Weizenfeld in Afghanistan, Bamiyan © Paula Bronstein /Getty Images

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre erlebt die Welt einen dramatischen Anstieg der Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel. Der Nahrungsmittelpreisindex der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO hat mittlerweile den höchsten Stand seit seiner Einsetzung im Jahr 1990 erreicht. Besonders Mais und Weizen sind teuer, aber auch Fleisch, Milchprodukte, Pflanzenöle und Zucker. Der für die weltweite Ernährungssicherung besonders wichtige Reispreis hat hingegen bisher noch nicht nennenswert angezogen.

Die Gründe für die hohen Preise sind mittlerweile hinlänglich bekannt, wenn auch um die relative Bedeutung einzelner Faktoren nach wie vor heftig gestritten wird: Die Nachfrage steigt durch eine wachsende Bevölkerung, Verstädterung, höhere Nachfrage nach tierischen Veredelungsprodukten und die Förderung von Biokraftstoffen. Das Angebot kann der Nachfrage zwar (noch) folgen, aber die Produktionsmengen schwanken stark. Reduzierte Lagerhaltung und vermehrte Spekulation an Spot- und Warenterminbörsen führen zu höheren Risiken und verstärken Preisschwankungen. Staatliche Eingriffe in Export- und Importmärkte haben insbesondere während der ersten Nahrungsmittelpreiskrise 2007/2008 zur weiteren Preiseskalation beigetragen.

Als Folgen der hohen Preise stehen derzeit der Anstieg der Zahl hungernder Menschen sowie politische Unruhen im Zentrum der Debatte. Die erste Krise soll zu einem Anstieg der unterernährten Menschen um 125 Millionen Menschen auf mehr als eine Milliarde geführt haben. In fast 60 Ländern brachen Unruhen aus. In der Folge haben viele Länder und Investoren begonnen, in großem Stil Land in Entwicklungsländern zu akquirieren (sogenanntes land grabbing), was seinerseits zu lokalen Konflikten führt. Die hohen Nahrungsmittelpreise der aktuellen Krise haben nach Ansicht von Beobachtern in vielen Ländern des Nahen Ostens, die besonders stark von Nahrungsmittelimporten abhängen, zum breiten Unmut in der Bevölkerung beigetragen und damit einen Beitrag zu den politischen Umwälzungen in dieser Weltregion geleistet.

Ein Aspekt hoher Nahrungsmittelpreise, der bisher nicht ausreichend gewürdigt wird, ist ihr positiver Beitrag zur Entwicklung der Landwirtschaft in Entwicklungsländern und damit zur Bekämpfung von ländlicher Armut. Dazu muss man zunächst wissen, dass die Zahlen über einen Anstieg der Zahl der Hungernden zunächst statistische Projektionen sind. Sie kommen dadurch zu Stande, dass unterstellt wird, die Weltmarktpreisänderungen würden in vollem Umfang auf die lokalen Märkte durchschlagen und Haushalte bei Verkauf (Wirkung auf Einkommen) und Zukauf (Wirkung auf Ausgaben) der entsprechenden Produkte so betreffen, als wenn sich sonst nichts ändern würde (die Ökonomie nennt das ceteris paribus-Ansatz).

Diese Sichtweise ist zwar für eine kurzfristige Analyse plötzlicher Preissteigerungen akzeptabel: Städtische Haushalte betreiben kaum Lagerhaltung und sind unmittelbar betroffen. Bäuerliche Haushalte lagern einen Teil ihrer landwirtschaftlichen Produktion. Doch Bauern können nicht voraussehen, dass die Preise derart steigen, und werden so nicht mehr produzieren und nur wenige werden Verkäufe zurückhalten. Sie profitieren daher kaum, und viele kaufen sogar einen Teil ihrer Nahrungsmittel zu.

Für eine entwicklungspolitische Betrachtung ist die beschriebene kurzfristige Sichtweise aber ungenügend, vielmehr regen höhere Agrarpreise längerfristig oft einen positiven Entwicklungskreislauf an: Landwirte investieren in die Ausweitung der Produktion. Sie brauchen dafür Produktionsmittel wie Dünger, in den meisten Entwicklungsländern aber insbesondere Arbeitskräfte von landlosen oder landarmen Haushalten. Diese sind neben knappem Land das wichtigste Produktionsmittel in einer allenfalls teilmechanisierten Landwirtschaft. Diese theoretischen Zusammenhänge sind auch in der Praxis zu belegen.