Euro-Krise Was wird aus unserem Geld?

Erst Griechenland, dann Irland und jetzt vielleicht Portugal. Wie teuer wird es für Deutschland? Lohnt die Rückkehr zur D-Mark? Fünf Fragen und Antworten zur Euro-Krise

Die Krisenländer nehmen laufend neue Schulden auf. Wie läuft das ab?

Schuldenmachen ist im Prinzip einfach: Die Banken leihen einer Regierung Geld und bekommen dafür ein Papier, die Staatsanleihe. Auf ihr steht, wann der Staat das Geld zurückzahlen will und wie viel Zinsen er bis dahin zahlt.

Will ein Land neue Anleihen ausgeben, regelt es das meist über eine Auktion. Der Ablauf ist von Land zu Land unterschiedlich. In fast allen Staaten hat die Regierung vorher eine Bietergruppe benannt, bestehend aus Banken aus dem In- und Ausland. In Deutschland gehören zu diesem Konsortium 34 Banken, darunter Goldman Sachs, die Deutsche Bank oder die spanische Bank Santander. Die Bietergruppe wechselt ständig, die Banken handeln im Auftrag von Kunden auf der ganzen Welt.

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Tage bevor die Auktion beginnt, hören die zuständigen Regierungsmitarbeiter bei den Banken nach, wie der Markt im Moment so tickt: Zu welchen Konditionen kann sich der Staat Geld leihen? Was sind die Investoren bereit zu zahlen? Pre-Sounding nennen das die Fachleute. Die Informationen fließen in die Strategie am Tag der Auktion ein.

Meist beginnt die Versteigerung am frühen Vormittag, in Deutschland oft um acht Uhr. Dann kommen die Mitarbeiter der Finanzagentur des Bundes im Handelsraum zusammen, das Finanzministerium und die Bundesbank sind per Standleitung zugeschaltet. Nach und nach trudeln die Gebote ein. Eine Bank bietet zum Beispiel für ein Volumen von 100 Millionen Euro und eine Laufzeit von zehn Jahren einen Zinssatz von drei Prozent. Eine andere will 200 Millionen Euro für 3,1 Prozent abnehmen. Andere bieten nur um Summen und legen sich auf keinen Preis fest. Die Mitarbeiter sortieren die Angebote und beraten kurz. Dann fällt der Hammer und das Geld wird zugeteilt.

Grob vereinfacht läuft das so: Zuerst wird der Bieter mit dem aus Sicht des Staates besten Angebot bedient. Danach folgt der Bieter mit dem zweitbesten Angebot. Das geht so lange, bis das Gesamtvolumen, das der Bund anstrebt, erreicht ist. Am Ende muss der Staat für die neuen Staatsschulden einen Durchschnittszins zahlen, der sich aus allen Angeboten errechnet, die zum Zuge kamen. In anderen EU-Ländern – etwa Portugal – zahlt die Regierung den Zinssatz, den der letzte Bieter geboten hat, der noch einen Zuschlag bekommen hat. Im Fall von Portugal lag dieser Zins für Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren in der vergangenen Woche bei rund 6,72 Prozent

Leser-Kommentare
  1. Na bitte, da steht´s: ein Ausstieg ist möglich wenn die Volksvertreter es nur wollen! Bei der Gelegenheit könnte man auch gleich aus der ganze EG aussteigen! In den EG Verträgen steht doch das kein Land für die Schulden eines anderen gradestehen muss: Makulatur! Die EG ist eine gute Idee, sie funktioniert nur nicht, so ähnlich wie das mit dem Sozialismus, der hat auch nicht funktioniert. Und wir haben ihn zum allgemeinen Vorteil abgeschafft. Sollte man mal drüber nachdenken!

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    Seit dem Vertrag von Lissabon existiert die EG nicht mehr, es gibt nur noch die EU.
    Die EU funktioniert im übrigen. Was momentan nicht funktioniert hat mit der EU an sich nichts zu tun, wie man es schön in den USA beobachten kann. Auch der Dollar stand unter massivem Druck, die USA sind völlig überschuldet, das ist halt das Problem wenn man gerade so die größte Wirtschaftskrise seit 1929 abgewendet hat und dafür die Geldpresse oder (mindestens genauso plakativ) den Rettungsschirm auspackt.
    Am Rande: auch Japan und der Yen existieren noch, obwohl da mit Banken, Währungen und Immobilien nicht alles zum besten stand/steht.
    Eine Rückkehr zur Mark zu propagieren, ist ziemlich überflüssig. Währungskrisen wird es immer geben, wer daraus den Schluss zieht die Währung durch eine andere zu ersetzen, wird sich bei der nächsten Währungskrise oder durch die wirtschaftlichen Folgen enttäuscht sehen.

    • cegog
    • 20.01.2011 um 16:36 Uhr

    Die Idee hätte aber funktionieren können, wenn man nicht mit der Brechstange zum einen die planlose Erweiterung derart vorangetrieben hätte und zum anderen eine wie ein Krebsgeschwür wuchernde (macht)gierige Eurokratenklique fettgefüttert hätte. Der Euro wurde als Zwangsmaßnahme zur politischen Eindämmung des wiedervereinigten Deutschlands eingeführt. Er war von Anfang an ein Politikum und hatte nichts mit fiskalischen oder realwirtschaftlichen Argumenten zu tun.
    Bei einer Wiedereinführung der D-Mark ist die Frage ob sich die Vorteile (Importpreise, niedrige Zinsen, Konsum) und die Nachteile (Schäden für den Export, Rezession und Nachfrageschwäche in unseren Nachbarländern) auf längere Sicht nicht ausgleichen würden. Zunächst wären jedoch schwere Erschütterungen auf den internat. Finanzmärkten die Folge. Aber: besser ein Ende mit Schrecken ....

    • joG
    • 20.01.2011 um 20:11 Uhr

    ....wenn man es richtig macht. Das würde zwar einige Zeit dauern, bis man den Euro endgültig abgeschüttelt hätte, aber es wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit billiger für Deutschland, als seine Souveränität und Kasse auf dem Altar des Euro zu opfern. Wer Anderes behauptet, behauptet unwissentlich oder aus anderem Grund etwas falsches.

    Seit dem Vertrag von Lissabon existiert die EG nicht mehr, es gibt nur noch die EU.
    Die EU funktioniert im übrigen. Was momentan nicht funktioniert hat mit der EU an sich nichts zu tun, wie man es schön in den USA beobachten kann. Auch der Dollar stand unter massivem Druck, die USA sind völlig überschuldet, das ist halt das Problem wenn man gerade so die größte Wirtschaftskrise seit 1929 abgewendet hat und dafür die Geldpresse oder (mindestens genauso plakativ) den Rettungsschirm auspackt.
    Am Rande: auch Japan und der Yen existieren noch, obwohl da mit Banken, Währungen und Immobilien nicht alles zum besten stand/steht.
    Eine Rückkehr zur Mark zu propagieren, ist ziemlich überflüssig. Währungskrisen wird es immer geben, wer daraus den Schluss zieht die Währung durch eine andere zu ersetzen, wird sich bei der nächsten Währungskrise oder durch die wirtschaftlichen Folgen enttäuscht sehen.

    • cegog
    • 20.01.2011 um 16:36 Uhr

    Die Idee hätte aber funktionieren können, wenn man nicht mit der Brechstange zum einen die planlose Erweiterung derart vorangetrieben hätte und zum anderen eine wie ein Krebsgeschwür wuchernde (macht)gierige Eurokratenklique fettgefüttert hätte. Der Euro wurde als Zwangsmaßnahme zur politischen Eindämmung des wiedervereinigten Deutschlands eingeführt. Er war von Anfang an ein Politikum und hatte nichts mit fiskalischen oder realwirtschaftlichen Argumenten zu tun.
    Bei einer Wiedereinführung der D-Mark ist die Frage ob sich die Vorteile (Importpreise, niedrige Zinsen, Konsum) und die Nachteile (Schäden für den Export, Rezession und Nachfrageschwäche in unseren Nachbarländern) auf längere Sicht nicht ausgleichen würden. Zunächst wären jedoch schwere Erschütterungen auf den internat. Finanzmärkten die Folge. Aber: besser ein Ende mit Schrecken ....

    • joG
    • 20.01.2011 um 20:11 Uhr

    ....wenn man es richtig macht. Das würde zwar einige Zeit dauern, bis man den Euro endgültig abgeschüttelt hätte, aber es wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit billiger für Deutschland, als seine Souveränität und Kasse auf dem Altar des Euro zu opfern. Wer Anderes behauptet, behauptet unwissentlich oder aus anderem Grund etwas falsches.

    • peto1
    • 20.01.2011 um 16:16 Uhr

    "Dass die Mark zurückkommt, ist Science-Fiction", sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

    er lebt in Utopia dann ist alles Science-Fiction ,
    Wir aber Leben in einer Realen Welt.

  2. Man hat uns nur Halbwahrheiten bei der Einführung des Euros gegeben und sogar auch Fehlinformationen! Deswegen waren die Menschen damals in Frankfurt auch ganz versessen ihren ersten „Zwanziger“ in ein Willkommensbeutel Euros zu tauschen.
    Eine rauschende Partynacht folgte und kein Mensch hat mitbekommen, wie sie dem Bürger wieder ein wenig mehr ins System einpressten.
    Was macht man um den Euro zu stabilisieren?
    Noch mehr Geld „drucken“ und noch mehr Verschuldung! Aber ist es über die Zinsfalle nicht eine erneute Knebelung der wir erliegen? Wir werden nie „unsere“ Schulden zurückzahlen können., was ja auch gar nicht gewollt ist!

    Was hilft nun???
    Aus meiner Sicht brauchen wir den Mut für einen Neustart mit einer Währung für Deutschland. Die nicht gekoppelt ist an den jetzigen Spekulationsblasen! Ich höre schon die Stimmen die das Goldene Kalb des Außenhandels anbeten und warnen, aber es sind nur die gleichen Menschen die heute dieses Kalb melken!

    Herzliche Grüße
    Alexander P.

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    Ich kann leider nicht ganz nachvollziehen, wo der Zusammenhang zwischen einer Währungsunion und Ihrem "dem Bürger wieder ein wenig mehr ins System einpressten" ist, könnten Sie das irgendwie erläutern?

    Klingt mir nach ner ziemlich schlimmen Phobie...

    "Aus meiner Sicht brauchen wir den Mut für einen Neustart mit einer Währung für Deutschland. Die nicht gekoppelt ist an den jetzigen Spekulationsblasen!"

    Wieso sollte eine "neue" D-Mark dagegen resistent sein?

    Ich kann leider nicht ganz nachvollziehen, wo der Zusammenhang zwischen einer Währungsunion und Ihrem "dem Bürger wieder ein wenig mehr ins System einpressten" ist, könnten Sie das irgendwie erläutern?

    Klingt mir nach ner ziemlich schlimmen Phobie...

    "Aus meiner Sicht brauchen wir den Mut für einen Neustart mit einer Währung für Deutschland. Die nicht gekoppelt ist an den jetzigen Spekulationsblasen!"

    Wieso sollte eine "neue" D-Mark dagegen resistent sein?

  3. ...nach dem zweiten Weltkrieg für die Deutschen. Nutznießer jedesmal: Die Banken.

  4. @ Argusaugen

    Die Bundesbank hat für diese 1% Zinsen über 300Mrd. an Zentralbankliquidität an die notleidenden Südeurozentralbanken weitergereicht, die diese wiederum über die Geschäftsbanken in Land verteilt haben. Ohne diese Aktion wäre schon lange Schluss mit Lust. Mir ist ein Rätsel warum die Presse diesen Vorgang so hartnäckig totschweigt. Die einzige Ausnahme bildet hier: http://blog.zeit.de/herde...

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    Durch Beiträge kompetenter Foristen wurde ich jedenfalls
    über diesen wichtigen Fakt aufgeklärt.

    Durch Beiträge kompetenter Foristen wurde ich jedenfalls
    über diesen wichtigen Fakt aufgeklärt.

    • ludna
    • 20.01.2011 um 16:28 Uhr

    Rückkehr zur DM.

    Ich lese da nur Vorteile.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Ahula
    • 20.01.2011 um 18:12 Uhr

    Dies mag ihre persönliche Meinung sein, aus dem Text geht es jedoch beim besten Willen nicht hervor

    Mich würde auch interessieren, wieso es zuerst heisst
    "Viele wollen die D-Mark wieder einführen. Geht das überhaupt?"; mit dem Zitat "Dass die Mark zurückkommt, ist Science-Fiction" am Ende.

    Und weil das so sehr Science Fiction ist, folgt dann die Seite "Was würde nach der Wiedereinführung der D-Mark passieren?"

    Als Redakteur hätte ich zu Ablauf und Argumentation einige Fragen/Hinweise, als Leser fühle ich mich trotz der vielen Informationen nach der Lektüre eher unwissender.

    Das ist schade, weil der Artikel kompakt und recht umfassend auf verschiedene Aspekte und Möglichkeiten hinweist -- das ist keine einfache Arbeit.

    Kai Hamann

    • Ahula
    • 20.01.2011 um 18:12 Uhr

    Dies mag ihre persönliche Meinung sein, aus dem Text geht es jedoch beim besten Willen nicht hervor

    Mich würde auch interessieren, wieso es zuerst heisst
    "Viele wollen die D-Mark wieder einführen. Geht das überhaupt?"; mit dem Zitat "Dass die Mark zurückkommt, ist Science-Fiction" am Ende.

    Und weil das so sehr Science Fiction ist, folgt dann die Seite "Was würde nach der Wiedereinführung der D-Mark passieren?"

    Als Redakteur hätte ich zu Ablauf und Argumentation einige Fragen/Hinweise, als Leser fühle ich mich trotz der vielen Informationen nach der Lektüre eher unwissender.

    Das ist schade, weil der Artikel kompakt und recht umfassend auf verschiedene Aspekte und Möglichkeiten hinweist -- das ist keine einfache Arbeit.

    Kai Hamann

  5. 1. Ein weiter wie bisher geht nicht; denn vor allem Griechenland wird nicht in der Lage sein, seine Probleme zu lösen - ein gangbarer Weg wäre hier eine bereits diskutierte Umschuldung
    2. EURO-Bonds wie von SPD und Grünen sowie einigen EU-Staaten - vor allem kleinere bzw. hoch verschuldeten - gefordert, würde die Gesamte EURO-Zone einschließlich Deutschland in den Ruin treiben
    3. Ein Zurück zur DM ist auch Unsinn. Dabei würde die Vorteile, die der Euro durchaus hat, unnötig auf`s Spiel gesetzt. Lösung wäre ein wie auch immer strukturierter Nord-EURO

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    welche Vorteile hat denn der Euro durchaus ? Ausser das ich im Urlaub kein Geld mehr umtauschen muss - dafür aber bedeutend weniger für mein Geld bekomme als vor dem Euro .

    Der hätte wohl zur Folge, dass direkt nach Einführung Ihrer Nord-Euro-Variante alle Länder im "Süd-Euro-Geld" Kreditzinsen "gegen unendlich" zahlen müssten. Griechenland und Portugal wären dann sofort pleite. Irland liegt im Norden der EU, würde aber unsere schönen "Nord-Zinsen" rauftreiben und käme darum vermutlich auch nicht in die fidele Truppe... wups, auch pleite.

    Eigentlich meinen Sie mit "Nord-Euro" eine Währungsgemeinschaft aus "reichen" EU-Staaten. Das Gemeinschafts-/Verantwortungsgefühl und solziales Verpflichtung (helft den Schwachen) belächelte Argumente eines Träumers sind ist mir wohl bewusst. Aber wenn wir die Hälfte unserer Kunden im Exportgeschäft pleite gehen lassen, an wen verkaufen wir dann unsere Autos oder Maschinen?

    Solange unsere Binnennachfrage die Konjunktur im Land nicht alleine stützen kann (also vermutlich nie) ist es bescheuert aus dem Euro auszusteigen oder die halbe EU dem Bankrott zu übergeben.

    welche Vorteile hat denn der Euro durchaus ? Ausser das ich im Urlaub kein Geld mehr umtauschen muss - dafür aber bedeutend weniger für mein Geld bekomme als vor dem Euro .

    Der hätte wohl zur Folge, dass direkt nach Einführung Ihrer Nord-Euro-Variante alle Länder im "Süd-Euro-Geld" Kreditzinsen "gegen unendlich" zahlen müssten. Griechenland und Portugal wären dann sofort pleite. Irland liegt im Norden der EU, würde aber unsere schönen "Nord-Zinsen" rauftreiben und käme darum vermutlich auch nicht in die fidele Truppe... wups, auch pleite.

    Eigentlich meinen Sie mit "Nord-Euro" eine Währungsgemeinschaft aus "reichen" EU-Staaten. Das Gemeinschafts-/Verantwortungsgefühl und solziales Verpflichtung (helft den Schwachen) belächelte Argumente eines Träumers sind ist mir wohl bewusst. Aber wenn wir die Hälfte unserer Kunden im Exportgeschäft pleite gehen lassen, an wen verkaufen wir dann unsere Autos oder Maschinen?

    Solange unsere Binnennachfrage die Konjunktur im Land nicht alleine stützen kann (also vermutlich nie) ist es bescheuert aus dem Euro auszusteigen oder die halbe EU dem Bankrott zu übergeben.

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