Die Banken sagen: Mehr Eigenkapital, weniger Kredite
Banken wehren sich mit Händen und Füßen gegen solche Ideen. Ihr zentrales Argument: Wenn Geldinstitute mehr Eigenkapital zur Seite legen müssen, können sie weniger Kredite vergeben und müssen höhere Zinsen verlangen. Dies werde das Wachstum drastisch bremsen.
Einer wissenschaftlichen Überprüfung jedoch hält dieses Argument nicht stand - zu diesem Schluss kommen gleich mehrere Studien. So haben die Forscher der britischen Notenbank festgestellt: Zwischen 1880 und 1960 war der Verschuldungsgrad der Banken in Großbritannien und den USA nur halb so hoch wie heute - und die Eigenkapitalquoten der Institute damit deutlich größer. "In dieser Zeit war die wirtschaftliche Performance nicht erkennbar schlechter", heißt es in der Studie. In den vergangenen 100 Jahren sei der Verschuldungsgrad der Banken zudem kontinuierlich gestiegen. Das Wachstum in den Ländern sei dadurch nicht nachweislich beflügelt worden. Auch die Zinsaufschläge, die Unternehmer und Haushalte für Kredite bezahlen mussten, waren früher nicht höher als heute.
Die Bank of England stützt das Fazit von Wissenschaftlern der Stanford University und des Bonner Max-Planck-Instituts. Die hatten bereits im September 2010 betont: "Bankenaufseher müssen sich keine übermäßigen Sorgen machen, dass eine substanzielle Erhöhung der Eigenkapital-Anforderungen deutliche negative Folgen für Wirtschaft und Wachstum hat."
Bei der Diskussion um die Eigenkapitalregeln ist es wichtig, die privaten Kosten für Banken und die volkswirtschaftlichen Kosten auseinanderzuhalten. Aus Sicht eines einzelnen Geldinstituts ist Eigenkapital tatsächlich teurer als Fremdkapital - vor allem, weil Letzteres steuerliche Vorteile bietet: Zinsen, die Banken für Fremdkapital bezahlen müssen, können sie beim Finanzamt von ihrem Gewinn abziehen und so Steuern sparen. Das ist bei Eigenkapital nicht möglich.
Was Bankaktionäre ärgert, ist aus makroökonomischer Perspektive aber kein Problem. Denn die zusätzlichen Steuern der Banken sind für die Volkswirtschaft nicht verloren, sondern können sinnvoll eingesetzt werden, betonen die BoE-Ökonomen. Auf dem Papier sinkt zudem mit steigendem Eigenkapital zwar die Eigenkapitalrendite eines Instituts. Doch ist diese Größe kein aussagekräftiger Indikator für die Performance einer Bank, argumentieren die Forscher aus Stanford und Bonn. Schließlich werden die Risiken, die ein Geldhaus bei seinen Geschäften eingeht, bei der Eigenkapitalrendite ausgeklammert.
Der volkswirtschaftliche Schaden, den strengere Eigenkapitalvorschriften anrichten, ist daher überschaubar. Jeder Prozentpunkt, um den die Eigenkapitalpuffer der Banken steigen, kostet 0,09 Prozentpunkte Wachstum, schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Würde die Basel-III-Quote um acht Prozentpunkte erhöht und damit in etwa verdoppelt, würde dies das Wachstum also um 0,7 Prozentpunkte bremsen. Berücksichtigt man, dass die Geschäfte der Banken mit sinkendem Verschuldungsgrad risikoärmer werden und dass Geldinstitute bei höherer Eigenkapital-Finanzierung mehr Steuern zahlen, sind die Wachstumsverluste noch geringer, zeigt die Studie der BoE.
Angesichts des immensen volkswirtschaftlichen Schadens, den Bankenkrisen anrichten, gilt daher: Wenn strengere Regeln für Banken auch nur eine einzige schwere Finanzkrise verhindern, haben sie sich schon bezahlt gemacht.
- Datum 29.03.2011 - 19:40 Uhr
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- Quelle Handelsblatt
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Irgendwie kommt man wieder aufs alte HGB zurück. Solidität zahlt sich eben aus. Besser jetzt erst mal Basel III und dann eine Review und ein noch härteres Basel IV hinterherschieben. Das wäre doch mal was.
Basel IV für die ganz oben...
mal sehen, was uns mehr bringt
Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/se
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Vernunft ist eine Folge hinreichender Katastrophen.
Offenbar war aber die bisher letzte noch nicht groß genug...
Schließlich haben die Banken doch längst die von uns gewählten Politiker gebändigt, die Basel III dementsprechend weichgespült abgenickt haben!
Natürlich nicht. Solange die etablierte Poltikmafia, von SPD/CDU/Grüne und FDP incl. Linke, sich dauernd kaufen läßt, wird das nichts mit dem Wechsel.
Seien wir doch ehrlich, einen Wechsel hat ja nur der letzte Naivling erwartet.
Basel IV für die ganz oben...
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Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/se
Was derzeit aber kaum beachtet wird, sind die verschärften Liquiditätsanforderungen, die mit Basel III verbunden sind. Die sind durchaus nicht nebenbei erfüllbar [1], denn bei der letzten Studie fielen die meisten Banken durch.
Die Eigenkapitalanforderungen sind jedoch tatsächlich ein Witz. Besser wäre es meines Erachtens, einfach einmal nicht jedes sophistizierte Risikomodell durchzuwinken und öfters hierfür mal den dicken Daumen (der pauschal zu höheren Riskowerten führen sollte) zu verwenden.
[1] http://www.bis.org/publ/b...
Das Problem ist nicht eine zu geringe Eigenkapitalquote, sondern das Geschäft mit sogenannten Finanzinnovationen, also mit Schwindelpapieren, die aber wegen ihres Ratings angekauft werden dürfen oder sogar angekauft werden müssen.
In einer Finanzkrise wird dann der Schwindel offensichtlich und das Geld ist irgendwo in den USA oder auf den Cayman Inseln verschwunden. Die Wiederholung der Finanzkrise verhindert man nur durch das Verbot des Handels solcher Papiere durch Banken mit Kundeneinlagen.
Das Rating von Papieren darf nicht mehr als Kaufentscheidung einer reguzlären Bank gewertet werden, solange die Ratingagentur nicht bereit und in der Lage ist, für die von ihr bestens gerateten Papiere nachweislich auch zu haften. Die Finanzkrise hat bewiesen, dass die Ratingagenturen das eigentliche Problem sind.
Die malen da auf US-Schwindelpapiere ihr AAA drauf und dann wird der hochgeratete Junk von deutschen Banken angekauft und wandert zuletzt in die Bad-Bank, für die der Steuerzahler heute schon mit 200 Milliarden Euro aufkommen muss.
Sonst geht der Finanzbetrug endlos weiter.
... und Hedgefonds doch aus der Portokasse bezahlen. Und schon ist Schluss mit Regulierung.
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