Palmöl aus IndonesienAbholzung und Vertreibung sind ein lohnendes Geschäft

Palmöl steckt in immer mehr Produkten. Der Boom zerstört jedoch Urwälder und die Lebensgrundlage vieler Menschen. Experten fordern mehr Nachhaltigkeit. von 

Palmöl ist überall. Die schmierige Flüssigkeit steckt in Schokoriegeln und Lippenstiften, Lacken und Pharmazeutika , Seifen und Waschmitteln, Schmierölen und Treibstoffen. Mehr als ein Drittel des weltweiten Verbrauchs von Pflanzenölen entfällt auf Palmöl. In den vergangenen 30 Jahren hat sich seine weltweite Produktion verzehnfacht. Nicht einmal Sojaöl wird in ähnlich großen Mengen hergestellt.

Die Europäische Union gehört zu den größten Importeuren, Indonesien ist der größte Produzent. Um Flächen für Ölplantagen nutzen zu können, rodet Indonesien seinen Torfmoorwald – dabei hat sich das Land der internationalen Gemeinschaft gegenüber verpflichtet, seine Urwälder zu schützen . Das Land erhält im Gegenzug viel Geld .

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Doch statistische Daten belegen, wie schwierig der Waldschutz ist. Eine aktuelle Studie von Brot für die Welt und Südwind zeigt, welche Schäden die Kultivierung von Ölpalmen in Indonesien anrichtet. Die Konsequenz der Verfasser: Die EU muss sich auf internationalem Parkett stärker für mehr Nachhaltigkeit, soziale Normen und einen besseren Waldschutz einsetzen.

Die Ölpalme, die in tropischen Regionen gedeiht, wächst vor allem in Indonesien und Malaysia. Beide Länder zusammen beherrschen den Weltmarkt. Mehr als 90 Prozent der weltweiten Exporte stammen aus den beiden Ländern. Allein Indonesien produzierte in der vergangenen Erntesaison fast die Hälfte des weltweit hergestellten Palmöls.

Zwar pflanzten auch Kleinbauern die Ölpalme an, schreibt Friedel Hütz-Adams, einer der Autoren der Studie. Doch der Trend gehe zu großen Plantagen, deren Flächen weiter zunehmen. Die Besitzer der großen Palmöl-Unternehmen gehören zu den reichsten Indonesiern. In einem Land, das von Korruption geplagt ist, ist ihr Einfluss groß.

Weil der Boom so gute Geschäfte verspricht, schreitet die Entwaldung weiter voran, selbst auf geschütztem Gebiet. Zuweilen werden die besonders kohlenstoffreichen und damit für den Klimaschutz wichtigen Torfmoorwälder sogar gerodet, ohne danach Plantagen aufzuforsten. Zugleich gibt es Brachflächen, die gar nicht genutzt werden, denn die Konzerne pflanzen ihre Bäume lieber auf jüngst entwaldeten Gebieten an. Dort benötigen sie weniger Dünger, und der Verkauf des gerodeten Holzes verspricht zusätzliche Einnahmen.

Die Abholzung – und auch die Brandrodung zur Gewinnung von Ackerland – hat gravierende Folgen für das Klima. Indonesien ist weltweit einer der größten Emittenten von Klimagasen. Etwa 85 Prozent der Emissionen stammen aus Rodung, der Zerstörung von Torfflächen oder anderweitigen Landnutzungsänderungen. 

Welche Auswirkungen die Ölpalmen-Wirtschaft auf das Klima darüber hinaus hat, ist umstritten. Zwar gilt die Verbrennung von Palmöl, etwa in Biodiesel, für sich betrachtet als sauber. Dadurch wird nur so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie die Ölpflanze zuvor gebunden hat. Doch Düngung, Ernte, Transport und Weiterverarbeitung verbrauchen Energie. Die Klimabilanz wird schnell negativ, wenn man auch noch berücksichtigt, dass die Ölpalmen-Wirtschaft den Bedarf an bebaubaren Flächen insgesamt erhöht. Wo Ölpalmen Nahrungsmittelpflanzen verdrängen, müssen noch mehr Wälder gerodet werden –  mit den bekannten Flächen für die Erderwärmung.

Leserkommentare
    • gettop
    • 17. Februar 2011 13:51 Uhr

    das ist doch eine wundervolle Schilderung der "love affair" des neuen Jahrhunderts - capitalism now and forever !-

  1. Das hat doch nix mit Kapitalismus zu tun. Dasselbe passiert in sozialistischen Ländern genauso, sogar viel schlimmer. Beispiele Kaspisches Meer, Aralsee usw. Es ist die Gier des Menschen, die Dummheit und Rücksichtslosigkeit, die das verursacht. Und die ist überall gleichverteilt.

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    ...ist Kapitalismus!

    • reinard
    • 17. Februar 2011 14:16 Uhr

    @2.
    Und es wird noch doller kommen. Auch das wissen wir. Von der Wanderheschrecke nur dadurch unterschieden, dass wir uns einbilden, Verstand zu besitzen.

    • wd
    • 17. Februar 2011 14:29 Uhr

    Wir haben sie gewählt und wählen sie mangels Alternative weiterhin!
    Sie lassen durch Gesetze und (oder) finanzielle Förderung mögliche Lebensmittel in Treibstoff oder Gas umwandeln. Das gleiche geschieht zu diesem Zweck mit Agrarflächen auch bei uns.
    Wahrscheinlich importieren wir als überbevölkertes Land schon mehr Lebensmittel im wahrsten Sinn des Wortes für uns und unser Vieh als wir exportieren.
    Der Treibstoff E10 ist eine Sackgasse.
    Das Problem wird durch Ausbeutung anderer verdrängt.

  2. ...ist Kapitalismus!

  3. die "Ökos"!

    Das gesamte Erzgebirge war bereits einmal komplett abgeholzt und das ist nicht bildlich gesprochen. Wie der Name schon vermuten lässt, gab es und gibt es heute noch jede Menge Erz.
    Um dies abzubauen und zu verhütten wurde der Wald verheizt bis jemand das heizen mit Kohle "erfand".

    Jetzt soll angeblich Kohle ja vieeeel zu teuer sein. Da verbrennen wir doch lieber wieder Holzpellets, weil wir so öko sind.
    Dafür werden wieder ganze Wälder abgeholzt werden, auch für die Palmölproduktion. Aber, voll egal. Ist ja nicht bei uns! Wir "retten" das Klima.
    Öl für Kosmetika und Treibstoffe kann man auch aus Kohle (Petrochemie!) machen. Wir haben allein in Deutschland noch für Hunderte von Jahren knallharte Reserven! Aber das ist vieeel zu teuer! Lasst uns lieber ökologisch voll koreckt die Dritte Welt ausplündern!

    Kein Brot in den Tank!!!!!!!!!!!!!!
    Anm: Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/lv

    • lolmat
    • 17. Februar 2011 15:44 Uhr

    ...ist ein Wort, das die Experten uns nun oft genug erklärt haben. Dass dieses Verständnis nun auch praktisch umgesetzt wird, widerlegt sich täglich aufs Neue, wenn man die Nachrichten liest. Es ist zum heulen, besonders dann, da stimme ich Nr.6 zu, wenn sich der Bürger wie im Fall der Pallets auch noch Umweltbewußt fühlt.

  4. Der Urwald bietet extrem wenigen Menschen eine Lebensgrundlage, nämlich wahrhaften Steinzeitmenschen. Vom Palmöl, bzw. von jeglicher Landwirtschaft können um Größenordnungen mehr Menschen leben. Wie man so etwas Irrsinniges wie weniger Landwirtschaft fordern kann, ist nicht zu verstehen. "Experten fordern mehr Nachhaltigkeit"! Was soll das bitte sein, "mehr Nachhaltigkeit"?? Verschwendung von Land, oder was? Dann fordere ICH erstmal WENIGER "Nachhaltigkeit", sondern schnellere Erschließung von nutzlosem Urwald zu wertvollem Ackerland, von dem viele Menschen leben können. Aber das "Fordern von Nachhaltigkeit" hat ja sowie so keinen begreifbaren Sinn, sondern ist nur ein dumpfer Appell an irgendwelche Anti-Wirtschafts-Vorurteile gegen ökonomische Tätigkeit des Menschen, der offenbar nicht begründet werden braucht.

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    Ich bin keineswegs gewillt mir seitenweise Kommentare von Ihnen durchzulesen und gehe daher nur auf diesen ein:

    "schnellere Erschließung von nutzlosem Urwald zu wertvollem Ackerland"

    Wie Ihnen offenbar entgangen ist, sind die Böden tropischer Regenwälder - um die geht es ja bei der Palmöldebatte - i.d.R. keineswegs fruchtbar und nur mit einer äußerst dünnen Humusschicht bedeckt, desweiteren enthalten sie meist "ungünstige" Tonminerale. Die Biomasse befindet sich ÜBER dem Boden und Verwesungsprodukte werden unmittelbar von den Pflanzen resorbiert - wichtig dabei: Mykorrhizapilze.

    Zwar wird der Boden durch Brandrodung kurzfristig fruchtbar, jedoch sind die dabei freigewordenen Nährstoffe binnen weniger Jahre aufgebraucht bzw. weggespült.
    Werden nun zu große Areale "in Ackerland umgewandelt", so werden die Mykorrhizen irreversibel zerstört und sofern nicht noch eine Zeit lang geld-/düngemittel-/pestizid-intensive Plantagen betrieben werden, entsteht eine "Wüste", die nicht einmal mehr temporär sinnvoll nutzbar ist.

    Nachhaltigkeit bedeutet also, angepasste Anbaumethoden zu propagieren, die eine langfristige Nutzung ermöglichen (ganz im Sinne der Ökonomie!), z.B. Agroforstwirtschaft, Brandrodungswanderfeldbau mit ausreichender Regenerationszeit...

    Das Problem daran ist bloß, dass derartige Nutzungssysteme primär auf eine funktionierende Subsistenzwirtschaft ausgerichtet und dadurch für ausländische Ökonomien/Unternehmen uninteressant sind.

    (beliebig fortsetzbar...)

    Ich beziehe mich allerdings hier nicht auf den sehr gut recherchierten Artikel, sondern Ihren Kommentar, auf den ich wegen der Beachtung der Netiquette nicht so eingehen kann, wie ich eigentlich möchte.

    Nur so viel: "Der Urwald bietet extrem wenigen Menschen eine Lebensgrundlage, nämlich wahrhaften Steinzeitmenschen" - dieser Satz zeigt, dass Sie wohl nicht ganz auf der Höhe der Diskussion sind. Oder wissen Sie wirklich nicht, dass die grossen Urwälder das wichtigste Sauerstoffreservoir ist und ausserdem den meisten Kohlenstoff bindet (der anderweitig unser Klima katastrophal belasten würde). Von der Bedeutung als Gendatenbank für zukünftig zu entwickelnde Medikamente oder Wirkstoffe ganz zu schweigen.

    Sie scheinen ja demnach der Meinung zu sein, dass Sauerstoff und ein Klima, dass Menschen auch weiterhin auf diesem Planeten leben lässt, etwas für Steinzeitmenschen ist.

    Was es nicht alles so gibt!

    der allerdings sehr pessimistisch stimmt.

    Allerdings hätte ich mir gewünscht, der Artikel wäre auch auf ein paar andere Mitursachen der Abholzung in Kalimantan eingegangen.

    Die Brandrodung wurde nur kurz erwähnt, ist aber wegen der extrem nährstoffarmen Böden (keine Vulkane auf Kalimantan, im Gegensatz zu den meisten anderen Inseln Indonesiens), die dort äusserst ungeeignet für Landwirtschaft sind, erforderlich und führt daher zur Abholzung immer neuer Flächen im 2-3-Jahre-Rhythmus.

    Die Transmigrationspolitik, die insbesondere unter Suharto in grossem Umfang Neusiedler nach Kalimantan gebracht hat, ist für die Umwelt dort verheerend.

    Verheerende Auswirkungen hat auch der Tagebau von Kohle und anderen Bodenschätzen, für die oft riesige Flächen 'freigelegt' werden. Die Kohle wird dann überwiegend nach China und Indien exportiert, wo sie zur weiteren Verschlechterung der Klimabilanz beitragen.

    Eine Lösung kann nur so aussehen, dass die indonesische Regierung endlich ernst macht mit ihren Versprechungen und scharf gegen illegalen Holzeinschlag vorgeht. In Anbetracht der immer noch grassierenden Korruption und der starken wirtschaftlichen Interessen der Beteiligten gibt es dafür aber wenig Hoffnung.

    • skeptik
    • 20. Februar 2011 22:20 Uhr

    ein Stichwort, dass man kennen sollte.
    Der Regenwald reguliert das Klima.
    Reguliert den Wasserhaushalt in der Region.
    Stellt Rohstoffe wie Holz, Medizin, Nahrung und Wasser parat.
    Wälder sind allg. ein Luftfilter und filtern Schadstoffe aus der Luft.
    Die Tiere und Pflanzen sind potentielle Quellen für neue Technologien und Medikamente.
    Usw.

    Der Wert der Leistungen, die ein Hektar Regenwald dem Menschen bereitstellt wird im Mittel auf 6000 $ und maximal auf 16000 $ pro Jahr geschätzt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Europäische Union | Indonesien | Greenpeace | Abholzung | Biodiesel | Palmöl
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