Die Lage ist offenbar komplizierter, als man noch zu Beginn der Finanzkrise gedacht hat. Die einen sagen, 750 Milliarden Euro seien ausreichend. Von 1,5 Billionen sprechen andere. Ist der Rettungsschirm groß genug?

Es begann fast wie eine Auktion. Der Rettungsschirm von 750 Milliarden Euro sei zusammen mit anderen Mitteln völlig ausreichend, aber wenn nicht, dann würden es auf keinen Fall mehr als 1070 Milliarden, rechnete Bundesbankpräsident Axel Weber vor .

Das nächste Gebot kam vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI): 1,25 Billionen. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, toppte das mit der runden Summe von 1,5 Billionen. 1500 Milliarden also. Ein echtes, klares Dementi gibt es zu den Rechnungen nicht. Es würde den Märkten wohl auch das falsche Signal geben.

Wie groß muss der Rettungsschirm sein? Knapp gesagt: Es muss so viel Geld zur Verfügung stehen, dass niemand denkt, es sei zu wenig . "Es ist gefährlich, konkrete Zahlen zu nennen. Der Markt testet jede Obergrenze", sagt der Ökonom Michael Burda, der an der Humboldt-Universität in Berlin lehrt. Also dürfe es letztlich gar kein Limit geben. "Die EU sollte eine unbegrenzte Garantie für die Schulden der Mitgliedstaaten abgeben, so ähnlich wie es die Bundeskanzlerin vor zwei Jahren für die Sparguthaben der Deutschen getan hat. Nur so kommt Ruhe in die Märkte."

Wie viel Geld am Ende nötig sein werde, sei auch für gewiefte Finanzexperten nicht bezifferbar. Die Lage sei komplizierter, als man noch zu Beginn der Finanzkrise gedacht habe. "Wir Ökonomen haben versäumt, die indirekte Haftung von Staaten für ihre Banken richtig einzuschätzen. Es zeigt sich zunehmend, dass letztlich alle Staaten für alle Banken haften , weil die Banken auch untereinander so miteinander verwoben sind."

Wie sieht die Rechnung der Bundesbank aus? Dass der Bundesbankpräsident öffentlich rechnet, ist ungewöhnlich und hat ihm Kritik aus der Bundesregierung eingetragen. Die maximale Haftungssumme kommt für ihn durch die Addition der Schulden von Griechenland, Portugal, Irland und Spanien zustande. "Es stehen rund 925 Milliarden Euro der öffentlichen Hand gegen ein Maximalszenario von 1070 Milliarden Euro", kalkuliert Weber.

Die 925 Milliarden ergeben sich aus dem Rettungsschirm, für den die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) 750 Milliarden Euro bereitstellen sowie dem Hilfspaket für Griechenland und die Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB).

Weber wies darauf hin, dass bei dieser Rechnung 145 Milliarden Euro fehlten – aber dieses Szenario halte er für ausgeschlossen. "Und selbst wenn es so käme, bin ich fest davon überzeugt, dass der Euro an dieser Differenz nicht scheitert."

Wie plausibel ist die Rechnung? Weber wollte Ruhe in die Debatte bringen. Sein Argument lautet, dass der Topf selbst für den abwegigen Fall der vollständigen Pleite von vier Staaten nahezu groß genug ist. Nur: Längst ist nicht mehr nur von Griechenland, Irland, Portugal und Spanien die Rede, sondern von weiteren Krisenkandidaten. "Wenn Spanien auch noch fällt, bleibt der Politik nichts anderes übrig, als die Haftungssumme aufzustocken", sagt ein Banker aus einem großen Institut, der nicht genannt werden möchte. Dann werde die EU gleich mehrere Staaten unter den Rettungsschirm stellen, um alle Zweifel restlos auszuräumen.

Zu den vier Staaten aus Webers Rechnung kämen demnach Italien sowie Slowenien und die Slowakei hinzu. Oder Österreich. "Die Banken dort sind stark in Osteuropa engagiert", sagt der Banker. Und dann wäre es mit 1070 Milliarden Euro wahrscheinlich nicht getan.