Chinas Wanderarbeiter sind erleichtert. Der Lebensmittelhersteller Tingyi will die Preise für seine Fertignudelsuppen nun doch nicht erhöhen. Die in Styroporschüsseln gefüllten Nudeln, zu denen man zum Essen nur noch heißes Wasser füllen muss, gehört unter den Wanderarbeitern zu den meist konsumierten Nahrungsmitteln.

Ob auf Zugfahrten, auf den Baustellen oder einfach in der Mittagszeit am Pekinger Straßenrand: Überall sieht man Menschen die zumeist überwürzten Fertigsuppen essen. Tingyi wollte die steigenden Mehl- und Gewürzpreise auf die Kunden umwälzen. Nun kündigte der Firmensprecher von Chinas größtem Fertignudelhersteller an, dass er vorerst darauf verzichten werde. Dies sei das Ergebnis nach Gesprächen mit führenden Wirtschaftsplanern der Zentralregierung.

Was die Regierung dem Lebensmittelhersteller als Kompensation angeboten hat, ist nicht bekannt. Eins wird mit dieser Nachricht aber klar: Chinas Führung brauchte dringend eine Erfolgsmeldung, um der Bevölkerung zu zeigen, dass sie gegen die derzeit hohe Inflation sehr wohl Maßnahmen ergreift. Der Anstieg der Verbraucherpreise hat im März mit 5,4 Prozent den höchsten Stand seit 32 Monaten erreicht. Die Nahrungsmittelpreise legten im Vergleich zum Vormonat gar um 11,7 Prozent zu.

"Wir stehen immer noch unter großem Preissteigerungsdruck", gestand Regierungschef Wen Jiabao. Er versprach, dass er weiter alles daran setzen werde, die Inflation wieder in moderate Bahnen zu lenken. Die Regierung hatte im Dezember das Staatsziel von drei Prozent Inflation auf vier erhöht. Dass die Rate nun bei weit über fünf Prozent liegt, lässt sie immer hilfloser erscheinen. "Wir dürfen in unserer Wachsamkeit niemals nachlassen", warnte Wen.

Die hohe Inflation belastet vor allem die Menschen auf dem Land. Dort müssen nach wie vor viele Familien bis zur Hälfte ihres Einkommens für Essen ausgeben. Doch auch in den Städten häufen sich die Klagen. Dort setzen vor allem die steigenden Immobilienpreise den Leuten immer mehr zu.

Die Ursachen für die Entwicklung sind vielschichtig. Zwar war es der chinesischen Führung nach der Weltwirtschaftskrise von 2009 mit einem beispiellosen Konjunkturpaket von annähernd 590 Milliarden Dollar sowie einer großzügigen Kreditvergabe gelungen, Chinas Wirtschaft innerhalb nur weniger Monate zurück auf einen Wachstumspfad zu bringen. Selbst rückständige Provinzstädte bauten daraufhin Stadien, Flughäfen, Kulturzentren und Schienennetze . Doch nun droht Überhitzung. Obwohl die Regierung das Wachstum eigentlich deutlich drosseln wollte, wuchs Chinas Wirtschaft im ersten Quartal um 9,7 Prozent. Im vergangenen Jahr lag das Wachstum fast durchgehend bei über zehn Prozent. Und auch die Banken haben im März mit 680 Milliarden Yuan mehr Kredite vergeben, als ihnen von ganz oben vorgegeben war.