Der Umbau der Stromversorgung hat nicht erst mit der Reaktorkatastrophe in Japan und dem Moratorium der Bundesregierung begonnen. Er wurde schon in den 1990er Jahren eingeleitet, als durch zahlreiche Kommissionen und wissenschaftliche Studien gezeigt wurde, dass es Wege in eine zukunftsfähige Energieversorgung ohne Kernenergie gibt. Die eigentliche Entscheidung aber fiel im Jahr 2000 mit der Verabschiedung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) und der Vereinbarung der Bundesregierung mit der Energiewirtschaft, die Nutzung der Kernenergie in Deutschland bis etwa 2022 zu beenden.

Was folgte, war der unaufhörliche Vormarsch der erneuerbaren Energien (EE), die heute bereits 17 Prozent des Strombedarfs decken und im Jahr 2020 bei einem Anteil von rund 40 Prozent liegen werden. Heute wissen wir, wie der Weg in eine weitgehend bis vollständig auf EE basierenden Energieversorgung gestaltet werden kann. Was dieser Weg an Investitionen und strukturellen Veränderungen verlangt, ist vielfach dokumentiert und publiziert worden. Und die Vorteile liegen auf der Hand: Wir schützen das Klima, machen uns von knappen fossilen Ressourcen unabhängig und steigen aus der Hochrisikotechnologie Kernenergie aus.

Viele dieser Erkenntnisse sind seither in die Klimaschutz- und Energiekonzepte der diversen Bundesregierungen eingeflossen, sie finden sich auch als sehr konkrete Zielsetzung für die Steigerung der Energieeffizienz und den EE-Ausbau auf deutscher und europäischer Ebene wieder. Viele Akteure auf kommunaler und lokaler Ebene haben sich davon anregen lassen und sind beim Umbau ihrer regionalen Energieversorgung teilweise schon weit fortgeschritten. Die im Oktober 2010 unnötig beschlossene Laufzeitverlängerung für Kernenergie hat diese Erkenntnisse ignoriert.

Die Katastrophe von Fukushima hat uns nun auf brutale Weise die Risiken der Kernenergie vor Augen geführt. Sie hat uns aber auch in die Lage versetzt, auf der Basis eines größeren Konsenses als zuvor, den bereits eingeleiteten Umbau der Energieversorgung, insbesondere der Stromversorgung, jetzt zielstrebig zum Nutzen von Gesellschaft und Wirtschaft weiterzuführen.

In einigen Jahrzehnten soll erneuerbare Energie die Basis unserer Energieversorgung bilden, zuerst in der Stromversorgung, dann aber auch für unsere Wärmeversorgung und für unsere Mobilitätsbedürfnisse. Zwei Dinge sind notwendig, um dieses Ziel zu erreichen: eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz und ein intelligenter und mit den Anforderungen des Klimaschutzes und der EE harmonierender Einsatz fossiler Energie.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet diese Strategie für den Stromsektor: Bis 2020 lässt sich die Nachfrage nach Strom durch effizientere Nutzung um mindestens 60 Terawattstunden (TWh) pro Jahr verringern, was etwa zehn Prozent des heutigen Gesamtverbrauchs entspricht. Die EE können zusätzliche 130 TWh pro Jahr beitragen, wenn ihr Ausbau, gestützt auf das EEG, so weiter verläuft wie bisher. Dieser Strom wird in 2020 deutlich kostengünstiger sein als heute.

An Kernenergiestrom fehlen uns bei vollständigem Abschalten aller AKW 140 TWh, derzeit sind es durch das Moratorium etwa 30 TWh. In der Mengenbilanz kann also sowohl auf den Strom aus Atomkraftwerken als zusätzlich auf weitere 50 TWh fossilen Stroms verzichtet werden. Eine Stromlücke ist nirgends zu entdecken. Höchstens wird, in der Jahresbilanz betrachtet, der Export von Strom etwas zurückgehen.