An vielen deutschen Tankstellen könnte es über Ostern zu Versorgungsengpässen kommen. Sowohl Super, Superplus als auch das E10-Benzin könnten vorübergehend ausverkauft sein, sagten Sprecher der großen Ölkonzerne gegenüber der Zeitung Welt am Sonntag. "Am Ostermontag kann es kritisch werden", teilte eine Shell-Sprecherin mit.

An den Tankstellen des Konzerns könne es in den nächsten Tagen "punktuell zu Leerständen" kommen. Auch Sprecher von Aral und Esso bestätigten, dass Engpässe drohten. Als Gründe würden "die Anpassung des Vertriebs und der Produktion an die veränderte Nachfrage" genannt.

Da viele Autofahrer weiterhin kein E10-Benzin tanken, hat die Mineralölwirtschaft zurzeit mit logistischen Problemen zu kämpfen. Aktuell hinzu komme die Umstellung der Tankstellen "von Winterware auf Sommerware", sagte die Shell-Sprecherin. Dass das Osterfest mit seinen Fahrverboten für Tank-Lastwagen und seinem hohen Verkehrsaufkommen in diesem Jahr nur eine Woche vor diesem Stichtag liegt, mache die Situation für die Mineralölkonzerne noch komplizierter.

Die Herausforderungen an die Logistik seien wegen der E10-Einführung ohnehin außergewöhnlich groß, heißt es bei den Konzernen. So hat die BP-Tochtergesellschaft Aral auf einen Erfolg von E10 gesetzt und die großen Tanks an den Stationen mit dem Bio-Sprit gefüllt. Doch der Absatzanteil von E10 liegt unverändert bei höchstens einem Drittel. "Wir nutzen für unser Superbenzin V-Power kleine Tanks an den Stationen, die Nachfrage nach dem Produkt ist aber riesengroß", heißt es bei Shell. Daher müsse nun viel öfter Nachschub herangeschafft werden – was dazu führe, dass die Tanklastwagen von Speditionen und Großhändlern im Dauereinsatz sind.

Erschwerend wirkt, dass die Mineralölwirtschaft gegenwärtig den zum 1. Mai vorgeschriebenen Austausch des Benzins an allen 14.700 Tankstellen vorbereitet. Grund für die Umstellung ist, dass bei den höheren Temperaturen im Sommer die Bildung von Dampfblasen verhindert werden soll. Dies geschieht, indem dem Benzin weniger leicht siedende Alkane beigemischt werden, die im Winter den Kaltstart erleichtern. E10-Chaos und die Umstellung auf Sommerkraftstoffe führen in ihrer Kombination zu einer "kritischen Logistiksituation", sagte ein Speditionsmanager.

An Ostern spitzt sich diese Situation zu: Erstens wegen des Reiseverkehrs und zweitens, weil auch für Tanklastwagen das Feiertagsfahrverbot von Mitternacht bis 22 Uhr gilt. Ausnahmen gibt es nur für Speditionen, die vorab Sondergenehmigungen eingeholt haben. Es ist daher möglich, dass für die befürchteten leeren Tanks an zahlreichen Tankstellen über Ostern nicht rechtzeitig Nachschub herbeigeschafft werden kann. Erste ausverkaufte Tankstellen gab es diese Woche schon.