Grüne EnergieSiemens erfindet sich neu

Der Technologiekonzern Siemens trennt sich von Osram und schafft eine neue Sparte. Mit grünen Technologien soll das Wachstum beschleunigt werden. von Von Corinna Visser

Diesmal geht es nicht um ein Problem, das Siemens dringend loswerden möchte. Diesmal geht es um einen Schatz: Osram. Die Tochter, so glaubt der Vorstand, könnte sich unter anderer Regie besser entwickeln. Daher soll der Aufsichtsrat des Unternehmens, der sich am heutigen Montag trifft, dem geplanten Börsengang der Lichttechniktochter Osram zustimmen. Noch eine weitere wichtige Entscheidung steht auf der Tagesordnung: Neben Industrie, Energie und Gesundheit soll ein vierter Sektor geschaffen werden, der den Namen Infrastructure and Cities tragen soll. Mit größerem Widerstand ist im Kontrollgremium nicht zu rechnen.

Die Zustimmung der Arbeitnehmer könnte sich Vorstandschef Peter Löscher dadurch sichern, dass Siemens auch nach dem Börsengang bei Osram beteiligt bleiben will. Siemens werde auf absehbare Zeit die Mehrheit abgeben, aber "ein stabiler Ankeraktionär bleiben", erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Zudem hat Siemens durchaus ein Eigeninteresse, mit der profitablen Tochter verbunden zu bleiben.

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Der Börsengang ist frühestens im Herbst, aber noch für dieses Jahr geplant. Vermutlich wird Siemens zunächst noch die Mehrheit behalten. "So ein Trumm kann man nicht in einem Schritt an die Börse bringen, das geht in diesen Größenordnungen nicht", heißt es in Branchenkreisen. Die Analysten von Unicredit schätzen den Börsenwert von Osram auf etwa fünf Milliarden Euro. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 4,7 Milliarden Euro beschäftigt weltweit 40 000 Mitarbeiter, 1750 davon in Berlin. Osram arbeitet schon jetzt recht selbstständig. Allerdings muss in den kommenden Jahren kräftig investiert werden.

Erhebliche Veränderungen im Konzern wird auch das zweite Vorhaben bringen. In dem neuen vierten Sektor soll vor allem das Geschäft mit den rasch wachsenden Megastädten dieser Welt gebündelt werden. Hier sieht sich Siemens mit seinen Produkten – von der U-Bahn über intelligente Stromnetze bis zur Gebäudetechnik – als weltweiter Marktführer. Bisher jedoch gehen die einzelnen Siemens- Abteilungen nach eigener Einschätzung hier nicht koordiniert genug vor.

Zum neuen Sektor Infrastruktur und Megastädte sollen die Gebäude- und Verkehrstechnik aus dem bisherigen Industriebereich gehören sowie die Stromverteilung aus dem Energiebereich. Als Ergebnis entsteht eine Einheit mit einem Umsatz von knapp 20 Milliarden Euro. Für den Chef der neuen Sparte – er ist noch nicht bekannt – wird der bislang achtköpfige Siemens-Vorstand nach Handelsblatt-Informationen um einen Posten erweitert. Durch die Neuordnung schrumpft vor allem der Industriesektor mit seinen rund 35 Milliarden Euro Umsatz. 

Leserkommentare
  1. Chef: Wie? Oh, Mist, schnell weg damit.

    So kommt das jetzt rüber.
    Irgendwie erinnert mich das an die Handysparte von Siemens (meins tut es immer noch).
    Gigaset hat sich ja noch mit Ach und Krach retten können...

    • ludna
    • 28. März 2011 10:53 Uhr

    Kommen die Mitarbeiter eigentlich mal zum arbeiten ? Ständig irgendwelche Umstrukturierungen, das frisst massiv Ressourcen, die eigentlich woanders gebraucht werden. Ganz abgesehen von der Motivation der Mitarbeiter. Aber das ist ein ganz eigenes Thema.

  2. und denken damit tut man sich einen Gefallen. Wer's glaubt wird seelig... Intelligente Strategien von Siemens - das wär ja mal was völlig neues. Das wird enden wie mit Hochtief. Am Ende übernimmt sie ein maroder Ausländer ein profitables Unternehmen und saniert sich mit uns. Das ist die Realität an der Börse. Und eine Börsen-Binsenweisheit ist ebenfalls wie man mit Minderheitsbeteiligungen verfährt. Das kann sich Osram an allen Siemenssparten ansehen die dieses Schicksal schon vor ihnen ereilt hat und wie es in diesem Artikel ja auch beschrieben wird. Trotz aller Beteuerungen von Siemensseite werden sie es gar nicht abwarten können sie loszuwerden.

  3. Ich habe mir heute mal die neuen Landingpages von Siemens angeschaut - Sehen interessant aus. 1)
    <a href="http://www.siemens.de/nachhaltige-stadtentwicklung/nachhaltige-stadtentw... DE: Nachhaltige Stadtentwicklung</a> 2)
    <a href="http://www.siemens.de/elektromobilitaet/elektromobilitaet.html">Siemens DE: Elektromobilität</a> Bin mal gespannt, was sich da noch so alles tut in der Öffentlichkeitsarbeit!

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