Steuerschätzung Mehreinnahmen in Milliardenhöhe für den Fiskus

61 Milliarden Euro zusätzliche Steuereinnahmen erwarten die Steuerschätzer in den Jahren 2010 bis 2012. Grund ist die gute Konjunkturentwicklung.

Bund, Länder, Gemeinden und die EU können wegen des kräftigen Aufschwungs in diesem und den kommenden beiden Jahren auf deutlich höhere Steuereinnahmen hoffen. Der Arbeitskreis Steuerschätzung sagte dem Gesamtstaat bis 2012 um 61 Milliarden Euro mehr Einnahmen voraus als in seiner Prognose vom Mai . Grund dafür ist das überraschend starke Wirtschaftswachstum.

Für das laufende Jahr gehen die Experten davon aus, dass der Gesamtstaat 15,2 Milliarden Euro mehr Steuern einnimmt als bisher geschätzt. Im Jahr 2011 gehen sie von einem um 22,4 Milliarden Euro höheren Ergebnis aus, 2012 rechnen sie mit 23,4 Milliarden Euro mehr.

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Die Steuerschätzung dient als Grundlage für die Aufstellung der öffentlichen Haushalte und wird durch den sogenannten Schätzerkreis ermittelt. Ihm gehören rund 35 Vertreter aus den Finanzministerien von Bund und Ländern, der Bundesbank, von Forschungsinstituten, der Kommunen, des Sachverständigenrats und des Statistisches Bundesamtes an. Sie sagen zwei Mal im Jahr die Einnahmen aller staatlichen Ebenen voraus. 

Die voraussichtlich höheren Steuereinnahmen dürften in der schwarz-gelben Regierungskoalition die Debatte über Steuersenkungen noch in dieser Wahlperiode neu entfachen. Während vor allem Wirtschaftspolitiker von Union und FDP auf eine Entlastung von Bürgern und Wirtschaft ab 2012 pochen, warnen die Haushaltspolitiker vor der hohen Staatsverschuldung, die noch immer nicht gebändigt sei.

So wies das Bundesfinanzministerium bei Vorlage der Zahlen umgehend darauf hin, dass durch die Mehreinnahmen "kein neuer Finanzierungsspielraum" entstehe. "Die Bundesregierung wird auch im Aufschwung entschlossen am Konsolidierungskurs festhalten." Das Ergebnis der Steuerschätzung zeige, dass die Situation nicht ganz so dramatisch sei, "wie wir in den letzten Wochen befürchtet haben", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die Bundesregierung habe der Verringerung der Neuverschuldung aber immer Priorität eingeräumt. "Wir sind auf dem richtigen Weg, er ist anstrengend, aber wir werden ihn fortsetzen."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich mehrfach gegen rasche Steuersenkungen ausgesprochen . Die Konsolidierung des Haushalts habe Vorrang, sagte die CDU Chefin. Die erfreuliche Konjunkturentwicklung beschere dem Staat nicht mehr Geld zum Ausgeben, sondern führe nur dazu, dass weniger neue Schulden gemacht würden. "Wir werden dieses Jahr im Bundeshaushalt immer noch um die 50 Milliarden Euro Schulden machen." Dies seien Schuldenstände, die es über Jahrzehnte nicht gegeben habe. Allenfalls geringe Senkungen im Zuge einer Steuervereinfachung seien denkbar.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle rechnet dagegen fest mit Steuersenkungen in absehbarer Zeit. Zwar habe die Koalition gemeinsam die Priorität gesetzt, den Haushalt zu konsolidieren. "Aber wir wollen auch den Freiraum schaffen, dass wir steuerlich die Mitte entlasten", sagte der FDP-Politiker. Er gehe fest davon aus, "dass wir noch in dieser Legislaturperiode entsprechende Schritte gemeinsam in der Koalition einleiten".

 
Leser-Kommentare
    • macdoc
    • 04.11.2010 um 14:09 Uhr

    Schulen sanieren, Bildung...

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Steuerentlastung der mittleren und niedrigen Einkommen, die geben das sofort aus.
    Das Steuersystem müsste VIEL schneller und flexibler auf solche Schwankungen reagieren. Mehr Einnahmen, mehr Entlastung usw.
    Aber es werden Gesetze und Beschlüsse verfasst, die gelten ewig, aber die Einnahmen schwanken (in Zukunft sicher noch extremer) viel schneller.

    Steuerentlastung der mittleren und niedrigen Einkommen, die geben das sofort aus.
    Das Steuersystem müsste VIEL schneller und flexibler auf solche Schwankungen reagieren. Mehr Einnahmen, mehr Entlastung usw.
    Aber es werden Gesetze und Beschlüsse verfasst, die gelten ewig, aber die Einnahmen schwanken (in Zukunft sicher noch extremer) viel schneller.

  1. Vorschlag 1 endlich mal durchführen

  2. Und zwar, wie viele Schulden wir trotzdem machen müssen.
    So sieht es ja aus, als hätten wir auf einmal Geld, wir haben aber keines, Deutschlang ist PLEITE. Wenn man das nie schreibt, ists kein Wunder, dass immer wieder Ideen zu Steuersenkungen die Politkreise blockieren und wichtigere Themen blockieren.

  3. "61 Milliarden Euro zusätzliche Steuereinnahmen erwarten die Steuerschätzer in den Jahren 2010 bis 2012."

    ... vorausgesetzt, einige Analysten haben Unrecht:

    "Roland Leuschel ist ein begnadeter Schwarzseher. Der langjährige Chefstratege der Banque Bruxelles Lambert lag 1987 und 2008 mit seinen Negativ-Prognosen richtig. Jetzt sieht er wieder Anzeichen für einen Einbruch."

    http://www.sueddeutsche.d...

    Ich wüsste zu gerne, wie optimistisch die "Steuerschätzer" gerechnet haben.

    • WiKa
    • 04.11.2010 um 14:26 Uhr

    …zu den Rettungspaketen für Banken und EU-PIGS Staaten, dann ist es ein Tropen auf den heißen Stein.

    Oder auch mal eine soziale Betrachtung. Die 60 Mrd. über 3 Jahre auf 7 Millionen HIV-Bezieher verteilt macht monatlich rund 238 €. In den Händen letzterer wäre es vermutlich ein Wirtschaftsprogramm von Dimension, weil aus dieser Zielgruppe kaum etwas auf die Kante legen wird, sondern für Umsatz sorgt.

    Da wir aber ein verkehrte Welt haben, wird der Finanzminister lieber das Geld stapeln und für den schon abzusehenden Fall weiterer Bankenrettungen verwenden, weil diese im Gegensatz zum Menschen systemrelevant sind … „too big to fail“ und unsere Hartzies „to small to be rescued“.

    Der „Point of no return“ ist im doppelten Sinne überschritten. Die Staatsverschuldung läuft weiter und die soziale Ungerechtigkeit wird weiter zementiert. Falsche Regierung, falsche Politik, falsches System … welches nicht den Menschen dient sondern nur einer elitären Gruppe.

    Bleiben wir gehässig, wir nähern uns dem klassischen Ende und treiben es gerade mal mit der …

    „Optimierung der Volksausbeute“ auf die Spitze
    http://qpress.de/2010/11/...

    Egal wieviel tolle Sonntagsreden wir zu diesem Thema hören, egal wieviel Sand wir durch wohlklingende Aufsätze von Ökonomen in die Augen gestreut bekommen, die Statistik zur Umverteilung von unten nach oben belegt es doch. Unterschicht und Mittelstand (die Masse) wird immer unvermögender und oben stapelt es sich ohne Ende.

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