Finanzmarkt Basel III bändigt Banken nicht
Die neuen Regeln für die Banken sind zu lasch. Aufseher fordern viel härtere Auflagen. Studien zeigen: Die Gegenargumente der Lobbyisten gehen ins Leere.
© John Thys/AFP/Getty Images

EZB-Chef Jean-Claude Trichet
Die neuen Regeln sind der große Wurf - da ist sich EZB-Chef Jean-Claude Trichet sicher. Die soeben beschlossenen Eigenkapitalvorschriften würden "die Sicherheit der Banken steigern", sagte er. "Sie stärken die Stabilität des Finanzsystems und verbessern seine Fähigkeit, Quelle andauernden Wirtschaftswachstums zu sein."
Sieben Jahre ist es her, dass Trichet so schwärmte - im Sommer 2004. Da hatte sich die Welt in Basel gerade auf neue Regeln für Banken geeinigt. "Basel II" war geboren.
Heute sind viele Forscher überzeugt: Basel II hat die Finanzkrise erst möglich gemacht, weil die Banken viel zu viele waghalsige Geschäfte machen konnten. "Die Institute waren hoffnungslos unterkapitalisiert", sagt Philip Davis, Experte der Londoner Denkfabrik NIESR.
Basel III soll es nun richten. Im September 2010 haben sich die Industrienationen auf ein neues, strengeres Regime geeinigt. Wenn Banken einen Kredit vergeben, müssen sie 2019 dafür mindestens sieben Prozent an "hartem Eigenkapital" zur Seite legen. Bislang sind es nur zwei Prozent. "Sehr wichtig" findet Jean-Claude Trichet diese Beschlüsse von Basel III. Zudem werden auch die Definitionen, was überhaupt Eigenkapital ist, deutlich verschärft. "Um die vollständigen Auswirkungen der Reformen zu verstehen, ist es wichtig, das man das gesamte Reformpaket betrachtet", betont der Chefökonom der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Stephen Cecchetti.
Einiges deutet darauf hin, dass Trichet damit erneut falsch liegt. Denn immer mehr Studien kommen zu dem Schluss: Basel III ist viel zu lasch. Die Gefahr von neuen Bankenkrisen wird dadurch kaum kleiner. Zudem zeigt sich deutlich: Die Argumente, mit denen die Bankenlobby gegen strengere Auflagen kämpft, halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand.
"Um das Finanzsystem wirklich sicher zu machen, müssten die Eigenkapitalauflagen für Banken deutlich schärfer sein als bei Basel III", sagt Adair Turner, Chef der britischen Finanzmarktaufsicht FSA. Ähnlich argumentiereÄhnlich argumentieren die Bank of England (BoE) und das NIESR in wissnschaftlichen Studien. Die Aufseher müssten zudem nicht nur mehr, sondern auch besseres Eigenkapital verlangen, so das NIESR. Das weiche Ergänzungskapital ("Tier 2") - etwa unrealisierte Gewinne aus Wertpapieren - sollte nicht mehr als Eigenkapital gelten.
"Eine Eigenkapitalquote, die mindestens doppelt so groß ist wie bei Basel III vorgeschrieben, würde den Bankensektor einer idealen Situation näher bringen", schreibt ein Forscherteam um den BoE-Ökonomen David Miles. Erst bei Eigenkapitalquoten von 16 und 20 Prozent sinke die Wahrscheinlichkeit neuer Finanzkrisen deutlich, zeigen Simulationsrechnungen.
- Datum 29.03.2011 - 19:40 Uhr
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- Quelle Handelsblatt
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Irgendwie kommt man wieder aufs alte HGB zurück. Solidität zahlt sich eben aus. Besser jetzt erst mal Basel III und dann eine Review und ein noch härteres Basel IV hinterherschieben. Das wäre doch mal was.
Basel IV für die ganz oben...
mal sehen, was uns mehr bringt
Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/se
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Vernunft ist eine Folge hinreichender Katastrophen.
Offenbar war aber die bisher letzte noch nicht groß genug...
Schließlich haben die Banken doch längst die von uns gewählten Politiker gebändigt, die Basel III dementsprechend weichgespült abgenickt haben!
Natürlich nicht. Solange die etablierte Poltikmafia, von SPD/CDU/Grüne und FDP incl. Linke, sich dauernd kaufen läßt, wird das nichts mit dem Wechsel.
Seien wir doch ehrlich, einen Wechsel hat ja nur der letzte Naivling erwartet.
Basel IV für die ganz oben...
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Was derzeit aber kaum beachtet wird, sind die verschärften Liquiditätsanforderungen, die mit Basel III verbunden sind. Die sind durchaus nicht nebenbei erfüllbar [1], denn bei der letzten Studie fielen die meisten Banken durch.
Die Eigenkapitalanforderungen sind jedoch tatsächlich ein Witz. Besser wäre es meines Erachtens, einfach einmal nicht jedes sophistizierte Risikomodell durchzuwinken und öfters hierfür mal den dicken Daumen (der pauschal zu höheren Riskowerten führen sollte) zu verwenden.
[1] http://www.bis.org/publ/b...
Das Problem ist nicht eine zu geringe Eigenkapitalquote, sondern das Geschäft mit sogenannten Finanzinnovationen, also mit Schwindelpapieren, die aber wegen ihres Ratings angekauft werden dürfen oder sogar angekauft werden müssen.
In einer Finanzkrise wird dann der Schwindel offensichtlich und das Geld ist irgendwo in den USA oder auf den Cayman Inseln verschwunden. Die Wiederholung der Finanzkrise verhindert man nur durch das Verbot des Handels solcher Papiere durch Banken mit Kundeneinlagen.
Das Rating von Papieren darf nicht mehr als Kaufentscheidung einer reguzlären Bank gewertet werden, solange die Ratingagentur nicht bereit und in der Lage ist, für die von ihr bestens gerateten Papiere nachweislich auch zu haften. Die Finanzkrise hat bewiesen, dass die Ratingagenturen das eigentliche Problem sind.
Die malen da auf US-Schwindelpapiere ihr AAA drauf und dann wird der hochgeratete Junk von deutschen Banken angekauft und wandert zuletzt in die Bad-Bank, für die der Steuerzahler heute schon mit 200 Milliarden Euro aufkommen muss.
Sonst geht der Finanzbetrug endlos weiter.
... und Hedgefonds doch aus der Portokasse bezahlen. Und schon ist Schluss mit Regulierung.
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