Die Krisenländer nehmen laufend neue Schulden auf. Wie läuft das ab?

Schuldenmachen ist im Prinzip einfach: Die Banken leihen einer Regierung Geld und bekommen dafür ein Papier, die Staatsanleihe. Auf ihr steht, wann der Staat das Geld zurückzahlen will und wie viel Zinsen er bis dahin zahlt.

Will ein Land neue Anleihen ausgeben, regelt es das meist über eine Auktion. Der Ablauf ist von Land zu Land unterschiedlich. In fast allen Staaten hat die Regierung vorher eine Bietergruppe benannt, bestehend aus Banken aus dem In- und Ausland. In Deutschland gehören zu diesem Konsortium 34 Banken, darunter Goldman Sachs , die Deutsche Bank oder die spanische Bank Santander. Die Bietergruppe wechselt ständig, die Banken handeln im Auftrag von Kunden auf der ganzen Welt.

Tage bevor die Auktion beginnt, hören die zuständigen Regierungsmitarbeiter bei den Banken nach, wie der Markt im Moment so tickt: Zu welchen Konditionen kann sich der Staat Geld leihen? Was sind die Investoren bereit zu zahlen? Pre-Sounding nennen das die Fachleute. Die Informationen fließen in die Strategie am Tag der Auktion ein.

Meist beginnt die Versteigerung am frühen Vormittag, in Deutschland oft um acht Uhr. Dann kommen die Mitarbeiter der Finanzagentur des Bundes im Handelsraum zusammen, das Finanzministerium und die Bundesbank sind per Standleitung zugeschaltet. Nach und nach trudeln die Gebote ein. Eine Bank bietet zum Beispiel für ein Volumen von 100 Millionen Euro und eine Laufzeit von zehn Jahren einen Zinssatz von drei Prozent. Eine andere will 200 Millionen Euro für 3,1 Prozent abnehmen. Andere bieten nur um Summen und legen sich auf keinen Preis fest. Die Mitarbeiter sortieren die Angebote und beraten kurz. Dann fällt der Hammer und das Geld wird zugeteilt.

Grob vereinfacht läuft das so: Zuerst wird der Bieter mit dem aus Sicht des Staates besten Angebot bedient. Danach folgt der Bieter mit dem zweitbesten Angebot. Das geht so lange, bis das Gesamtvolumen, das der Bund anstrebt, erreicht ist. Am Ende muss der Staat für die neuen Staatsschulden einen Durchschnittszins zahlen, der sich aus allen Angeboten errechnet, die zum Zuge kamen. In anderen EU-Ländern – etwa Portugal – zahlt die Regierung den Zinssatz, den der letzte Bieter geboten hat, der noch einen Zuschlag bekommen hat. Im Fall von Portugal lag dieser Zins für Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren in der vergangenen Woche bei rund 6,72 Prozent