Der Blogger Kai Müller © Christoph Pagel

Als ich meine Festanstellung gekündigt habe, sind meine Chefs aus allen Wolken gefallen. Aber ich hatte mir den Wechsel in die Selbstständigkeit gut überlegt. Außerdem hatte ich Erfahrung: Zwei Jahre lang hatte ich neben meinem Job als Webdesigner einen Blog betrieben. Acht Stunden im Unternehmen, dann acht Stunden bloggen. Ich war sehr motiviert, aber irgendwann wurden 16 Stunden am Tag zu viel. Ein Blog ist mehr Arbeit, als man denkt.

Die Idee für meinen Blog Stylespion kam mir 2006. Ich habe damals selbst viele Blogs gelesen und irgendwann entschieden, dass ich das auch probieren will. Ich beschloss, über Einrichtung zu bloggen. Darüber, wie man sich seine Wohnung schön einrichten kann, ohne dafür viel Geld auszugeben. Oder wie man sich Möbel selbst baut. Anfangs ging es mir gar nicht so darum, damit Geld zu verdienen. Doch schon nach kurzer Zeit haben sich Anzeigenkunden gemeldet, die Werbung schalten wollten. Das Projekt hat sich recht schnell finanziell gelohnt.

Mittlerweile hat sich mein Geschäftsmodell geändert. Mit dem Bloggen verbringe ich nur noch wenig Zeit. Die Seite nutze ich heute eher dazu, an Aufträge zu kommen. Ich arbeite viel als Webdesigner und berate Werbeagenturen und Unternehmen, wie sie am besten im Internet auftreten und das Netz für sich nutzen können.

Natürlich habe ich ein Stück meiner Sicherheit aufgegeben. Dafür kann ich mir meinen Arbeitsalltag frei einteilen. Die meisten Einzelunternehmer leben ja für ihren Job. Bei mir ist das auch so. Nur so kann man verkraften, wenn mal in einem Monat nicht so viel Geld reinkommt. Meine Einnahmen schwanken sehr, ein richtiges Monatseinkommen habe ich nicht. In manchen Monaten kommt fast kein Geld auf mein Konto. Dafür werden dann im nächsten Monat viele Rechnungen fällig. Als Webdesigner habe ich früher etwa 2900 Euro brutto verdient. Auf diesem Niveau bewege ich mich heute im Schnitt noch immer.

In der Selbstständigkeit kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Auch mir geht mal ein Projekt schief, oder es kommt kein Geld rein, weil ich meine Zeit in eigene Projekte investiere, statt Aufträge abzuarbeiten. Aber ich mag diese deutsche Kultur nicht, die einem quasi untersagt zu scheitern. Deswegen gehe ich das Risiko bewusst ein. Das geht auch, weil ich keine Familie habe. Sonst müsste ich mich anders absichern und würde mehr Aufträge annehmen, die regelmäßiger Geld bringen. Ich lege zwar Geld für die Altersvorsorge zurück, aber ich hoffe auch darauf, dass ich bis zur Rente noch eine Idee habe, die sich im Alter auszahlt.

Es ist ein Trugschluss, dass man sich als Selbständiger seine Arbeitszeit frei einteilen kann. Ich arbeite mehr und disziplinierter als früher. Vieles fühlt sich aber gar nicht nach Arbeit an. Die Dinge, die ich mache – Fotografieren oder ein Layout gestalten – mache ich ja gern. Außerdem lese ich Blogs und bin auf Facebook und Twitter unterwegs. Ich brauche ständig Input und auch ein bisschen Stress. Wenn ich richtig abschalten möchte, fahre ich an einen Ort ins Ausland, an dem ich keinen Zugriff zum Internet habe.