Frankreich will grüner werden. Um das zu erreichen, hat Präsident Nicolas Sarkozy unlängst eine Ausschreibung für den Bau von insgesamt fünf Offshore-Windparks angekündigt. Vor der französischen Küste sollen bis 2015 insgesamt rund 600 Windräder errichtet werden.

Die Offshore-Anlagen sollen Strom in einer Gesamtkapazität von 3000 Megawatt (MW) produzieren. Bis Ende November können sich Unternehmen bewerben, Anfang kommenden Jahres wird die Auswahl erfolgen. Die Regierung hofft auf Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro und 10.000 neue Arbeitsplätze. Gleichzeitig soll die magere Umweltbilanz des Landes verbessert werden, denn bis 2020 ist geplant, die Offshore-Kapazität auf 6000 Megawatt zu erhöhen. Umweltexperten sind jedoch skeptisch, dass sich dies so erreichen lässt.

Auch unter den Unternehmen aus der Energiebranche hält sich die Freude über die Ausschreibung in Grenzen: "Ich warte mit dem Jubel, bis die Unternehmen auch ausgewählt worden sind", sagt Nicolas Wolff, Frankreich-Chef des Turbinenherstellers Vestas und Vorsitzender des Windenergieverbands France Energie Eolienne (FEE). "Schließlich haben wir in Frankreich bisher schlechte Erfahrungen gemacht."

Schon einmal hat eine französische Regierung versucht, Offshore-Windparks auszuschreiben und aufzubauen. Vor sechs Jahren wurde jedoch nur eines von zehn Projekten ausgewählt: der Windpark Côte d’Albâtre des französischen Unternehmens Enertrag. Aber selbst dieser eine wurde bis heute nicht gebaut, weil Windenergie-Gegner erfolgreich dagegen geklagt haben.

Lokale Initiativen gegen Windenergie sind in Frankreich keine Seltenheit. Ihre Argumente: An Land verursachen die Turbinen Lärm, auf dem Wasser verschandeln sie die Aussicht. Unterstützung in der Bevölkerung hätten solche Vereinigungen kaum, sagt Christian Delabie von der Umweltagentur Agence de l’Environnement et de la Maîtrise de l’Energie. "Wir führen seit Jahren regelmäßig Umfragen durch, bei denen bis zu 95 Prozent die Windenergie befürworten."

Trotzdem haben es die Gegner geschafft, den Bau von Windrädern in Frankreich systematisch zu behindern. "Sie üben Druck auf lokale Abgeordnete aus, die seit der gescheiterten Ausschreibung über Offshore-Projekte entscheiden", sagt Delabie, der sich seit 25 Jahren für erneuerbare Energien einsetzt. Bis heute steht nicht eine Turbine in Frankreichs Gewässern. Auch an Land macht sich der Widerstand bemerkbar: Statt der geplanten 10.000 MW bis 2010 wurden bislang nur Turbinen mit einer Leistung von insgesamt 5500 MW errichtet.

Dabei hatte sich Nicolas Sarkozy große Ziele gesetzt: 2009 versprach er, grüne Energien anzukurbeln, wie "General [Charles] de Gaulle in den Sechzigern die Nuklearenergie ankurbelte". Das Ziel: Bis 2020 soll den Anteil erneuerbarer Energie am gesamten Stromverbrauch auf 23 Prozent erhöht werden – der europäische Richtwert liegt bei 20 Prozent.