Die Verteilungskämpfe um knappe Ressourcen haben bereits begonnen. Dem will die Europäische Union mit einer überarbeiteten Rohstoff-Strategie begegnen. Zurzeit sind es nicht nur Massenrohstoffe wie Kupfer, deren Preis gerade in den Himmel schießen, es sind vor allem Hightech-Rohstoffe wie die Seltenen Erden, die den Strategen Sorgen bereiten. In beiden Fällen steigt die Nachfrage rasant, während das Angebot kaum Schritt halten kann.

Zum einen erschwert die Wirtschaftskrise die Erschließung neuer Minen, zum anderen nutzen immer mehr Länder Exportbeschränkungen, um ihre Rohstoffe der einheimischen Industrie zukommen zu lassen. Industrieländer wie die USA, Deutschland oder Japan haben daher Strategien entworfen, wie sie ihren zukünftigen Rohstoffbedarf sichern wollen.

Mit dem Aufbauschen nationaler Rohstoffinteressen droht allerdings ein weltweites Nullsummenspiel, das die Kluft zwischen rohstoffreichen und rohstoffarmen Staaten vertieft. Das Thema gleicht einem Minenfeld: Neben dem aktuellen Konflikt mit China um die Seltenen Erden haben die USA, die Europäische Union und Mexiko bereits ein Verfahren vor der Welthandelsorganisation (WTO) zum Zugang zu anderen wichtigen chinesischen Rohstoffen angestrengt; gleichzeitig stehen die Doha-Verhandlungen zur Handelsliberalisierung weiter still. Der Welt droht eine Protektionismus-Spirale, weit über Rohstofffragen hinaus.

Bis jetzt unternimmt jedoch weder ein Staat noch eine internationale Organisation die nötigen Anstrengungen, das bestehende Vakuum in der internationalen Rohstoffkooperation zu füllen. Die EU, die sich gerne mit diesen Federn schmücken würde, droht gerade eine Gelegenheit zum weltweiten Brückenbau zu verpassen.

Tatsächlich könnte die aktualisierte Europäische Rohstoffinitiative, die nach langer Verzögerung voraussichtlich Anfang Februar veröffentlicht wird, die Situation sogar verschärfen. Der Strategieentwurf sieht beispielsweise vor, Handelspräferenzen – Vorteile in Form von beispielsweise niedrigeren Steuern – gegenüber solchen Ländern abzuschaffen, die den Export von Rohstoffen beschränken. In der Folge könnte die EU vielmehr höhere Importzölle bei diesen Staaten verhängen. Zudem soll vermehrt auf Schlichtungsverfahren bei der WTO zurückgegriffen werden. Jedoch hat ein zu eifriges Greifen nach Schlichtungsverfahren und Importzöllen das Potenzial für Eskalationen, auf die andere Länder mit weiteren Handelshemmnissen reagieren werden. Damit ist keinem gedient.

Die EU-Kommission will auch Rohstoffpartnerschaften, vor allem mit afrikanischen Ländern, einrichten. So sollen rohstoffreiche Länder unter anderem bei der Erkundung nationaler Bodenschätze unterstützt und mit Infrastruktur für den Abbau ausgestattet werden. Noch ist allerdings nicht zu erkennen, dass solch eine Partnerschaft auch die Interessen dieser Länder angemessen berücksichtigt.

Es ist wohl kaum ein ehrliches Angebot, wenn die EU gleichzeitig diskutiert, die Entwicklungszusammenarbeit als Verhandlungsmasse zur Rohstoffsicherung zu nutzen. Außerdem ist das Tauschgeschäft Rohstoffe gegen Infrastruktur für Rohstoffländer mit einem höheren Entwicklungsgrad von geringem Interesse. Da muss die EU schon mehr bieten, zum Beispiel einen freieren Zugang zu ihrem Binnenmarkt.