Frage: Herr Alt, die Bundesagentur für Arbeit soll in den nächsten Jahren zweistellige Milliardenbeträge einsparen. Geht das zulasten der Arbeitslosen?

Heinrich Alt: Ich hoffe nicht, dass die Mittel für Arbeitsmarktpolitik radikal zusammengestrichen werden. In der jetzigen Arbeitsmarktsituation wäre das fatal. Wir sollten versuchen, möglichst jeden Jugendlichen zu einem Berufsabschluss zu führen. Und wir müssen die Menschen fortbilden, damit wir in den nächsten Jahren genügend Fachkräfte haben. Das alles kostet Geld. Außerdem gilt: Wenn man die aktive Arbeitsmarktpolitik massiv kürzt, steigt in der Folge die Arbeitslosigkeit.

Frage: Der Verwaltungsrat Ihrer Behörde beklagt, die BA werde "auf unabsehbare Zeit ans finanzielle Gängelband der Bundesregierung gezwungen". Sehen Sie das auch so?

Alt: Wir wollen nicht dauerhaft auf Darlehen der Bundesregierung angewiesen sein. Wir brauchen keine hohen Rücklagen. Wir wollen aber in guten Zeiten sparen können, damit wir in schlechten Zeiten gegen eine Krise halten können, ohne die Beiträge anheben zu müssen.

Frage: Kann die Bundesagentur gerade Rücklagen für den nächsten Abschwung bilden?

Alt: Im Moment können wir leider nichts zurücklegen. Wenn die Politik den Arbeitslosenbeitrag nicht erhöhen möchte, muss sie entscheiden, wo gespart wird.

Frage: Die Arbeitsministerin will wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit auch Personal bei der BA abbauen. Wie viele der 116.000 Stellen sind überflüssig?

Alt: So einfach geht die Rechnung nicht auf. Wir brauchen das Personal für die Bewegung am Arbeitsmarkt, die ist nach wie vor hoch. Und wir haben Aufgaben, die mit den Arbeitslosenzahlen gar nichts zu tun haben: die Arbeitgeberbetreuung, die Familienkassen, die Berufsberatung und Ausbildungsvermittlung oder die Betriebsnummernstelle. Ich möchte mich außerdem nicht von qualifiziertem Personal trennen, das wir im nächsten Abschwung dringend brauchen. Ich gebe den Mitarbeitern lieber die Gelegenheit, eine Fortbildung zu machen oder auch ein halbes Jahr eine Auszeit zu nehmen.

Frage: Herr Alt, gut 1,4 Millionen Erwachsene sind seit 2005 ununterbrochen auf Hartz IV angewiesen. Das klingt nicht gerade nach einer Erfolgsbilanz?

Alt: Das ist richtig. Man muss allerdings sehen, wie wir gestartet sind. Wir haben damals 500.000 Menschen aus der Sozialhilfe übernommen, die für erwerbsfähig erklärt wurden. Mit denen hat vorher kaum einer daran gearbeitet, sie in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen. Wir haben es noch nicht geschafft, diesen harten Block wirklich zu knacken.

Frage: Warum ist es in Deutschland so schwer, Langzeitarbeitslosigkeit aufzubrechen?

Alt: Es ist schwierig, Arbeitgeber zu finden, die jemanden einstellen, der weniger gut qualifiziert ist oder kein gutes Deutsch spricht, der Suchtprobleme hatte oder eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich hat. Arbeitgeber suchen natürlich zuerst gut ausgebildete und leistungsfähige Mitarbeiter.