UrheberrechtSAP muss Oracle 1,3 Milliarden Dollar Schadensersatz zahlen

Entscheidung im Datenklau-Prozess: Ein US-Gericht verurteilt SAP zu einem Rekord-Schadensersatz. Mitarbeiter hatten unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen. von AFP, dpa und Reuters

Der aufsehenerregende Prozess hatte Anfang November in den USA begonnen: Nun verurteilte das Gericht im kalifornischen Oakland SAP wegen einer Urheberrechtsverletzung, berichtete die Fachagentur Bloomberg. 1,3 Milliarden Dollar soll das Unternehmen zahlen. Auslöser für die Oracle-Klage war die SAP-Tochter TomorrowNow, ein kleines Unternehmen aus Texas. Mitarbeiter der Software-Wartungsfirma TomorrowNow hatten über das Internet unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen. Oracle hatte dies zunächst als Industriespionage gewertet, später aber dann nur noch von Datenklau gesprochen.

SAP hatte den auf die Wartung von Software spezialisierten Dienstleister TomorrowNow Anfang 2005 für zehn Millionen Dollar gekauft, um Oracle nach dessen Übernahme von PeopleSoft möglichst viele Firmenkunden abzuwerben. Die Firma lockte Nutzer mit Dumping-Angeboten für Software-Wartung. Nach Darstellung des deutschen Unternehmens war dieser Plan jedoch nur von mäßigem Erfolg: Nur 86 von 358 TomorrowNow-Kunden hätten SAP-Software erworben. SAP hatte seine Firma TomorrowNow 2008 geschlossen.

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Oracle-Anwalt David Boise hatte vor den Geschworenen mehrmals betont, Millionen Dokumente seien so aggressiv abgegriffen worden, dass die Oracle-Server in die Knie gegangen seien. Die Vorwürfe hatte Oracle erstmals vor dreieinhalb Jahren öffentlich erhoben. SAP hatte bereits das Fehlverhalten der TomorrowNow-Mitarbeiter zugegeben. Zuletzt war SAP auf Oracle zugegangen. "Es tut mir leid", sagte Co-Konzernchef Bill McDermott vergangene Woche als Zeuge vor Gericht und räumte Fehler ein.

SAP war bereit, 40 Millionen Dollar als Wiedergutmachung zu zahlen, Oracle verlangte 1,7 Milliarden Dollar. Diese von Oracle geforderte Milliardensumme bezeichnete das Unternehmen als völlig überhöht. Der deutsche Weltmarktführer bei Unternehmenssoftware argumentiert, der tatsächliche Schaden für Oracle sei deutlich niedriger gewesen als der von dem US-Konkurrenten genannte Wert der Service-Produkte. So kam SAP auf die Spanne zwischen 28 und 41 Millionen Dollar und Oracle auf 1,7 bis 3 Milliarden Dollar.

Bloomberg zufolge handelt es sich bei der von der Jury festgelegten Summe um die bisher höchste in einem Fall von Urheberrechtsverletzung. Ein Sprecher von SAP zeigte sich nach Bekanntgabe des Urteils enttäuscht und sagte, das Unternehmen werde seine Optionen prüfen. Dies schließe ein mögliches Berufungsverfahren ein.

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Leserkommentare
  1. Das Urteil ist auch ein Sieg für die "business ethics", denn mit Oracle hat ein Konzern gewonnen, der für seine "Business Conduct Guidelines" berühmt ist. [Stimme aus dem off] Für die Guidelines vielleicht, aber nicht für deren Einhaltung. Bad luck für Leo. Wenn Larry die Möglichkeit gehabt hätte, hätte er es genauso gemacht. The oracle is just weeping some crocodile tears. Who cares ...

    • joG
    • 24. November 2010 9:17 Uhr

    Klauen bedeutet doch stehlen und Diebstahl. Wir haben kürzlich aber doch gelernt, dass man Daten nicht stehlen kann da sie keine Dinge seien. Das haben unsere Politiker uns doch beigebracht, als sie die in der Schweiz veruntreuten Daten beschafften, um sie gerichtlich gegen Bürger zu verwenden.

  2. Ja da sieht man wieder wie hart Unternehmen miteinander umgehen. Du klaust mir Daten ich nehm dir dein Geld ab. Alltag in der Buiseness Welt. Wobei der Fall noch harmlos ist und auch die Verwunderung groß das die Summe so hoch ausfällt. Wenn man böswillig denken will hilft hier wer ein wenig nach um SAP von seiner Marktführer Position zu verdrängen. Was man sagen kann Deutschlands bestes Unternehmen erhält hier ein ziemlich krassen Denkzettel

    • lapidar
    • 24. November 2010 10:17 Uhr

    der USA, Frankreich und GB in Deutschland vorgehen?

  3. Zunächst einmal könnte man über die Marktführerposition streiten, in Deutschland ist SAP sicher noch vorne drann, aber weltweit?

    Zum Anderen: TomorrowNow kennt das EULA das sie unterschrieben haben als Sie Oracle Datenbanken gekauft haben. Sie haben dagegen verstossen, Oracle hat sicher geschickt gewartet und es hat in Ihre Hände gespielt, das TomorrowNow von SAP übernommen wurde. Aber was passiert denn mit SAP? SAP spielt doch das gleiche Spiel, ersteinmal wird es leicht gemacht die EULA Bestimmungen zu brechen und dann geht man rein und verlangt enormes Geld für Zusatzlizenzen. Nur dumm das SAP noch auf Oracle angewiesen ist (SAP ist einer der größten Oracle Kunden) und Oracle eben keine SAP Software einsetzt.

  4. Aber so sind die USA eben, wenn es sich um ausländische Konkurrenz handelt. Unglaublicher Vorgang!

  5. Bin es nur ich, oder ist das einfach nicht schon absurd? Wenn ich mir - als kleiner Privatanwender! - im Internet ein Update für ein Programm herunterladen möchte, bekomme ich dieses nur nach mehreren Prüfungen der Rechtmäßigkeit.

    Ist meine Lizenz z.B. abgelaufen, oder habe ich Teile meiner Hardware gewechselt, auf denen ein "digital fingerprint" installiert war, sperrt der Server mir den Zugang zum Update. So einfach.

    Und jetzt soll ich hier glauben, dass Oracle im Firmenkundenbereich (!) nicht einmal annährende Mindest-Sicherheitsstandards bei den Updates anwendet, sondern Software nur über den EULA-Button "geschützt" wird??

    "All meine Möbel, meine Bücher, mein ganzes Hab und Gut, es stand alles hier auf diesem Bürgersteig, mit einer Schnur herum, an der ein Zettel mit meinem Namen hing, und dann kam dieser Dieb, und hat alles gestohlen!"

    • Impuls
    • 24. November 2010 12:24 Uhr

    eben mit Hilfe von Weltoberpriestern im Gewande von weltlichen Richtern,
    die ausländischen Firmen und Staaten hohe Summen abpressen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lapidar
    • 24. November 2010 13:32 Uhr

    Wer unbedingt an der Wallstreet notiert sein wollte und sich damit gleichzeitig der US-Gerichtsbarkeit unterwarf, hat eigentlich nichts Besseres verdient. Mein Mitleid mit SAP hält sich deshalb in Grenzen.

    Bleibe im Lande und ernähre dich redlich.

    ... wird ein Schuh daraus, liebe #9.

    Deutsche Firmen sind weltbekannt fuer ihre, sagen wir mal vorsichtig, laxe Ethik, und dafuer dass sie ALLES tun um den Auftrag einzufahren. Schon vergessen dass es nicht nur voellig legal war fuer eine deutsche Firma, auslaendische (natuerlich!) Behoerden zu bestechen um das Geschaeft zu foerdern, sondern dass die Schmiergelder sogar von der deutschen Steuer abgesetzt werden konnten? Ein Ami waere fuer dasgleiche Vorgehen in den Knast gekommen, der Deutsche wird befoerdert und die Firma setzt es von der Steuer ab. Mit solchen Methoden (die die Konkurrenten NICHT anwenden duerfen) wird man leicht 'Exportweltmeister'...

    Das wurde dann zu bekannt in der Welt (siehe zB www.businessweek.com/arch...) und auf Druck der OECD musste Deutschland 1998 dieses Gesetz aendern. Aber es kann mir keiner erzaehlen dass die Firmenkultur sich von heute auf morgen aendert (z.B. Siemens Affaere letztes Jahr)

    SAP hat wissentlich gegen Ethik und Gesetze verstossen und seine gerechte Strafe bekommen. Ich kann die Hoehe des Schadens nicht einschaetzen und glaube gerne dass Oracle eher hoch schaetzt (und SAP niedrig) aber im Zweifel sollte die Strafe den Schaden MINDESTENS decken, und eher etwas mehr (wo bleibt sonst die Abschreckung?)

    Man kann nur hoffen, dass SAP (und andere deutsche Firmen) davon lernt und ihre korrupte Geschaeftspraktiken korrigieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Dollar | SAP | Bloomberg | Schadensersatz | Urheberrecht | Gericht
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