Ramsauers Bedarfsplan Die Bahn verzichtet auf Schienen
Verkehrsminister Ramsauer hat mehrere Gleisbau-Vorhaben gestoppt. Die zu Stuttgart 21 gehörende Schnellbahnstrecke Wendlingen-Ulm hält er zumindest für knapp rentabel.
© Patrick Pleul/dpa
Alle fünf Jahre prüft der Bund, ob sich geplante Verkehrsprojekte noch rechnen. Jeder investierte Euro soll mindestens einen Euro Nutzen bringen, so das Ziel. Den höchsten Wert erhält mit 6,7 die umstrittene Fehmarnbeltquerung von Schleswig-Holstein nach Dänemark, wie aus einem Bedarfsplan hervorgeht, den das Bundesverkehrsministerium vorlegte.
Die umstrittene Neubaustrecke Wendlingen-Ulm kommt bei Kosten von 3,7 Milliarden Euro auf einen eher schwachen Wert von 1,5. Das Vorhaben gehört zu dem Neubau des Hauptbahnhofs in Stuttgart , dessen Sinn und Rentabilität Kritiker ebenfalls in Zweifel ziehen. In Stuttgart baut aber die Bahn, nicht der Bund.
Die geplante Schnellbahnstrecke liegt nach Meinung der Grünen sogar unter der Wirtschaftlichkeitsgrenze von 1,0, wenn man den Güterverkehr herausrechnet. Angesichts von Steigungen auf der Strecke stellen Kritiker des Projekts infrage, ob die Strecke für den Güterverkehr überhaupt geeignet ist. In dem Bundesgutachten heißt es, dort könnten zumindest "keine schweren Güterzüge" fahren können, die etwa Erz geladen haben.
Insgesamt neun Schienen-Projekte bringen derzeit keinen ausreichenden wirtschaftlichen Nutzen und werden vorerst nicht weiter geplant oder gebaut. Im Bedarfsplan ist ausgewiesen, dass der Bau von 29 untersuchten Strecken 26 Milliarden Euro kosten soll. Gedeckt sind jedoch lediglich acht Milliarden Euro bis 2020. Zudem ist eine Reihe von Großprojekten wie etwa die ICE-Trasse Berlin-München noch gar nicht berücksichtigt.
Zu den gestoppten Vorhaben gehören unter anderem Restmaßnahmen beim Ausbau der Strecke Lübeck-Stralsund, der Ausbau der Strecke Neumünster-Bad Oldesloe sowie die Strecken Hagen-Gießen, Langwedel-Uelzen, Oldenburg-Leer, Hagen-Warburg und Venlo-Rheydt.
"Gerade bei Schienenprojekten haben wir es mit rasanten Kostensteigerungen zu tun", begründete Ramsauer das Aus für die Projekte. Hinzu kämen steigende Sicherheitsanforderungen etwa bei Tunnels und hohe Lärmschutzausgaben. Angesichts knapper Kassen müsse man Schwerpunkte setzen. Der Bund gebe erst wieder Geld für die gestoppten Vorhaben, wenn sich die Rahmenbedingungen verbessert hätten, sagte Ramsauer.
Die ICE-Verbindung Berlin-München lohnt sich dem Bericht zufolge weiter. Die Trasse wird allerdings voraussichtlich eine Bauzeit von mehr als 30 Jahren haben.
Die Autoren des neuen Bedarfsplans machen die Bahn dafür verantwortlich, dass die Schienen-Projekte immer teurer werden. Bei den vom Bund mitfinanzierten Schienenprojekten fehle ein "hinreichender Anreiz für die DB Netz AG, Bedarfsprojekte möglichst kosteneffizient durchzuführen". Die Bahn bevorzuge Lärmschutzlösungen an der Strecke, die der Bund weitgehend zahle, statt durch leisere Züge, die sie selbst bezahlen müsse, Abhilfe zu schaffen. Deshalb soll der Druck auf die Bahn nun steigen.
Der Bund geht davon aus, dass das Verkehrsaufkommen künftig weiter steigt, vor allem auch durch länger werdende Transportstrecken im Güter- und Frachtverkehr. Die Verkehrsleistung nehme auf diesem Sektor bis 2025 um 65 Prozent. Aber auch bis zu 5500 Kilometer Bundesstraße müssten aus- oder neu gebaut werden, darunter sind 850 Ortsumgehungen.
Im Straßenbau kippt der Bund keines der geplanten Projekte, da im Schnitt deren Kosten-Nutzen-Verhältnis bei 4,7 liegt. Das veranlasste den Chef des Verkehrsclubs Deutschland, Michael Ziesak, zu dem Vorwurf, Ramsauers bevorzuge Straßenbauprojekte grundsätzlich gegenüber Schienenprojekten. Dabei werde der Ölpreis deutlich steigen. Die Allianz Pro Schiene kritisierte, die Bahn-Projekte seien insgesamt "dramatisch unterfinanziert".
Die SPD vermisste Klarheit darüber, welche Straßenprojekten Ramsauer Priorität einräumen wolle. "Ramsauer bleibt ein Ankündigungsminister, der deutschlandweit jedes Verkehrsprojekt verspricht, aber nicht sagt, wie er es finanzieren will", sagten die Verkehrspolitiker Uwe Beckmeyer und sein Fraktionskollege Michael Groß.
Die Ergebnisse des Bedarfsplans sollen in den neuen Bundesverkehrswegeplan einfließen, der bis 2015 vorliegen soll. Er enthält alle Straßen-, Schienen- und Wasserstraßenprojekte.
- Datum 11.11.2010 - 18:40 Uhr
- Quelle dpa, Reuters, AFP
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Die Autoren des neuen Bedarfsplans mahnen, es fehle ein "hinreichender Anreiz für die DB Netz AG, Bedarfsprojekte möglichst kosteneffizient durchzuführen". Kann das die DB überhaupt, bei der gegenwärtigen Kultur in der Planungsphase alles „schön zu rechen“? Wie wäre es denn, wenn die Projekte von Anfang mit realitätsnahen Kosten geplant würden? Der Bundesrechnung könnte hierbei prima helfen. Mit realistischen Kostenansätzen würden die Vorhaben auch halbwegs im Kostenrahmen bleiben.
Herr Ramsauer kann sich doch freuen. Bald werden in Stuttgart enorme Mittel frei, um sie an anderer Stelle sinnvoll einzusetzen.
und statt diese zu sanieren, werden Milliarden in ein Prestigeobjekt wie Stuttgart 21 gebuttert. Man kann nur hoffen, dass wir demonstrierenden Bürger und das Aktionsbündnis dieses Projekt doch noch kippen können.
Die Schlichtung ist ein Versuch, Transparenz in solche Großprojekte zu bringen und Schwächen aufzuzeigen.
In Zukunft - egal wie es ausgeht - wünsche ich mir bürgernähere und lobbyfernere Politiker, die Ihren Job als Volksvertreter ernst nehmen und zum Wohle der Bevölkerung agieren. Man fragt sich ernsthaft, welche Informationen den Volksvertretern vorlagen, als sie es abnickten.
Zitat:
"Der Bund geht davon aus, dass das Verkehrsaufkommen künftig weiter steigt, vor allem auch durch länger werdende Transportstrecken im Güter- und Frachtverkehr. Die Verkehrsleistung nehme auf diesem Sektor bis 2025 um 65 Prozent. Aber auch bis zu 5500 Kilometer Bundesstraße müssten aus- oder neu gebaut werden, darunter sind 850 Ortsumgehungen."
um 65 Prozent - was? Ich glaube da fehlt ein "zu"? :)
Bahnprojekte werden auf Wirtschaftlichkeit geprüft? Wirtschaftlichkeit für wen?
Ausbauten von Güterfernlinien wie dem Eisernen Rhein, der Betuwelinie oder der Strecke Karlsruhe-Basel dürften alleine wegen der geringeren Belasstung von Straßen und Umwelt für die Öffentlichkeit einen weit höheren Ertrag (vermiedene Umweltschäden, vermiedene Gebäudeschäden, vermiedene Gesundheitsschäden) haben als die Stuttgarter Bahnhoftieferlegung. Auch für den Staatshaushalt dürfte diese Rechnung (hohe Kosten und nur Erträge aus Grundstücksgeschäften gegen gesparte Straßenbauarbeiten) so ausgehen.
Der Ausbau der Strecken Dortmund-Münster, Warburg-Bestwig-Schwerte oder Köln-Duisburg-Dortmund hätte ohnehin einen gewaltigen Nutzen für die Gesellschaft.
Für Bilfinger-Berger und andere politisch gut vernetzte Konzerne mag die Wirtschaftlichkeit anders aussehen. Mir fällt da eine Bemerkung Churchhills zu Statistiken ein...
Letztlich stellzt sich wieder die alte Frage: Cui bono?
Wer's glaubt. Knapp daneben ist auch vorbei. Bitte Herr Ramsauer, erst informieren und dann parlieren. Unglaublich welche Ahnungslosigkeit manche Minister vor sich her tragen.
Die Stuttgarter Zeitung sagt, ihr würde der Rentabilitätsbericht exklusiv vorliegen.
Und nach diesem Bericht liegt das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht bei 1,5, sondern nur bei 1,2.
http://www.stuttgarter-ze...
weil der Bund der Bahn immer wieder z.Lärmschutzwälle u.a. technische Vehikel mitfinanziert die die Bahn tragen müsste
weil die Bahn 15% projektbezogene Planungspauschalen bekommt...
weil Materialmangel verwaltet und auf Personellen Verschleiß gefahren wird,
weil selbst im Verkehrsauschuß des BT mit Halbwahrheiten gearbeitet wird wie z.B. Güterzüge auf der NBS mit 3,5% Steigung,max.Anhängelast 700 ts,wären möglich weil z.B.auf der Neubaustrecke von Frankfurt nac hKöln über Montabauer habe sogar 4,1% Steigung und sei auch gebaut worden aber da ist noch nie ein Güterzug gefahren und wird auch nie einer fahren,
weitere Strecken u.Kundenmanipulationen sind nicht funktionierende Fahrpläne,unpünktliche ICE-Fahrten,marode Nebenstrecken,etc.
Seit praxisfremde Manager diesen DB.Staatszug auf das Abstellgleis fahren funktioniert bei der Bahn immer weniger,
woran das wohl liegt....
und bis der Bundesverkehrswegeplan dann bis 2015 fortgeschrieben wird, wird weitergewurstelt wie bisher....!
Typisch wie für den Gesamtzustand dieser Bananenrepublik...!
weil der Bund der Bahn immer wieder z.Lärmschutzwälle u.a. technische Vehikel mitfinanziert die die Bahn tragen müsste
weil die Bahn 15% projektbezogene Planungspauschalen bekommt...
weil Materialmangel verwaltet und auf Personellen Verschleiß gefahren wird,
weil selbst im Verkehrsauschuß des BT mit Halbwahrheiten gearbeitet wird wie z.B. Güterzüge auf der NBS mit 3,5% Steigung,max.Anhängelast 700 ts,wären möglich weil z.B.auf der Neubaustrecke von Frankfurt nac hKöln über Montabauer habe sogar 4,1% Steigung und sei auch gebaut worden aber da ist noch nie ein Güterzug gefahren und wird auch nie einer fahren,
weitere Strecken u.Kundenmanipulationen sind nicht funktionierende Fahrpläne,unpünktliche ICE-Fahrten,marode Nebenstrecken,etc.
Seit praxisfremde Manager diesen DB.Staatszug auf das Abstellgleis fahren funktioniert bei der Bahn immer weniger,
woran das wohl liegt....
und bis der Bundesverkehrswegeplan dann bis 2015 fortgeschrieben wird, wird weitergewurstelt wie bisher....!
Typisch wie für den Gesamtzustand dieser Bananenrepublik...!
... leider immer nur im Hinblick auf die noch immer politisch gewollte Privatisierung der Bahn. Alles es die Bilanz aufhübscht wird gemacht. Möglichst auf Kosten der Steuerzahler.
Die Privatisierungspläne haben uns bis jetzt schon eine marode Bahn mit verkommener Infrastruktur beschert und falls diese noch weiter umgesetzt werden, wird es enden wie in England: Ein bankrottes ausgezuzeltes privatisiertes Bahnrudiment muss wieder mittels Steuern saniert werden.
Aha,Wendlingen Ulm ist sehr fraglich. Ergo OBEN BLEIBEN!!!!
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