Energiepolitik Warum die Energiewende an Brüssel scheitert

EU-Politiker, allen voran Energiekommissar Oettinger, fordern eine Wende in der Energiepolitik. Mit den heutigen Verfahren in Brüssel ist das aber kaum zu schaffen.

Energiekommissar Günther Oettinger

Energiekommissar Günther Oettinger

Am Anfang stand der Schock. Selbst der nüchterne Energiekommissar sah das Schicksal Fukushimas im Grunde "in Gottes Hand". Für Günther Oettinger ist die Beachtung, die die Energiepolitik in Europa nun findet, allerdings ein Geschenk des Himmels. Urplötzlich begreifen die Menschen in Europa, dass eine sichere Energieversorgung nicht selbstverständlich ist. Schon im Herbst will Oettinger den Weg in die Zukunft skizzieren. Wie künftige Versorgungslücken geschlossen werden können, erarbeiten Oettingers Mitarbeiter bereits.

Auch Parlamentarier nutzen die Gelegenheit für weitreichende Forderungen. Matthias Groote (SPD) wird noch diese Woche einen Änderungsantrag an Bas Eickhout schicken. Der niederländische Grünenabgeordnete arbeitet gerade an einem Initiativbericht und geht der Frage nach, wie die EU ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um mehr als 20 Prozent senken kann. Groote glaubt schon die Antwort zu kennen. Er fordert, den Anteil regenerativer Energiequellen im Stromsektor bis 2020 auf 40 Prozent zu erhöhen. Jo Leinen (SPD), Vorsitzender im Umweltausschuss, setzt sich gar für den kompletten Atomausstieg ein. "Die Energieversorgung in der EU muss bis 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden."

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Oettinger wird etwas zurückhaltender sein, doch auch seine Energiestrategie wird bis 2050 Hunderte Milliarden Euro kosten. Für Rohre, Netze, Kraftwerke und Leitungen. Zugleich fordert der Kommissar von den Mitgliedsstaaten rigorose Einsparanstrengungen. Noch im Februar hatten sich die Europäer auf eine Effizienzsteigerung ihrer Volkswirtschaften um 20 Prozent gegenüber 2005 verpflichtet. Bis 2020 bleibt ihnen dafür Zeit. Bisher ist zu wenig passiert. Deshalb fordert der Energiekommissar nun, dass alle Mitgliedstaaten ein nationales System verpflichtender Energieeinsparungen einführen. Großen Unternehmen sollen regelmäßige Umfragen über den Energieverbrauch vorgeschrieben werden. Eine Kennzeichnung auf Fenstern soll weitere Aufschlüsse über den Energieverbrauch ermöglichen. Monatlich sollen die Kunden von Strom- und Gaskonzernen über ihre Kosten informiert werden.

Eines aber geht aus keinem dieser Vorschläge hervor: Die größte Anstrengung müssen die Politiker erbringen. Denn gerade im Kleinen zeigt sich, wie schwer es ist, von Brüssel aus Europas Energieverbrauch zu minimieren. Zu viele Interessengruppen mischen mit, zu komplex ist die Materie. Zunächst durchläuft jeder Verordnungsvorschlag der Kommission den quälend langen Gesetzgebungsprozess. 736 Abgeordnete des Europaparlaments reden ebenso mit wie 27 Mitgliedsstaaten, die sich im Ratsgebäude gegenüber der Kommission versammeln. Haben sich diese drei Parteien geeinigt, dann debattieren am Ende die nationalen Parlamente – in Deutschland der Bundestag.

Dieses Prozedere startete beispielsweise am 16. Juli 2008. Damals legte Industriekommissar Günter Verheugen eine Richtlinie "zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung von energieverbrauchsrelevanten Produkten" vor. Verheugen wollte nicht nur den Energieverbrauch von Kühlschränken und Waschmaschinen kennzeichnen, sondern auch andere Verbrauchsgeräte einbeziehen, etwa Duschköpfe und gewerbliche Spülmaschinen. So sollen die Hersteller verbindlich zu Einsparungen verpflichtet werden, die bis 2020 EU-weit 320 Terrawattstunden einsparen könnten. Das entspricht umgerechnet dem jährlichen Stromverbrauch Italiens. "Die EU muss ein Beispiel geben und beweisen, dass die Industrie fähig ist, einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", sagte Verheugen damals. Selbst die Annahme dieser völlig unstrittigen Regelung dauerte fast eineinhalb Jahre. 

Leser-Kommentare
  1. Was fuer eine hoffnungsloser Ueberschrift - soll uns hier verklickert werden, dass es gar nicht anders geht, wegen 'der Anderen'?

    Was fuer eine Manipulation. Demokratie dauert eben, genauso wie ueberzeugen - aber erinnern wir uns wer die groessten Bremser sind: die Atomkraftsbetreiber und die herkoemmlichen Stromkonzerne - da kommen schon ein paar Milliarden zusammen, die sich wahltaktisch und gesetzesgebend einsetzen lassen. Dazu die 17 pro-Atom Regierungen mit ihren Seilschaften, kein Wunder dass hier "Scheitern" geschrien wird, wenn diese 'Anderen' keine Veraenderung ihrer auesserst gewinnbringenden Zustaende wollen.

    Hoechste Zeit den Souveraen ranzulassen und den Ausverkauf unserer Demokratie und unserer Nachkommen zu stoppen!

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    ...sind natürlich immer die bösen großen Konzerne und niemals die einzelnen Bürger.

    Zum Glück gibt es ja in Deutschland nur Menschen die erneuerbare Energien wollen und daher fordern, dass Windkraftanlagen, Biogasanlagen, Pumspeicherwerke, Hochspannunfsleitungen usw. direkt vor ihrer Haustür errichtet werden.

    Zum Glück sind sich die Bürger ja alle über den Weg einig und auch bereit auf ihr Auto zu verzichten und mit Rad, Bahn und Bus zu fahren.

    .. nur eine Handvoll böse Politiker und die bösen Big4 stehen unserem Glück - dem guten Bürger - entgegen,

    ...sind natürlich immer die bösen großen Konzerne und niemals die einzelnen Bürger.

    Zum Glück gibt es ja in Deutschland nur Menschen die erneuerbare Energien wollen und daher fordern, dass Windkraftanlagen, Biogasanlagen, Pumspeicherwerke, Hochspannunfsleitungen usw. direkt vor ihrer Haustür errichtet werden.

    Zum Glück sind sich die Bürger ja alle über den Weg einig und auch bereit auf ihr Auto zu verzichten und mit Rad, Bahn und Bus zu fahren.

    .. nur eine Handvoll böse Politiker und die bösen Big4 stehen unserem Glück - dem guten Bürger - entgegen,

    • Keiner
    • 23.03.2011 um 7:43 Uhr

    bis der reale Preis für den Verbrauch so hoch ist, dass die Kunden nach Geräten verlangen, die möglichst wenig verbrauchen.

    Aber noch was zu Brüssel:
    Was ist Brüssel doch für ein Bürokratiemonster. Ich fand die Idee mit Europa eigentlich sehr gut und bin auch für den Euro, aber mittlerweile beschleichen mich Zweifel, ob das jemals so richtig klappen wird. Ich denke, wir sind wohl kulturell zu verschieden.

    Eine Leser-Empfehlung
    • contra
    • 23.03.2011 um 8:24 Uhr
    3. macht

    Mit den heutigen Verfahren in Brüssel ist das aber kaum zu schaffen.

    also...ist ihre antwort mal wieder 'gibt uns mehr macht'

    es ist immer das gleiche..und so ist der EU zu das geworden was es jetzt ist...ein anti-demokratisches monstrum

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    contra schrieb: """genau meine meinung...der bahn..strom..gas..und telekommunikationen gehören alle in unsere hände"""
    Haben Sie vergessen welche Rechnungen man damals bezahlen müsste?? Wir brauchen eben mehr Konkurrenz, dh. AKWs, Windräder, KKw usw. dann soll jeder für sich selbst entscheiden, woher er den Strom bezieht.
    BITTE bloß keinen Kommunismus hier in der EU und Deutschland propagieren!! wir haben schon gesehen was es bedeutet, siehe DDR, Rußland, Kuba etc.

    contra schrieb: """genau meine meinung...der bahn..strom..gas..und telekommunikationen gehören alle in unsere hände"""
    Haben Sie vergessen welche Rechnungen man damals bezahlen müsste?? Wir brauchen eben mehr Konkurrenz, dh. AKWs, Windräder, KKw usw. dann soll jeder für sich selbst entscheiden, woher er den Strom bezieht.
    BITTE bloß keinen Kommunismus hier in der EU und Deutschland propagieren!! wir haben schon gesehen was es bedeutet, siehe DDR, Rußland, Kuba etc.

  2. Nur wenn was krasses passiert, sind sich plötzlich mehr Länder einig, dass was verändert werden muß. Man kann deshalb hoffen, dass sich was tut. Wahrscheinlich werden von der EU keine höheren Sicherheitsvorschriften für AKW´s erlassen, aber wenigstens die doch recht sinnvollen Geräteklassifizierungen und Kennzeichnungspflichten könnten schnell durchgesetzt werden.
    Bis zur Endgültigen Abschaltung aller AKW´s braucht es noch ein paar GAU´s.

    • NWJ
    • 23.03.2011 um 8:46 Uhr

    Vorab müssen die Energie-Giganten entmachtet werden. Die Netze gehören unter staatlicher Kontrolle. Dafür werden hochqualifizierte Manager benötigt, d.h. die müssen sinnvoll entlohnt werden. In den Aufsichtsgremien dürfen keine Leute mit Parteibüchern sitzen. Der staatlich Anteil besteht darin, die Rahmenbedingung vorzugeben. Energieversorgung ist Grundversorgung als volkswirtschaftliche Aufgabe, bei der die Profitgier auszuschließen ist.

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    • contra
    • 23.03.2011 um 9:13 Uhr

    genau meine meinung...der bahn..strom..gas..und telekommunikationen gehören alle in unsere hände

    Solange Stromproduzenten ihre fossile Energieproduktion durch erneuerbare Träger ergänzen (ZBsp in der Schweiz), wird Atomstrom von umweltbewussten Konsumenten quersubventioniert. Der Wandel wird dadurch verzögert, weil keine klaren Verhandlungspartner vorhanden sind. Atomstromproduzenten sollen gezwungen werden, nur das zu produzieren und in einen AKW-Risikofond einzuzahlen, der bei Stillegung des AKW für erneuerbare Energien benützt wird ( falls nichts passiert ist). Atomstrom sollte steuerlich stärker belastet werden und damit alternative Energien gefördert werden.

    • contra
    • 23.03.2011 um 9:13 Uhr

    genau meine meinung...der bahn..strom..gas..und telekommunikationen gehören alle in unsere hände

    Solange Stromproduzenten ihre fossile Energieproduktion durch erneuerbare Träger ergänzen (ZBsp in der Schweiz), wird Atomstrom von umweltbewussten Konsumenten quersubventioniert. Der Wandel wird dadurch verzögert, weil keine klaren Verhandlungspartner vorhanden sind. Atomstromproduzenten sollen gezwungen werden, nur das zu produzieren und in einen AKW-Risikofond einzuzahlen, der bei Stillegung des AKW für erneuerbare Energien benützt wird ( falls nichts passiert ist). Atomstrom sollte steuerlich stärker belastet werden und damit alternative Energien gefördert werden.

    • ASasse
    • 23.03.2011 um 9:10 Uhr

    Energiekommissar Oettinger dürfte eines der größten Hindernisse für eine zeitgemäße Energieversorgung in Europa sein. Als Ministerpräsident hat er die Kernenergie in den Himmel gelobt, und jede Windmühle in BW einzeln bekämpft. Schon damals ging es nicht um Fakten (zum Beispiel Windstom im Binnenland billiger als Offshore). Sondern es geht um Geld und Macht für wenige große Atom-Firmen. Die Sicherheit der Bevölkerung spielt da allenfalls aus Wahltaktischen Gründen mal eine Rolle.

    Eine Leser-Empfehlung
    • contra
    • 23.03.2011 um 9:13 Uhr
    7. @NWJ..

    genau meine meinung...der bahn..strom..gas..und telekommunikationen gehören alle in unsere hände

    Antwort auf "Energieversorgung"
  3. Die überall in Kommunen, Ländern und Bund von dem Parteienklüngel durchgeführten, undurchsichtigen und dubiosen Privatisierungsschummeleien öffentlicher Grundversorgungseinrichtungen, haben dazu geführt, dass der Bürger einfach nur belogen und dazu noch abgezockt wird.
    Dazu haben die Parteiheinis absolut nicht die Legitimation
    des Volkes.

    In der privatisierten Atomstrompolitik trägt das Volk auch das ganze Restrisiko und ist quasi in Geisselhaft der Atomlobby genommen. Schauen Sie nach Japan, das Volk trägt jetzt das Gesundheitsrisiko und muss zudem sicher alles noch finanzieren. Dabei verschweigen die Parteipolitiker, dass der Rückbau resp. der Abbruch der alten Atommeiler nicht im "billigen Strompreis" enthalten ist, sondern wahrscheinlich wieder von jemandem übernommen werden muss.

    Wir brauchen in der Politik dringend andere Mechanismen die die Parteiendiktatur und unkontrollierte Parteienherrschaft beenden. Und nicht wie in Aegypten zwei drei Änderungen der Verfassung. Wir brauchen eine neue, ehrliche und intelligente Verfassun und zwar ohne Mitwirkung der Parteien und der Parteimitglieder.

    Es hat in Deutschland genug intelligente und integere Persönlichkeiten, denen der Parteienmoloch auch nicht gefällt. Nehmen wir doch die Chance wahr und wehren uns. Das derzeitige System ist des Volkes und des Landes nicht würdig.

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