Ein junger Simbabwer mit seinen Aids-Medikamenten © Alexander Joe/AFP/Getty Images

Mehrere Staatsanwaltschaften und das Bundeskriminalamt (BKA) sind einem großen Betrugsfall in der Pharmaindustrie auf der Spur. Bundesweit sollen verschiedene Pharmagroßhändler für Patienten in Afrika vorgesehene, subventionierte HIV-Präparate in großen Mengen neu verpackt, illegal nach Deutschland gebracht und hier mit extrem hohen Gewinnen verkauft haben. Einen entsprechenden Bericht von NDR Info hat das BKA inzwischen bestätigt.

Den Recherchen zufolge wurden die HIV-Präparate zum Teil als sogenannte Bulkware – also lose Tabletten in Kisten und Säcken – illegal aus Südafrika über Belgien und die Schweiz nach Deutschland importiert, obwohl sie hier nicht zugelassen sind. Anschließend sollen die Händler die Medikamente zu regulären Preisen abgerechnet haben. Nach Schätzungen der AOK Niedersachsen beläuft sich der finanzielle Schaden allein für die Krankenkassen auf einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag.

Die Beschuldigten aus Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz, die laut NDR Info die Vorwürfe abstreiten oder sich nicht äußern wollen, sollen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Flensburg drohen den mutmaßlichen Tätern wegen gewerbsmäßigen Betrugs zwischen drei Monaten und 10 Jahren Haft. Neben den Ermittlern in Schleswig-Holstein sind auch die Behörden in Trier und Lübeck mit dem Fall befasst.

Nach jetzigem Stand soll die Wirksamkeit der Medikamente nicht beeinträchtigt gewesen sein. Allerdings gebe es nach wie vor Untersuchungen, ob die Präparate zum Beispiel durch eine Unterbrechung der Kühlkette Schaden genommen hätten. Möglicherweise sei auch das Haltbarkeitsdatum überschritten gewesen.

Aufgeflogen war der mutmaßliche Betrug im August 2009 in einer Delmenhorster Apotheke. Bei anschließenden Untersuchungen des betreffenden Medikaments durch den Münchener Hersteller GlaxoSmithKline habe sich herausgestellt, dass unter anderem die Umverpackung und der Beipackzettel gefälscht gewesen seien. Der Konzern habe sicherheitshalber die betreffende Charge zurückgezogen. Auch der Hersteller Boehringer-Ingelheim habe 2009 und 2010 in einem ähnlichen Fall mehrere Chargen eines HIV-Medikaments zurückgerufen.