Seltene Erden, ein Begriff, der bis vor wenigen Monaten noch den Wenigsten bekannt war. Für die Wirtschaft sind sie aber unverzichtbar, denn für die Herstellung der meisten Hightech-Produkte werden Metalle der seltenen Erden benötigt. China hat hier in den vergangenen Jahren eine Vormachtstellung erlangt – mehr als 95 Prozent der begehrten Hochtechnologiemetalle für den Weltmarkt stammen aus China. Diese Stellung nutzt die Regierung nun verstärkt, um die eigene Wirtschaft im globalen Kampf um Marktanteile zu stärken.

Nachdem sie bereits zu Jahresbeginn angekündigt hatte, den Export in der ersten Hälfte 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent zu reduzieren, hat sie nun vor, Metalle der seltenen Erden in großem Umfang zu horten. Chinas Führung ist dabei, im chinesischen Teil der Mongolei riesige Lagerstätten anzulegen. Die Rede ist von 40.000 Tonnen, die sie in der Bergbauregion Baotou zwischenlagern möchte. Das entspricht der Gesamtmenge, die China an diesen Rohstoffen im vergangenen Jahren exportiert hat. Um die Ausfuhr besser kontrollieren zu können, ist geplant, die etwa 400 chinesischen Unternehmen, die derzeit Metalle der seltenen Erden herstellen, auf 100 zu reduzieren und sie zu verstaatlichen.

Peking will dieses Monopol nicht nur dazu nutzen, den Preis für die Rohstoffe in die Höhe zu treiben. Mit dem Aufbau einer strategischen Reserve könnte es der chinesischen Führung gelingen, der eigenen Industrie dauerhaft Vorteile auf dem Weltmarkt zu verschaffen. China strebt nichts Geringeres als die Führerschaft über den weltweiten Hochtechnologiesektor an.

Bei den seltenen Erden handelt es sich um insgesamt 17 chemische Elemente. Sie werden vor allem für industrielle Produkte verwendet, die mit Optik, Licht oder Magnetismus zu tun haben. So werden sie zum Beispiel für die Produktion von Smartphones benötigt, für Energiesparlampen, Akkus, Flachbildschirme und Computerplatinen. Benötigt werden diese Metalle zudem für Elektromotoren und Windkraftanlagen. Politisch besonders brisant: Auch die Waffenindustrie ist etwa für Laserwaffen und Nachtsichtgeräte auf Metalle der seltenen Erden angewiesen. Entgegen ihres Namens sind die Mineralien, aus denen die Metalle gewonnen werden, nicht wirklich selten. Sie sind im Grunde weltweit vorhanden. Dennoch kommen inzwischen rund 95 Prozent der weltweit verarbeiteten Hochtechnologiemetalle aus China. Während Länder wie etwa die USA, die Gewinnung in den vergangenen Jahren stetig reduziert haben, hat China die Produktion massiv ausgeweitet.

Offiziell begründet die chinesische Regierung die jüngsten Ausfuhrbeschränkungen und den Aufbau eigener Reserven damit, die natürlichen Ressourcen des Landes zu schonen, weniger Energie zu verbrauchen und die Umwelt zu schützen. In der Tat ist die Gewinnung dieser Hochtechnologiemetalle aufwändig und hinterlässt giftigen Abfall. Das ist auch der Grund, warum Länder wie die USA die Produktion weitgehend eingestellt haben und ihren Bedarf seitdem sehr viel kostengünstiger über China abdecken. In der chinesischsprachigen Ausgabe von Forbes ist die wahre Strategie der chinesischen Führung nun ausführlich beschrieben.

Forbes zufolge verfolgt Chinas Regierung vor allem zwei Ziele: Zum einen will sie mit den Ausfuhrbeschränkungen ausländische Hochtechnologie-Unternehmen dazu bringen, ihre Produktionsstätten nach China zu verlagern und mit chinesischen Firmen Joint Ventures einzugehen. Auf diese Weise soll technisches Wissen aus dem Ausland an Chinesen weitergegeben werden. Zum anderen will sie gezielt ausländische Konkurrenten angreifen. Vor allem auf Japans Hochtechnologie- und Autoindustrie hat es die chinesische Führung abgesehen. So werden Metalle der seltenen Erden in großen Mengen für Batterien von Elektroautos benötigt. Bei der Entwicklung der Elektroautoindustrie spielt China bereits ganz vorne mit, möchte den Vorsprung zur japanischen und südkoreanischen Konkurrenz jedoch noch weiter ausbauen. Einige Elektronikunternehmen in Japan und Südkorea mussten ihre Produktion bereits zurück fahren, weil es ihnen an Nachschub an Metallen der seltenen Erden fehlte.