pestiziden oder Standards zum Schutz der Ozonschicht.

Dass die Republikaner mit diesem Vorgehen erfolgreich sein können, ist aus Expertensicht nicht sicher. Die Bemühungen könnten nach hinten losgehen, warnte Jack Pintney, ein Politikwissenschaftler am Claremont McKenna College in Kalifornien.

Es gebe viele neue Akteure, die jetzt mehr Druck machen wollten. Aber die seien "wie Benzin, sie liefern den Stoff für die Party, aber sie sind selbst leicht entzündlich und explosiv", zitierte ihn die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Weitergehende Ziele und Vorhaben, wie etwas das komplette Kippen der Gesundheitsreform, würden symbolische Initiativen bleiben, sagte Bruce Josten, Spitzenlobbyist der U.S. Chamber. Grundlegendes zu ändern, dürfte für die Republikaner auch deshalb schwer sein, da Obama ein Vetorecht gegen Initiativen des Repräsentantenhauses hat. Im Senat behalten die Demokraten sogar ihre Mehrheit.

Die Handelskammer, die im Kampf gegen die Gesundheitsreform Kandidaten mit 75 Millionen Dollar unterstützt hatte, hofft nun, dass die Schärfe des Wahlkampfes abklingt und die Republikaner mit Obama zusammenarbeiten. Man erwarte, dass beide Seiten beim Abbau des Staatsdefizits zusammenfinden, die Nutzung der Atomenergie erleichtern und Energieeffizienz verbessern, hieß es. "Es gibt ein großes Potenzial für überparteiliche Zusammenarbeit", sagte Spitzenlobbyist Josten.