Soziale BalancePeking verbietet Plakatwerbung für Luxusgüter

Die chinesischen Behörden wollen gegen die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich anarbeiten: Werbung mit Attributen wie "hochwertig" und "Kult" ist künftig untersagt. von AFP

Eine Werbung für Luxusimmobilien in Peking

Eine Werbung für Luxusimmobilien in Peking  |  © Diego Azubel/EPA/dpa

Der Kampf gegen die hohe Teuerungsrate und wachsende Einkommenskluft treibt die chinesischen Behörden zu ungewöhnlichen Ideen: Wie die Zeitung China Daily unter Berufung auf eine entsprechende Anordnung berichtet, sollen Plakate für Luxusgüter aus dem Pekinger Straßenbild verschwinden. Untersagt sind demnach Wörter wie "königlich", "Luxus" oder "hochwertig", die häufig in Werbungen für Häuser, Autos oder Weine verwendet werden.

Die Anordnung stammt von der Industrie- und Handelskammer der Hauptstadt. Erlassen wurde sie bereits in der vergangenen Woche und setzt Firmen eine Frist bis Mitte April, entsprechende Luxuswerbungen zu beseitigen. Betroffen sind auch Reklamen für "ausländische Kult"-Produkte. Dem Bericht zufolge drohen im Fall der Missachtung des Verbots Strafen von bis zu 30.000 Yuan (etwa 3300 Euro).

Anzeige

Ein ähnliches Verbot hatten die Behörden in der vergangenen Woche auch in der südwestchinesischen Metropole Chongqing erlassen: Sie untersagten in Immobilienwerbungen Wörter wie "bestes", "einzigartig" oder "unersetzlich".

Ziel der Verbote ist es offenbar, den größer werdenden Graben zwischen Arm und Reich nicht weiter zu vertiefen. Ministerpräsident Wen Jiabao hatte erklärt, die "Überwindung der ungerechten Einkommensverteilung" sei ein wichtiges Ziel des neuen Fünfjahresplans.

Dazu zählen vor allem Maßnahmen gegen die hohe Inflation, die hundert Millionen einkommensschwache Bauern und Industriearbeiter trifft. Deren Kritik an der sich ausweitenden Einkommenskluft versucht die chinesische Führung zu beruhigen. Sie befürchtet, dass sich diese in politische Proteste ausweiten könnte.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Die Furcht vor Protesten führt in China zu politischem Handeln. In Deutschland ist die Furcht vor politischen Protesten hingegen nicht mehr vorhanden, wieso sollte die politische Klasse sich in einer Demokratie auch mit Protesten auseinandersetzen? ....

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zitat Ariakan: "Wo Proteste noch etwas bewegen...

    Die Furcht vor Protesten führt in China zu politischem Handeln. In Deutschland ist die Furcht vor politischen Protesten hingegen nicht mehr vorhanden, wieso sollte die politische Klasse sich in einer Demokratie auch mit Protesten auseinandersetzen? ...."

    Wenn ich mir die jüngsten politischen Veränderungen ansehe, dann bringen Bürgerproteste in Deutschland sehr viel. Viel mehr als sich in China in absehbarer Zeit verändern wird.

    Das scheint nur noch nicht jeder wahrgenommen zu haben.

  2. Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

  3. Dass Werbung eingeschränkt wird finde ich sehr gut, denn Werbung ist meiner Ansicht nach eine schlimme Sache.

    Theorie: Werbung dient dazu den Käufer über ein Produkt zu informieren.
    Praxis: Werbung dient dazu beim Käufer ein Bedürfnis für ein bestimmtes Produkt zu erzeugen.

    Wenn man nur das konsumieren müsste, was wirklich sinnvoll ist, oder die Lebensqualität steigert, dann wäre die Welt ja halbwegs in ordnung. Wenn ich allerdings heute in Frankfurt auf die Straße gehe und 50 iPhonebesitzer frage, was ihr iPhone denn kann und wofür sie es gebrauchen werde ich sicherlich von 80% der Menschen darauf keine Antwort beokmmen. Nur eines steht fest: Das neue iPhone 5 muss auch gekauft werden, denn es ist hip und trendy und man hat damit mehr als der andere.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Da tut die Regierung wenigstens noch etwas"

    Und was verbessert sich dadurch für einkommensschwache Chinesen?
    Im Übrigen halte ich es für moralisch und rechtlich bedenklich, willkürlich Freiheitsrechte einzuschränken. In China ist das natürlich wurscht.

    "Wenn man nur das konsumieren müsste, was wirklich sinnvoll ist, oder die Lebensqualität steigert, dann wäre die Welt ja halbwegs in ordnung."

    Was wäre dann besser?
    Wie würden die Applemitarbeiter dann ihr Geld verdienen? Wie die Porschebelegschaft?

    • minhen
    • 21. März 2011 14:41 Uhr

    Ein Problem dadurch beheben zu wollen, dass versucht wird es aus der öffentlichen Wahrnehmung herauszuhalten, verhindert unter Umständen eine Eskalation für eine gewisse Zeit. Es löst aber das Problem nicht. Denn nicht die Werbung ist das Problem, das zur Wohlstandsungleichheit führt.

    Und fragen Sie doch einfach einmal die iPhone-Besitzer. Sie werden sicherlich Antworten wie die bekommen, dass das Gerät einfach toll sei, einfach zu bedienen sei und schlicht und ergreifend Spaß mache. Dass Sie derartige Empfindungen aufgrund einer Voreingenommenheit nicht akzeptieren können, steht auf einem anderen Blatt. Es ist allerdings durchaus fragwürdig andere Menschen aufgrund deren Telefone zu beurteilen. Finden Sie nicht?

    "Was wäre dann besser?
    Wie würden die Applemitarbeiter dann ihr Geld verdienen? Wie die Porschebelegschaft?"
    Wie kommen sie darauf, dass Applemitarbeiter arbeitslos würden, wenn weniger Leute Iphones kaufen? Die Dinger müssten doch weiterhin entwickelt werden. Lediglich in der Produktion würde man Menschen einsparen, aber die findet eh bei Foxconn statt. Leute würden entlassen, wenn die Produktion des iPhones anfangen würde unwirtschaftlich zu werden. Da Apple aber eine so enorme Gewinnspanne bei ihren iPhones hat (weil sie eben ein 400 Euro Handy für 800 Euro verkaufen können) würden sie im konkreten Falle nichts machen. Wenn sie meine Kritik aber auf das iPhone oder Apple reduzieren haben sie meinen Punkt, den ich gemacht habe nicht verstanden.

    "Sie werden sicherlich Antworten wie die bekommen, dass das Gerät einfach toll sei, einfach zu bedienen sei und schlicht und ergreifend Spaß mache."
    Jo und wenn ich sie frage, warum sie nicht ein (insertRandomKonkurrenzprodukt) gekauft haben, weil die die Sachen genausogut hinkriegen, dann gucken die einen doof an. Oder wollen sie abstreiten, dass ein Produkt wie ein iPhone kein Statusobjekt darstellt?

  4. Versucht die chinesische Regierung hier den Graben zwischen arm und reich zu beseitigen indem sie den Armen einfach nicht mehr zeigen wie reich die Anderen sie sind?

    5 Leserempfehlungen
  5. "Da tut die Regierung wenigstens noch etwas"

    Und was verbessert sich dadurch für einkommensschwache Chinesen?
    Im Übrigen halte ich es für moralisch und rechtlich bedenklich, willkürlich Freiheitsrechte einzuschränken. In China ist das natürlich wurscht.

    "Wenn man nur das konsumieren müsste, was wirklich sinnvoll ist, oder die Lebensqualität steigert, dann wäre die Welt ja halbwegs in ordnung."

    Was wäre dann besser?
    Wie würden die Applemitarbeiter dann ihr Geld verdienen? Wie die Porschebelegschaft?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mik28
    • 21. März 2011 22:12 Uhr

    werden Freiheitsrechte eingeschränkt, ganz klar. Was sollen erst diejenigen sagen, die Heroin verkaufen möchten... China ist ja so ungerecht!

    • minhen
    • 21. März 2011 14:41 Uhr

    Ein Problem dadurch beheben zu wollen, dass versucht wird es aus der öffentlichen Wahrnehmung herauszuhalten, verhindert unter Umständen eine Eskalation für eine gewisse Zeit. Es löst aber das Problem nicht. Denn nicht die Werbung ist das Problem, das zur Wohlstandsungleichheit führt.

    Und fragen Sie doch einfach einmal die iPhone-Besitzer. Sie werden sicherlich Antworten wie die bekommen, dass das Gerät einfach toll sei, einfach zu bedienen sei und schlicht und ergreifend Spaß mache. Dass Sie derartige Empfindungen aufgrund einer Voreingenommenheit nicht akzeptieren können, steht auf einem anderen Blatt. Es ist allerdings durchaus fragwürdig andere Menschen aufgrund deren Telefone zu beurteilen. Finden Sie nicht?

    3 Leserempfehlungen
    • minhen
    • 21. März 2011 14:41 Uhr

    Ein Problem dadurch beheben zu wollen, dass versucht wird es aus der öffentlichen Wahrnehmung herauszuhalten, verhindert unter Umständen eine Eskalation für eine gewisse Zeit. Es löst aber das Problem nicht. Denn nicht die Werbung ist das Problem, das zur Wohlstandsungleichheit führt.

    Und fragen Sie doch einfach einmal die iPhone-Besitzer. Sie werden sicherlich Antworten wie die bekommen, dass das Gerät einfach toll sei, einfach zu bedienen sei und schlicht und ergreifend Spaß mache. Dass Sie derartige Empfindungen aufgrund einer Voreingenommenheit nicht akzeptieren können, steht auf einem anderen Blatt. Es ist allerdings durchaus fragwürdig andere Menschen aufgrund deren Telefone zu beurteilen. Finden Sie nicht?

  6. Auch wenn mir dies als eigentlich sehr liberal eingestellter Mensch schwerfällt, muss ich sagen, dass ich den "chinesischen Weg" mit großem Interesse verfolge.
    Während sich "der Westen" nach dem Fall der Sowjetunion am "Ende der Geschichte" wähnte und viele glaubten, nun müsse man nur noch "Demokratie und Freiheit" überall auf der Welt verbreiten, ist in der Praxis ein Verfallsprozess in mehrerlei Hinsicht im Westen selber zu beobachten - spätrömische Zustände eben, wie ein gewisser Politiker gut erkannte (wenn vielleicht auch mit abweichender Intention) :-)
    Ich denke, individuelle Freiheiten können nur dann zu einer besseren Gesellschaft führen, wenn ihre Individuen das nötige "Rüstzeug" dafür mit auf den Weg kriegen. Aktuell sehe ich z.B. ein großes Ungleichgewicht zwischen den Herausforderungen der modernen Medienwelt und der allgemeinen Medienkompetenz.
    Es wäre ein Leichtes, diesen Artikel reflexartig mit "Zensur"-Rufen zu kommentieren. Ich mache es nicht. Die Zukunft wird uns zeigen, ob nicht doch China vielleicht am Ende manches besser macht als wir jetzt glauben. Wir dürfen nicht vergessen, dass es noch einen weiten Weg vor sich hat.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle AFP
  • Schlagworte Auto | Behörde | Euro | Hauptstadt | IHK | Inflation
Service