Eine deutliche Mehrheit der Bürger in Deutschland hält die unterschiedliche Bezahlung von Zeitarbeitern und Festangestellten für falsch. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage unter 1045 Befragten hervor, die das Marktforschungsinstitut YouGov für ZEIT ONLINE erhoben hat.

Demnach sind 49 Prozent der Befragten der Meinung, dass Leiharbeiter und Stammbelegschaft vom ersten Tag an den gleichen Lohn erhalten sollten. Weitere 42 Prozent sagten, dass dies nach einer Einarbeitungsphase von mehreren Monaten geschehen sollte. Lediglich sieben Prozent der Befragten halten eine unterschiedliche Bezahlung beider Gruppen für richtig.

 

Rund 85 Prozent der Befragten sind zudem der Ansicht, dass Leiharbeiter einen "deutlich schlechteren Status" in deutschen Unternehmen haben. Lediglich elf Prozent glauben, dass diese Gruppe genauso gut dasteht wie fest angestellte Beschäftigte. Für die Umfrage hatte das Institut Mitte Februar 1045 Bürger online befragt.

Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaft gab es im Dezember 2010 rund 877.000 Zeitarbeitnehmer in Deutschland. Im vergangenen Jahr entfielen rund 1,6 Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden auf sie. 

Über die Zeitarbeit wurde zuletzt auch im Rahmen der Hartz-IV-Verhandlungen gestritten. SPD und Grüne wollen Lohnuntergrenzen und eine Angleichung der Bezahlung an die der fest angestellten Beschäftigten durchsetzen. Der Opposition wäre es am liebsten, wenn Zeitarbeiter vom ersten Tag ihrer Beschäftigung an den gleichen Lohn erhalten wie die Stammbelegschaft. In der Regierungskoalition ist vor allem die FDP dagegen, sie will Zeitarbeitern erst nach neun Monaten gleich viel bezahlen. Ein Kompromiss könnte bei drei bis vier Monaten liegen. Zuletzt hieß es aber, die Frage könnte zur endgültigen Entscheidung an die Tarifparteien zurückgegeben werden.

Diese Umfrage wurde in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Sie basiert auf Online-Interviews mit Teilnehmern des YouGov-Panels, das weltweit bereits 2,5 Millionen Mitglieder zählt.