Die Schuldenkrise in Europa provoziert nicht nur immer neue Vorschläge für Gegenmaßnahmen, sondern zunehmend auch politischen Streit. Jüngster Anlass ist die Debatte um die Einführung von gemeinsamen europäischen Anleihen , die nach Überzeugung von Befürwortern wie Luxemburg und Italien ein gutes Mittel sind, um angeschlagene Euro-Staaten mit frischem Geld zu versorgen.

Die deutsche Regierung ist allerdings strikt dagegen – fürchtet sie doch um Privilegien am Kreditmarkt: Kein Land in Europa kann sich aufgrund seiner Bonität derzeit so günstig refinanzieren. Im Fall eines sogenannten Euro-Bonds würde dies nach Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) der Vergangenheit angehören: Deutschland müsste für die Schulden anderer Staaten mithaften und damit höhere Zinsen, sprich eine höhere Risikoprämie zahlen.

Dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker hält diese Argumentation der Bundesregierung für arg verkürzt. "Deutschland denkt da ein bisschen simpel", sagte der Chef der Euro-Gruppe der ZEIT. "Man lehnt unseren Vorschlag ab, bevor man ihn studiert hat." Diese Art, "in Europa Tabuzonen zu errichten und sich gar nicht mit den Ideen anderer zu beschäftigen", wundere ihn sehr. Die Bundesregierung habe "eine uneuropäische Art, europäische Geschäfte zu erledigen".

Juncker erklärte, dass es bei seinem Vorschlag mitnichten zu einem einheitlichen Zinssatz käme – wie die Bundesregierung kritisiert habe. Stattdessen würden "wir einen Teil der nationalen Schuld auf europäischer Ebene bündeln und mit Euro-Anleihen bedienen. Der größte Teil der Schulden würde aber zu nationalen Zinssätzen verzinst." Der Vorschlag stoße in Deutschland nur deswegen auf geharnischten Widerstand, weil man reagiere, "ohne dem Vorschlag unter den Rock zu schauen", sagte Juncker.

Diese Kritik wollte nun auch die Bundesregierung nicht unbeantwortet lassen. Die Replik des Regierungssprechers war kurz, aber deutlich. Der Vorschlag gemeinsamer Staatsanleihen sei "nicht neu" und von der Bundesregierung "ernsthaft" geprüft worden. "Die Bundesregierung ist weiter ablehnend zu diesem Vorschlag", sagte Sprecher Steffen Seibert. Im Übrigen helfe niemandem, wenn die einzelnen Akteure einander als uneuropäisch bezeichneten.

Seibert wiederholte auch die Argumente von Merkel und Schäuble, wonach Eurobonds derzeit sowohl ökonomische als auch rechtliche Probleme im Weg stünden. So würde durch einen vereinheitlichten Zinssatz der Anreiz in den Mitgliedstaaten verschwinden, Haushaltsdisziplin einzuhalten. "An dieser Haltung wird sich auch beim bevorstehenden EU-Gipfel kommende Woche nichts ändern", bilanzierte er.