Papst Benedikt XVI. will mit einer Aufsichtsbehörde das Bankenwesen des Vatikans besser kontrollieren. Die Banken sollen sich an den verschärften internationalen Normen gegen Geldwäsche und Betrug orientieren. Aufgabe der neuen Zentralbank sei "die Vorbeugung und die Abwehr illegaler Aktivitäten auf dem Feld des Finanz- und Währungswesens", teilte der Pressesaal des Heiligen Stuhls mit. Dem Vatikan war in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen worden, in illegale Geldgeschäfte verwickelt gewesen zu sein.

"Finanzinformationsbehörde" (AIF) wird das neue Institut heißen, das damit dem Aufsichtsarm (UIF) der italienischen Zentralbank ähnelt. Benedikt wird die neue Aufsichtsbehörde mit einer Bekanntmachung (Motu Proprio) offiziell machen. Das vom Papst unterschriebene Dokument hat Gesetzeskraft und betrifft alle Wirtschaftsaktivitäten des Vatikans. Wie die Turiner Zeitung La Stampa berichtete, geht es bei der Gründung der Zentralbank nicht nur um die Anpassung der Bankgeschäfte an internationale Normen. Auch sollen die Operationen der in die Schlagzeilen geratenen Vatikanbank IOR (Institut für die religiösen Werke) überwacht werden.

Wegen des Verdachts der Geldwäsche sind gegenwärtig 23 Millionen Euro auf einem Konto der Vatikanbank eingefroren. IOR-Präsident Ettore Gotti Tedeschi und seinem Generaldirektor Paolo Cipriani wird von den italienischen Ermittlern vorgeworfen, gegen die in Italien gültigen Anti-Geldwäsche-Standards verstoßen zu haben. Der Vatikan hat jede Verwicklung der derzeitigen Bankleitung in dunkle Machenschaften bestritten und dabei auch darauf verwiesen, dass das IOR-Institut der vatikanischen Justiz unterstehe.

Mit den finanzpolitischen Maßnahmen, die eine Gesetzeslücke für den Vatikan schließen, komme eine mit der EU vereinbarte Neuerung. Rom will eine gewisse Menge an Euro-Münzen mit dem Bild des Papstes nicht mehr nur Sammlern anbieten, sondern auch in Umlauf bringen.