WaldschutzLaborversuch in Amazonien

Auf dem Klimagipfel wird noch über Waldschutz gestritten. Brasilien fängt schon damit an: Der Amazonienfonds soll den heimischen Urwald bewahren.

Die Kamera fliegt über einen dichten Teppich aus grünen Baumkronen. Ein Krokodil blickt die Zuschauer träge an, ein kleiner Junge schaut neugierig herüber, ein Paar steht verborgen zwischen den enormen Wurzeln eines Baums. Sie vermessen den Urwaldriesen. Zahlen sausen durchs Bild: "66 Prozent der Größe Europas", "14 Prozent aller bekannten Arten", "33 Prozent der tropischen Wälder des Planeten". 

Wir sind im Urwald Amazoniens, der – noch eine Zahl – "39 Prozent der Fläche Südamerikas" bedeckt. Plötzlich rückt eine strahlend rote Pflanze ins Bild. Die Botschaft des rasanten Bilder- und Zifferntanzes: Dieser Wald ist ein Schatz, der bewahrt werden muss. Die Kamerafahrt ist Teil eines Werbevideos, mit dem Brasilien auf der Klimakonferenz in Cancún für seinen Amazonienfonds wirbt. Der Fonds stellt Mittel für den Schutz der enormen Wälder der Region bereit und lebt von internationalem Geld. Norwegen hat bereits eine Milliarde Dollar zugesagt. In Cancún kam jetzt Deutschland als zweites Land hinzu, mit einem vergleichsweise kleinen Beitrag von rund 37 Millionen Dollar, gezahlt aus Töpfen der Entwicklungshilfe und zur schnellen Anschubfinanzierung von Klimaschutzprojekten.

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Das Grundprinzip des Fonds: Je mehr Kohlendioxid Brasilien durch Waldschutz einspart, desto höhere Summen sollen langfristig fließen. Die Zahlungen entbinden die Industrieländer aber nicht von der Pflicht, zu Hause Emissionen einzusparen. So soll sichergestellt werden, dass das Geld zusätzlichen klimapolitischen Nutzen entfaltet. 

Ringen um ein Nachfolgeabkommen

Seither wird auf den inzwischen jährlich stattfindenden Klimagipfeln um ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll gerungen. Denn Klimaforscher warnen, dass die darin festgelegten Maßnahmen zur Emissionsreduktion nicht ausreichen, um zu verhindern, dass sich die Erde bis zum Ende dieses Jahrhunderts um mehr als 2 Grad Celsius erwärmt (Zwei-Grad-Ziel).

Die Konferenz in Kopenhagen im vergangenen Jahr endete mit einer Enttäuschung, ohne ein neues Abkommen. Inzwischen streiten Experten über den Sinn eines Klimagipfels in dieser Form. Denn dort sollen sich rund 190 Staaten mit sehr unterschiedlichen Interessen auf eine gemeinsame Strategie zum Klimaschutz einigen. Mittlerweile gleichen die Konferenzen einem Börsenschauplatz, an dem es um den Wert von C02-Zertifikaten geht. Ein Hauptstreitpunkt ist, in welcher Form Entwicklungs- und Schwellenländer beim Klimaschutz in die Pflicht genommen werden können. Während die USA und Europa etwa von China einen großen Beitrag erwarten und auch Afrika verpflichten wollen, verweist man dort darauf, dass man im Westen – anders als in Asien und Afrika – schon seit Jahrhunderten Ressourcen verbraucht, die eigentlich allen Menschen zustehen müssten.

Was ist COP 16?

Die Klimakonferenz im mexikanischen Cancún ist das 16. Treffen der Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention – auf Englisch: United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC. Die Konferenz wird kurz auch als Conference of the Parties (COP 16) bezeichnet.

1993 trafen sich Vertreter der Vereinten Nationen erstmals zu einem internationalen Umweltgipfel in Rio de Janeiro. Nach weiteren Treffen in Berlin (COP 1) und Genf (COP 2) wurde im Jahr 1997 in Japan erstmals ein rechtsverbindliches Abkommen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes verabschiedet – das Kyoto-Protokoll.

Brasilien ist der drittgrößte CO 2 -Emittent der Welt, mit dem Fonds wird das Land aber auch zum weltweiten Waldschutz-Pionier. Während die Welt sich noch darüber streitet , wie man die Abholzung der Wälder in globalem Maßstab stoppen sollte, finanziert das Land durch den Fonds schon die ersten Schutzprojekte. Es gebe neben dem Amazonienfonds keinen anderen Mechanismus, der Klima- und Waldschutz verknüpfe, sagen Fachleute. Bislang sind 13 Projekte zur Förderung zugelassen, die im Laufe der Zeit mit 109,5 Millionen Dollar unterstützt werden sollen. Es ist Geld, das nicht zurückgezahlt werden muss. Jedoch kann seine Auszahlung eingestellt werden, wenn die Bedingungen des Fonds verletzt werden.

Die Regenwälder am Amazonas wandeln Sonnenenergie durch Verdunstung in Wasserdampf um. Diese feuchten Wolken, die aus den Wäldern aufsteigen, haben einen kühlenden Effekt und beeinflussen das Klima in ganz Amerika. Einiges deutet darauf hin, dass selbst die Landwirtschaft im Mittleren Westen der USA von ihnen abhängt. Die Wälder und der Erdboden, auf dem sie stehen, schlucken weltweit fast ein Viertel aller ausgestoßenen Treibhausgase. Würde man sie roden, ginge eine wichtige CO 2 -Senke verloren. Zugleich ist ein Fünftel aller globalen Emissionen auf Abholzung zurückzuführen.

Thema: Klimadebatte
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Auf der Agenda des Klimagipfels in Cancún steht der Waldschutz deshalb ganz oben, obgleich es bislang noch keine großen Fortschritte gab. Ein Problem ist die Finanzierung: Zwischen 13 und 33 Milliarden US-Dollar jährlich würde es ab 2013 kosten, den Ausstoß an Treibhausgasen aus Wäldern zu halbieren, schätzen Wissenschaftler. Bislang aber haben die reichen Industriestaaten nur eine Anschubfinanzierung von 4,5 Milliarden zugesagt, die bis 2012 gewährt werden soll.

Gemessen an den Summen, um die im weltweiten Waldschutz geht, sind die bisherigen Mittel des Amazonienfonds bescheiden. Aber Sergio Weguelin hat mit dem Fonds noch Großes vor. Weguelin ist Vizechef der Umweltabteilung der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES, die den Fonds verwaltet. Mit Hilfe des Geldes will er die Lebensgrundlagen der 25 Millionen Menschen, die in Amazoniens Wäldern leben, auf eine nachhaltige Grundlage stellen.

"Die Menschen müssen davon leben, dass sie den Wald verantwortlich nutzen, nicht von seiner Zerstörung", beschreibt er das große Ziel. Das bedeutet: Pharmafirmen sollen ihr Geschäft mit den Wirkstoffen des Urwaldes machen dürfen, und Holzeinschlag muss erlaubt sein – aber ohne den Wald ernsthaft zu schädigen, und vor allem: ohne den Lebensraum von lokalen Kleinbauern und indigenen Gemeinschaften zu zerstören, von denen manche immer noch ohne Kontakt zur Außenwelt leben. 

Leserkommentare
    • Varech
    • 10.12.2010 um 10:15 Uhr

    "Bevor nicht geklärt ist, wem der Wald überhaut gehört, könnte prinzipiell jeder Anspruch darauf erheben, ihn abzuholzen."

    Ja dann mal los!
    Hilfsgelder gibt es noch extra.

    Könnte nicht vielleicht mal jemand damit anfangen, Brasilien zu regieren?

    Die schönen Geschichten für die Klimarunde (um nicht Zirkus zu sagen) könnte auch ein Kinderbuch-Autor geschrieben haben.

  1. Die Kinder sind unsere Zukunft!

  2. ich kann ja ihre skepsis verstehen, wo all die milliarden auf diesem globus wohl bleiben, die so eifrig und in grossen mengen hin- und hergeschoben werden, aber an dieser stelle muss ich doch eben eine lanze brechen für mein gastland:

    "Bevor nicht geklärt ist, wem der Wald überhaut gehört, könnte prinzipiell jeder Anspruch darauf erheben, ihn abzuholzen."

    die situation hier ist eine andere als in europa, zum einen durch die immensen ausmasse des landes mit weniger als 1/10 der bevölkerung (pro km²) wie d-land,

    zum anderen durch die gesetzeslage: es gibt z.b. ein gesetz, nachdem man sich DAS land als eigentum eintragen lassen kann, wo man 2 jahre lebt und nicht von jemand anderem vertrieben wurde - wenn man also als grossgrundbesitzer nicht bemerkt, dass sich eine familie irgendwo in der wildnis ansiedelt, hat man nach 2 jahren ein stück scholle verloren ...

    und zum weiteren durch den entwicklungsstand: es laufen JETZT landvermessungsprojekte, um die häufigen grenzstreitigkeiten einzudämmen - eine unvorsatellbare aufgabe, betonmarken viele kilometer weit ohne strassen oder wege in den urwald zu schleppen und per GPS einzumessen

    eine ansässige familie bekommt 100 ha als besitz steuerfrei, wer mehr beansprucht, muss für das mehr abgaben zahlen - von diesen 100 ha dürfen sie 20 ha roden und beackern und 80 ha müssen urwald bleiben

  3. präsident lula (80% quote, lt. times der 'z.zt. beste staatsmann weltweit') hat in den vergangenen 8 jahren immense summen in unzählige projekte investiert, und damit das hier für ganz brasilien verwirklicht:

    "...die Lebensgrundlagen der 25 Millionen Menschen, die in Amazoniens Wäldern leben, auf eine nachhaltige Grundlage stellen ..."

    wenn nun noch neben den normal fliessenden steuergeldern ein milliarden schwerer fond entsteht, um grossflächige projekte zu finanzieren, dann kann man das nur begrüssen, denn man muss an die grossen land-'besitzer' (holzfirmen und viehhalter) ran, denn DORT läuft die zerstörung im weitaus grösseren stil, als durch die waldbewohner, welche sich einen baum fällen um eine hütte oder ein boot zu bauen

    bilder gucken? - shumils fotostrecke amazonas:
    http://shumil.npage.de/fo...

    also, lieber varech, ihre forderung"Könnte nicht vielleicht mal jemand damit anfangen, Brasilien zu regieren?"

    wird hier in brasilien weitaus besser erfüllt, als an irgend einem anderen ort der erde (mein subjektives empfinden), auch wenn auch in diesem land die korruption tief verwurzelt ist und eine hohe prozentzahl der verluste ausmacht - aber das fällt nicht so sehr auf in einem reichen und boomenden land, welches obendrein noch von einem sozialem politiker gelenkt wird

  4. [...]

    Entfernt aufgrund eines Doppelpostings. Die Redaktion/wg

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