Der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel © Anne Fritsch/ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE: Herr Niebel, Sie touren derzeit durch die Handelskammern des Landes, um Mittelständler für Investitionen in Entwicklungsländer zu gewinnen. Den Unternehmern versprechen Sie gute Geschäftschancen. Machen Sie Politik für die Wirtschaft oder für die Armen?

Dirk Niebel: Wir kooperieren ja nicht nur mit den Handelskammern. Vorgestern Abend in Heidelberg auf einer Veranstaltung mit den zivilgesellschaftlichen und wissenschaftlichen Akteuren der Entwicklungspolitik ist die Wirtschaft nur in zwei Nebensätzen zu Wort gekommen. Dort ging es um zivilgesellschaftliches Engagement und entwicklungspolitische Forschung. Entwicklungspolitik hat viele Akteure und Zielgruppen. 

ZEIT ONLINE: Dennoch betonen Sie immer wieder, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der privaten Wirtschaft für ihr Ressort ist.

Niebel: Im Endeffekt ist eines ganz klar: Unsere Partnerstaaten können Armut nur durch wirtschaftliches Wachstum nachhaltig bekämpfen.

ZEIT ONLINE: Auch das Thema Rohstoffsicherheit liegt Ihnen am Herzen. Warum soll es Aufgabe der Entwicklungspolitik sein, sich darum zu kümmern?

Niebel: Das ist eine klassische Win-win-Situation. Es ist überhaupt kein Geheimnis, dass wir als Industrienation auf Rohstoffe angewiesen sind, aber wir sind ein rohstoffarmes Land. Die meisten Rohstoffvorkommen befinden sich in Entwicklungsländern. Jetzt gibt es zwei Arten, damit umzugehen ...

ZEIT ONLINE: Die wären?

Niebel:  Die eine wäre, die Rohstoffe abzubauen und dabei auch das Land, in dem sie vorkommen, faktisch auszubeuten. Das ist nicht unsere Art, und wir sind als Bundesrepublik auch relativ unverdächtig, weil wir gar keine große extraktive Industrie haben, die dazu in der Lage wäre. Die andere ist, die Entwicklungsländer aktiv zu unterstützen. Darin sind wir sehr kompetent. Das Rohstoffkonzept der Bundesregierung, an dem mein Ministerium intensiv beteiligt war, sieht vor, dass wir Rohstoffpartnerschaften mit Entwicklungsländern eingehen.

ZEIT ONLINE: Was heißt das konkret? 

Niebel: Ich will es an einem Beispiel erläutern. Ich war im vergangenen Jahr in der Mongolei, einem großen Land mit Russland und China als Nachbarn. Beide bauen dort Rohstoffe ab und exportieren sie. Die Mongolei hat davon relativ wenig. Wir wollen dabei helfen, Transparenz in der Vergabe von Schürfrechten herzustellen. Im Moment weiß niemand, wer wofür die Schürfrechte besitzt und welche Stoffe genau abgebaut werden. Aber nur, wenn das offiziell bekannt ist, kann die Nutzung eines Schürfrechts zu Einnahmen für den Staat führen. Und dieses Geld braucht die Mongolei, die bitterarm ist, um zum Beispiel in ländliche Strukturen zu investieren. Die Armut würde bekämpft und das Land unabhängiger von schwankenden Rohstoffpreisen.

ZEIT ONLINE: Was tut ihr Ministerium noch?