Konjunkturaussichten: Der deutsche Konsum, eine trügerische Hoffnung
Etliche Ökonomen erwarten für 2011 einen deutlichen Anstieg des privaten Konsums. Doch die optimistische Einschätzung blendet die Realität aus, kommentiert Gunhild Lütge.
Zum Jahresende haben Ökonomen Hochkonjunktur. Schließlich wollen alle wissen, wie es im nächsten Jahr mit der Wirtschaft weitergeht. Und das hängt, so weit sind sich alle Experten einig, unter anderem von einer Größe ab: dem privaten Konsum. Ob der sich 2011 nach den vielen mageren Jahren tatsächlich zur wichtigen Stütze der Konjunktur entwickelt, ist zurzeit eine der spannendsten Fragen.
Dazu erkunden die Marktforscher der GfK regelmäßig die Konsumlust der Deutschen. Noch im November hatten sie eine frohe Botschaft: Die Verbraucher seien in bester vorweihnachtlicher Stimmung. Seither verging kaum ein Tag, an dem die Konsumenten nicht zu Helden der Wirtschaft erklärt wurden. Und obwohl die jüngsten Umfrageergebnisse der GfK für Dezember der guten Laune einen Dämpfer verpassten, weil sowohl die Einkommenserwartung als auch die Kauflust wieder gesunken sind, handelt es sich angeblich nur um eine "Verschnaufpause".
Und das ausgerechnet vor Weihnachten, dem Fest der Großzügigkeit und der Geschenke? Wer nicht nur auf Umfragen vertraut, sondern die Fakten anschaut, kommt zu einem anderen Ergebnis. Im allgemeinen Frohsinn gehen schlechte Botschaften leicht unter. So meldete Creditreform jüngst, dass inzwischen rund 6,5 Millionen Verbraucher überschuldet sind – und damit 300.000 mehr als im Jahr zuvor. Viele lassen es aber auch gar nicht so weit kommen. Sie treten schon dann auf die Bremse, wenn sie merken, dass mit ihrem Einkommen nur mühsam ein Auskommen ist. Jedenfalls verlief in Deutschland in den vergangenen Jahren der private Konsum sehr verhalten, gewachsen ist vor allem der Export. Auch 2010 werden die Ausgaben der Privatverbraucher voraussichtlich nur um magere 0,5 Prozent steigen.
Demgegenüber verlautet aus den Reihen der ökonomischen Zunft fast unisono, dass sich die Stimmung im Lande gebessert habe. Darum gehen etliche Ökonomen davon aus, dass die Deutschen im kommenden Jahr trotz Finanz-, Banken- und Wirtschaftskrise bedeutend mehr Geld ausgeben als bisher. So erwarten die Experten des Münchner Ifo-Insituts ein Wachstum des privaten Verbrauchs um 1,4 Prozent, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut HWWI rechnet in seiner gerade veröffentlichten Prognose mit einem Plus von 1,5 Prozent. An die Spitze der Optimisten hat sich der Sachverständigenrat gesetzt. Er prophezeit eine Steigerung um 1,6 Prozent.
Es mag durchaus sein, dass die Meldungen über sinkende Arbeitslosenzahlen und steigende Löhne so manchen Arbeitnehmer zuversichtlich stimmen. Aber ob das reicht, die Nachfrage tatsächlich anzukurbeln, bleibt fraglich. Prognosen hin, Stimmung her: Letztlich wird bei den meisten Arbeitnehmern der Blick aufs Konto darüber entscheiden, wie üppig die Einkäufe ausfallen.




ohne Krise möglich sein. Natürlich gibt jeder der hat wohl lieber seine Kohle aus bevor die nichts mehr an Wert hat bzw. hat schon getan. Andere kaufen auf Kreditkarte wie in den USA gängig. Dort entsteht dann wieder eine Finanzblase.
Netter Scherz, aber ich kann irgendwie nicht darüber lachen.
Vielleicht ist ja aber auch ernst gemeint. Dann sage ich: Gratulation, voll liegt im Plan!
Kai Hamann
Vorhin in den Nachrichten: Konsum so und so viel gestiegen...Auftragslage deutscher Unternehmen besser, Spediteure und Bauunternehmer haben wegen dem Wetter Probleme...
Bin ja noch froh dass es teilweise GUTE Nachrichten sind, trotzdem erinnern diese Nachrichten mich irgendwie an den Roman "1984".
Offensichtlich geht der Fokus vom Menschen auf das was er repräsentieren soll, nämlich den Konsumenten. Es ist schon fast armselig bis traurig mit anzusehen während gleichzeitig in der Regierung um 5 Euro Mehrgeld für Hartz4ler bei de Facto-Kürzungen geschachert wird.
Geht es nur mir so oder dreht sich die Welt falsch?
Und steigende Löhne? Wo denn, Real bleibt da wohl nach Statistiken seit knapp 20 Jahren nicht viel übrig.
Steht doch im Artikel, dass der Lohn seit 2000 effektiv gesunken ist.
"Die ILO untersuchte die Lohn- und Gehaltsentwicklung in 26 sogenannten entwickelten Ländern seit dem Jahr 2000 – und Deutschland belegt dabei den letzten Platz, mit einem Minus von 4,5 Prozent"
Wie sollen wir mehr konsumieren, wenn wir weniger haben bzw. alles teurer wird? 2011/2012 rechnen die Unternehmen wieder mit Rekordgewinnen... gebt uns was davon ab! Sonst wird das nichts mit dem Konsum.
LG Chris
Steht doch im Artikel, dass der Lohn seit 2000 effektiv gesunken ist.
"Die ILO untersuchte die Lohn- und Gehaltsentwicklung in 26 sogenannten entwickelten Ländern seit dem Jahr 2000 – und Deutschland belegt dabei den letzten Platz, mit einem Minus von 4,5 Prozent"
Wie sollen wir mehr konsumieren, wenn wir weniger haben bzw. alles teurer wird? 2011/2012 rechnen die Unternehmen wieder mit Rekordgewinnen... gebt uns was davon ab! Sonst wird das nichts mit dem Konsum.
LG Chris
.....denn das ist wohl nicht erwünscht.
Seit Jahren (!) kann man die Jubelberichte über das
Konsumverhalten der Verbraucher hören.
Ende Januar, Anfang Februar sprechen die Zahlen dann eine
andere Sprache. Die der Realität.
Die Ökonomen geben nur Zahlen weiter, Politiker werten diese.
Das der Konsum um etwas über 1% steigen könnte ist nun wirklich keine berauschende Zahl, möglichweise entspricht dies auch nur dem Vertrauensverlust in den Geldwert. Statt Spargroschen lieber Sach- oder Konsumwerte, wenn es sich wegen des Buchgeldüberhangs ohnehin nicht lohnt Sparanstrengungen zu tätigen.
H.
Die Ökonomen geben nur Zahlen weiter, Politiker werten diese.
Das der Konsum um etwas über 1% steigen könnte ist nun wirklich keine berauschende Zahl, möglichweise entspricht dies auch nur dem Vertrauensverlust in den Geldwert. Statt Spargroschen lieber Sach- oder Konsumwerte, wenn es sich wegen des Buchgeldüberhangs ohnehin nicht lohnt Sparanstrengungen zu tätigen.
H.
Steht doch im Artikel, dass der Lohn seit 2000 effektiv gesunken ist.
"Die ILO untersuchte die Lohn- und Gehaltsentwicklung in 26 sogenannten entwickelten Ländern seit dem Jahr 2000 – und Deutschland belegt dabei den letzten Platz, mit einem Minus von 4,5 Prozent"
Wie sollen wir mehr konsumieren, wenn wir weniger haben bzw. alles teurer wird? 2011/2012 rechnen die Unternehmen wieder mit Rekordgewinnen... gebt uns was davon ab! Sonst wird das nichts mit dem Konsum.
LG Chris
Der Bürger ist also nur Konsument, in meinen Augen eine traurige Erwartung. Wenn er sich nicht dem bedingungslosen Konsumrausch hingibt, gibts Prügel vom Weihnachtsmann. Das Christkind ist der oberste Controller, und der ECO mit dem weissen Bart schickt alle zur Hölle, die wieder den heiligen Konsum waren.
Tja, der teutonische Konsument ist vielleicht nicht so in Form, wie man sich das vorstellt. Das mag auch daran liegen, dass er nicht so blöd ist, sein letztes Hemd für einen Konsumkredit zu verpfänden. In Form kommt er wohl erst wieder, wenn die Gewinne auch bei den kleineren Gehältern ankommen....
Hafensänger
es ist gut, dass es immer noch AutorInnen gibt, die die Lage realistischer sehen. Heute war der Bremer Wirtschaftsprof. Rudolf Hickel im Abendblatt-Interview. Auch er, ausgewiesenermaßen als ehemaiger Sprecher der Memorandum-Wissenschaftler (das sind jene, die den fünf Weißen immer in die Suppe spuckten)nicht als Jubel-Ökonom bekannt, tönte von steigender Binnennachfrage und alles-wird-gut-Bildern.
Nichts wird gut. Erstmal sollten die Löhne (und zwar alle) über zehn Jahre um mindestens 3 % real steigen, damit wir wieder die Staubwolke sehen können, die die norwegischen Arbeitnehmer mit ihrem Lohndrive aufwirbeln.
Konsum ist kein Synonym für Weihnachtseinkäufe, sondern es handelt sich bekanntlich um den Gesamtverbrauch während des ganzen Jahres. Dennoch übersteigern sich die Medien alljährlich zur Adventszeit mit Konsumstatistiken. Steigenden Konsum erzielt man aber z.B. auch durch Erhöhung der Benzinpreise, fallenden Konsum hingegen durch sinkende Verkaufszahlen auf dem Automarkt. Selbst die buntesten Weihnachtsgeschenke können das nicht wett machen.
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