Serie: Die Einzelkämpfer "Nur wer für seinen Job lebt, kann die Unsicherheit verkraften"
Vor vier Jahren kündigte Kai Müller seinen Job und gründete den "Stylespion". Heute ist das Blog die Basis für ein Leben als selbstständiger Internetberater.
© Christoph Pagel

Der Blogger Kai Müller
Als ich meine Festanstellung gekündigt habe, sind meine Chefs aus allen Wolken gefallen. Aber ich hatte mir den Wechsel in die Selbstständigkeit gut überlegt. Außerdem hatte ich Erfahrung: Zwei Jahre lang hatte ich neben meinem Job als Webdesigner einen Blog betrieben. Acht Stunden im Unternehmen, dann acht Stunden bloggen. Ich war sehr motiviert, aber irgendwann wurden 16 Stunden am Tag zu viel. Ein Blog ist mehr Arbeit, als man denkt.
Die Idee für meinen Blog Stylespion kam mir 2006. Ich habe damals selbst viele Blogs gelesen und irgendwann entschieden, dass ich das auch probieren will. Ich beschloss, über Einrichtung zu bloggen. Darüber, wie man sich seine Wohnung schön einrichten kann, ohne dafür viel Geld auszugeben. Oder wie man sich Möbel selbst baut. Anfangs ging es mir gar nicht so darum, damit Geld zu verdienen. Doch schon nach kurzer Zeit haben sich Anzeigenkunden gemeldet, die Werbung schalten wollten. Das Projekt hat sich recht schnell finanziell gelohnt.
- Der Blogger
Name: Kai Müller
Beruf: Blogger in Köln-Ehrenfeld
Alter: 33 Jahre
Familie: Freundin, keine Kinder
Verdienst: schwankt stark, im Schnitt 2900 Brutto
Macht Job seit: 2006
Arbeitszeit: Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen
Letzter Urlaub: Im Sommer 2009 in Spanien
Größter Traum: Ist mit seiner Arbeit sehr zufrieden – und muss daher nicht träumen- Serie: Die Einzelkämpfer
-
Mehr als 2,1 Millionen Menschen in Deutschland führen eine Ein-Mann-Firma – rund eine Million mehr als noch zu Beginn der neunziger Jahre. Unter ihnen ist der freischaffende Hausmeister, der von Gebäude zu Gebäude zieht, Glühbirnen wechselt oder Fenster repariert. Oder der Energieexperte, der Firmen beim Stromsparen berät. Wie geht es den Einzelkämpfern? Wie funktioniert ihr Geschäftsmodell? ZEIT ONLINE stellt in den kommenden Wochen zehn von ihnen in einer Serie vor.
Bisher erschienen:
Die Tagesmutter Nicole Kramer: "Man darf nicht zu bescheiden sein"
Der Fitnesstrainer Markus Bremen: "So ein Arbeitstag geht an die Substanz"
Mittlerweile hat sich mein Geschäftsmodell geändert. Mit dem Bloggen verbringe ich nur noch wenig Zeit. Die Seite nutze ich heute eher dazu, an Aufträge zu kommen. Ich arbeite viel als Webdesigner und berate Werbeagenturen und Unternehmen, wie sie am besten im Internet auftreten und das Netz für sich nutzen können.
Natürlich habe ich ein Stück meiner Sicherheit aufgegeben. Dafür kann ich mir meinen Arbeitsalltag frei einteilen. Die meisten Einzelunternehmer leben ja für ihren Job. Bei mir ist das auch so. Nur so kann man verkraften, wenn mal in einem Monat nicht so viel Geld reinkommt. Meine Einnahmen schwanken sehr, ein richtiges Monatseinkommen habe ich nicht. In manchen Monaten kommt fast kein Geld auf mein Konto. Dafür werden dann im nächsten Monat viele Rechnungen fällig. Als Webdesigner habe ich früher etwa 2900 Euro brutto verdient. Auf diesem Niveau bewege ich mich heute im Schnitt noch immer.
In der Selbstständigkeit kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Auch mir geht mal ein Projekt schief, oder es kommt kein Geld rein, weil ich meine Zeit in eigene Projekte investiere, statt Aufträge abzuarbeiten. Aber ich mag diese deutsche Kultur nicht, die einem quasi untersagt zu scheitern. Deswegen gehe ich das Risiko bewusst ein. Das geht auch, weil ich keine Familie habe. Sonst müsste ich mich anders absichern und würde mehr Aufträge annehmen, die regelmäßiger Geld bringen. Ich lege zwar Geld für die Altersvorsorge zurück, aber ich hoffe auch darauf, dass ich bis zur Rente noch eine Idee habe, die sich im Alter auszahlt.
Es ist ein Trugschluss, dass man sich als Selbständiger seine Arbeitszeit frei einteilen kann. Ich arbeite mehr und disziplinierter als früher. Vieles fühlt sich aber gar nicht nach Arbeit an. Die Dinge, die ich mache – Fotografieren oder ein Layout gestalten – mache ich ja gern. Außerdem lese ich Blogs und bin auf Facebook und Twitter unterwegs. Ich brauche ständig Input und auch ein bisschen Stress. Wenn ich richtig abschalten möchte, fahre ich an einen Ort ins Ausland, an dem ich keinen Zugriff zum Internet habe.
- Datum 04.01.2011 - 13:54 Uhr
- Serie Die Einzelkämpfer
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 23
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Ich finde den Artikel gut und finde mich in vielen Punkten wieder. Leider habe ich den Schritt bisher noch nicht gewagt, sondern über die Selbstständigkeit "nur" nebenberuflich aus.
Respekt und Kompliment aber alle Selbstständigen dieser Welt.
Der Artikel passt, er ist knapp aber alles, was mich interessiert hat, war drinnen.
In Stylespion gibt er als Leistungen folgende an:
"Texte schreiben. Fotos machen. Websites planen, umsetzen, betreuen. SEO. Beratung und Schulung. "
Den Blog betreibt er aber dann eigentlich nur um bekannter zu werden, nicht primär.
Relativ ähnlich ist es bei kinowear:
http://www.kinowear.com/b...
Dienstleistungen abieten und sich selbst mit einem Blog vermarkten.
Einmal wird behauptet das, Zitat: "Natürlich habe ich ein Stück meiner Sicherheit aufgegeben. Dafür kann ich mir meinen Arbeitsalltag frei einteilen."
Um zwei Absätze später zu schreiben, Zitat: "Es ist ein Trugschluss, dass man sich als Selbständiger seine Arbeitszeit frei einteilen kann."
Ja was denn nun?
bei diesem Einkommen kann man nicht bürgerlich mit Kindern leben!
Ein selbstständiger Alleinverdiener muß zumindest 5000,- oder 6000,- x12 brutto verdienen, das wären
3000,- netto.
Von Morgens bis abends, das kann er auch nur bis 40 machen.
Lieber Nutzer "Impuls",
naiver und arroganter geht es wohl kaum!
Meine Eltern verdienen lange nicht das, was Sie als Normverdienst fordern, schaffen es aber dennoch, ein absolut "bürgerliches" Leben zu führen, indem sie mir ein bürgerliches Studium finanzieren, das gleiche für meine Schwester in einem Jahr tun werden (Achtung: Mama, Papa, Sohn, Tochter: bürgerlicher geht es kaum), zwei absolut bürgerliche Autos fahren, hausen wie jeder andere Bürger auch - und es ermangelt ihnen mit Sicherheit an keinem bürgerlichen Kram, der in Ihrer Was-MUSS-ein-richtiger-Bürger-alles-besitzen-Liste verzeichnet ist.
Und, Mathias001, och, kommen Sie, diese Pauschalisierungen sind seit zig Jahren doch nicht mehr in. Das kann doch langsam kein Mensch mehr hören: Im Süden dies, im Süden jenes...
Lieber Nutzer "Impuls",
naiver und arroganter geht es wohl kaum!
Meine Eltern verdienen lange nicht das, was Sie als Normverdienst fordern, schaffen es aber dennoch, ein absolut "bürgerliches" Leben zu führen, indem sie mir ein bürgerliches Studium finanzieren, das gleiche für meine Schwester in einem Jahr tun werden (Achtung: Mama, Papa, Sohn, Tochter: bürgerlicher geht es kaum), zwei absolut bürgerliche Autos fahren, hausen wie jeder andere Bürger auch - und es ermangelt ihnen mit Sicherheit an keinem bürgerlichen Kram, der in Ihrer Was-MUSS-ein-richtiger-Bürger-alles-besitzen-Liste verzeichnet ist.
Und, Mathias001, och, kommen Sie, diese Pauschalisierungen sind seit zig Jahren doch nicht mehr in. Das kann doch langsam kein Mensch mehr hören: Im Süden dies, im Süden jenes...
Vielleicht sollte man sich dann eine Frau suchen, die es nicht auf das Geld, das man heranschafft, abgesehen hat und es zum Fenster hinauswirft.
Ich habe ein Nettoeinkommen von unter 1000 EUR, arbeite gerade mal 30 Stunden pro Woche, habe trotzdem eine Frau, zwei Kinder, einen schönen Weihnachtsbaum, eine große Wohnung, eine Heimkinoanlage, einen Laptop und eine moderne Einbauküche, keine Schulden - und ich bin noch lange unter 30 Jahre alt.
Vermutlich liegt dieser im nördlich ländlichen Raum.
...wohl Zeit "DANKE Mama und Papa" oder "DANKE Vati Staat" zu sagen.....
@Christian Dossmann hat eine "große Wohnung". Da sind von den 1000 € schon mal locker 500 € weg (wenns gut geht warm). Bleiben für Frau und zwei Kinder gerade mal 500 übrig.
Es sei denn die Frau arbeitet oder "Vater Staat" gibt noch mal "Aufstockermäßig", Wohngeldzuschuß und per Kindergeld jede Menge Geld dazu.
Mit anderen Worten, mein Geld via Steuern, weil "ich gehe gerade mal 30 Stunden in der Woche arbeiten.
Vermutlich liegt dieser im nördlich ländlichen Raum.
...wohl Zeit "DANKE Mama und Papa" oder "DANKE Vati Staat" zu sagen.....
@Christian Dossmann hat eine "große Wohnung". Da sind von den 1000 € schon mal locker 500 € weg (wenns gut geht warm). Bleiben für Frau und zwei Kinder gerade mal 500 übrig.
Es sei denn die Frau arbeitet oder "Vater Staat" gibt noch mal "Aufstockermäßig", Wohngeldzuschuß und per Kindergeld jede Menge Geld dazu.
Mit anderen Worten, mein Geld via Steuern, weil "ich gehe gerade mal 30 Stunden in der Woche arbeiten.
Vermutlich liegt dieser im nördlich ländlichen Raum.
Fast.
Eher nördlich, ja, aber im ländlichen Raum wäre man auf ein Auto angewiesen, das im Unterhalt ziemlich teuer ist. Daher lebt es sich in einer Großstadt wesentlich günstiger.
Fast.
Eher nördlich, ja, aber im ländlichen Raum wäre man auf ein Auto angewiesen, das im Unterhalt ziemlich teuer ist. Daher lebt es sich in einer Großstadt wesentlich günstiger.
...wohl Zeit "DANKE Mama und Papa" oder "DANKE Vati Staat" zu sagen.....
Ja, danke lieber Staat für monatl. 368 EUR Kindergeld für meine beiden Kinder. Das war's. Mama und Papa haben damit nichts zu tun. Weitere staatliche Bezüge gibt es nicht.
Das Kindergeld bekommt übrigens jeder, der Kinder hat. Und wer Kinder hat, weiß, dass Kinder wesentlich teurer sein können. Ohne Kinder könnten wir also noch viel luxoriöser leben.
Ja, danke lieber Staat für monatl. 368 EUR Kindergeld für meine beiden Kinder. Das war's. Mama und Papa haben damit nichts zu tun. Weitere staatliche Bezüge gibt es nicht.
Das Kindergeld bekommt übrigens jeder, der Kinder hat. Und wer Kinder hat, weiß, dass Kinder wesentlich teurer sein können. Ohne Kinder könnten wir also noch viel luxoriöser leben.
Fast.
Eher nördlich, ja, aber im ländlichen Raum wäre man auf ein Auto angewiesen, das im Unterhalt ziemlich teuer ist. Daher lebt es sich in einer Großstadt wesentlich günstiger.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren