Eine von Wasser umgebene Farm in der Nähe der überschwemmten Stadt Rockhampton, im australischen Flutgebiet © Torsten Blackwood/AFP/Getty Images

Im vergangenen Sommer war Australien noch die Hoffnung der Getreidekäufer. Sie erwarteten dort eine halbwegs gute Ernte. In Russland dagegen, einem der wichtigsten Exportländer für Weizen, brannten die Wälder. Dürre und Hitze vernichteten ein Viertel der Ernte , die Regierung verhängte ein Exportverbot. Auch in der Ukraine waren die Ernten schlecht, ebenso in Kasachstan.

An den Börsen schnellten die Weizenpreise in die Höhe, die Furcht vor einer Nahrungskrise wie im Jahr 2008 wuchs. "Damals dachte man, eine gute Ernte in Australien könnte die Lage an den Märkten wieder etwas entspannen", erinnert sich Marita Wiggerthale, Agrarexpertin der Entwicklungsorganisation Oxfam. "Zum Jahreswechsel hin sollten die Preise eigentlich wieder sinken."

Doch jetzt spülen die starken Regenfälle im Nordosten des Kontinents die Zuversicht hinweg und der letzte Rest an Optimismus vertrocknet in der australischen Dürre. 

Dürre? Ja, denn in Australien ist nicht nur Flut. Im Südwesten des Landes herrscht immer noch eine extreme Trockenheit. Im ersten Halbjahr 2010 stand das ganze Land unter ihrem Einfluss. In der gesamten Getreidesaison des vergangenen Jahres war es in Australien so trocken, wie noch nie zuvor – obwohl im zweiten Halbjahr 2010 mehr Regen fiel, als je seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

"Es wird keine gute Ernte geben", sagt Abdolreza Abbassian, Ökonom und Experte für den Getreidemarkt bei der Welternährungs-Organisation (FAO) in Rom. Das war schon klar, bevor der Regen kam. Schon vor Wochen kursierten an den Märkten Gerüchte über die schlechte Qualität des australischen Weizens, sagt Abbassian. "Seither hat sich die Lage verschlechtert. Das treibt die Preise."

Zum Jahresbeginn stiegen die Preise für Weizen. Mais und Soja wurden ebenfalls teurer. Als wichtigeres Grundnahrungsmittel weltweit gilt der Weizen, dessen Preis im Lauf des vergangenen Jahres um mehr als 40 Prozent stieg.

Wie hoch die Verluste sind, lässt sich noch gar nicht sagen. Wegen der starken Niederschläge habe die Ernte im Nordosten Australien später als sonst begonnen, sagt Abbassian. Erst drei Viertel des Weizens seien eingebracht, der Rest stehe noch auf den Feldern. "Erst, wenn das Wasser in den kommenden Wochen zurückgeht, können wir feststellen, wie hoch die Schäden sind."

Dass die Ernte von schlechter Qualität sein wird, gilt als sicher. Analysten am Getreidemarkt rechnen damit, dass etwa die Hälfte nur noch als Viehfutter taugt. Vor allem die Märkte für hochwertigen Weizen seien deshalb nervös, sagt Joachim von Braun, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung der Universität Bonn. Zudem werden die Käufer in diesem Jahr länger auf australischen Weizen warten müssen als sonst. Die Flut hat Straßen blockiert, deshalb sind die Häfen nur schwer zu erreichen. Kurzfristig vergrößert das die Knappheit auf dem Weltmarkt.