Ein Double von Kanzlerin Angela Merkel mit Bodyguards posiert vor dem AKW Neckarwestheim. Die falsche Kanzlerin war Teil der Anti-Atomkraft-Demonstration vom 12. März. © Thomas Niedermüller/Getty Images

Seit vergangenem Dezember liegt das Papier in der Schublade, doch die baden-württembergische Regierung hätte es am liebsten ignoriert. Der Inhalt ist brisant für Stefan Mappus und seine CDU: Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg kommt in der Konzeptstudie für die Landesregierung zu dem Ergebnis, dass Baden-Württemberg deutlich früher aus der Atomkraft aussteigen könnte als geplant.

"Die Studie zeigt ganz klar, dass  es überhaupt kein Problem ist, bis 2020 oder 2022 auf erneuerbare Energien umzusteigen", sagt Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer ISE. Für eine offizielle Übergabe sei man aber stets auf nach der Wahl vertröstet worden. "Da haben wir uns entschieden, die Studie auf eigene Faust zu veröffentlichen."

Die ältesten Reaktoren könne man in Deutschland sofort ausschalten, glaubt der Wissenschaftler. Der von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossenen Laufzeitverlängerung zufolge aber sollten die letzten Atommeiler nicht vor 2035 vom Netz gehen. Wie die baden-württembergische Landesregierung hatte auch der Bund stets vor einer Versorgungslücke gewarnt. Dass diese nicht zu erwarten ist, zeigt eine weitere Studie, die das Darmstädter Öko-Institut jetzt in Berlin vorstellte. Deutschlands sieben älteste Atommeiler ließen sich kurzfristig und ohne nennenswerte Auswirkungen auf Stromversorgung und Strompreise abschalten, heißt es darin. Die restlichen Meiler könnten bis 2020 vom Netz gehen.

Für Baden-Württemberg sei der starke Ausbau erneuerbarer Energien nicht bloß technisch möglich, sondern auch wirtschaftlich rentabel, sagen die Solarforscher aus Freiburg. Bis 2050 könnte der komplette Energiebedarf des Landes aus erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung gedeckt werden. Um ganz von Kernenergie und auch der Steinkohle wegzukommen seien allerdings weitere Forschungen nötig, schränken sie ein.

Das Energiekonzept der baden-württembergischen Landesregierung nennen sie veraltet. Die Regierung strebt an, 20 Prozent der Energieversorgung im Jahr 2020 aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Dabei sei man durch technische Innovationen und der bisherigen schnellen Verbreitung der erneuerbaren Energien schon viel weiter. "Die Rechnung bedarf dringend einer Korrektur", sagt ISE-Chef Weber. Mit seinem Ziel liege der Südwesten deutlich hinter der von der Bundesregierung angestrebten Erhöhung der Quote auf 35 Prozent.

Auch die Abschaltung der sieben vom aktuellen Moratorium betroffenen Atomkraftwerke hält Weber für völlig unproblematisch. "Dann exportiert Deutschland in diesem Jahr eben weniger Strom", sagt er.

Das Öko-Institut in Darmstadt geht ebenfalls davon aus, dass es bei einer sofortigen Abschaltung der sieben ältesten deutschen Atommeiler zu keinen Engpässen kommt. "Wir sind sehr gut auf den Wegfall einiger Kernkraftwerke vorbereitet, die nach den alten Ausstiegsplänen ohnehin bald vom Netz gegangen wären", so die Wissenschaftler.