Sie fordern mehr als Freiheit und politische Reformen. Die Menschen in Nordafrika und dem Nahen Osten treibt auch die wirtschaftliche Situation auf die Straße: Inflation und Jugendarbeitslosigkeit sind hoch, der Lebensstandard ist niedrig.Und das trotz der großen Ölvorkommen in der Region. Oder, wie viele Ökonomen sagen: gerade deswegen.

Eine Reihe von Studien belegt den Zusammenhang: Große Rohstoffvorkommen schüren Bürgerkriege und Vetternwirtschaft. Länder wie Algerien und Libyen haben mit ökonomischen Nebeneffekten zu kämpfen, die das vermeintliche Geschenk zur Bürde werden lassen. Die Staaten fixieren sich zu sehr auf ein Exportgut und vernachlässigen den Rest ihrer Volkswirtschaft.

Besonders betroffen sind wenig entwickelte Staaten. "Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme dieser Länder hängen auch mit den Ölvorkommen zusammen", sagt Helmut Reisen, Direktor des OECD-Forschungszentrums Wirtschaftliche Entwicklung. Missmanagement und schwache Institutionen verhindern, dass die Einnahmen den Staaten langfristig nutzen. Dabei brauchen gerade rohstoffreiche Staaten eine besonders vorausschauende Wirtschaftspolitik. Eine zu starke Konzentration auf Rohstoffexporte etwa drosselt das langfristige Wachstum. In Algerien und Libyen beispielsweise stammen über 90 Prozent der Staatseinnahmen aus Öl- und Gasexporten.

"Wenn der Weltmarktpreis fällt, zieht das die gesamte Wirtschaft mit runter", beschreibt Reisen die Gefahr. Rohstoffreiche Länder leiden deshalb besonders häufig unter einer schwankenden Konjunktur. Das verhindere, "dass Regierung und Unternehmen langfristig planen können" , sagt Oxford-Professor Rick van der Ploeg. Sie würden daher vor Investitionen oft zurückschrecken. Gemeinsam mit Steven Poelhekke von der niederländischen Zentralbank hat van der Ploeg Daten von über 50 Ländern untersucht: Ressourcenreichtum hemmt demnach die Entwicklung in Staaten mit sehr wechselhaftem Wachstum. Ein Beispiel dafür ist Sambia, dessen Wohl und Wehe vor allem an den Kupferexporten hängt.

Problematisch ist zudem, dass der Rohstoffsektor sehr kapitalintensiv ist und nur wenige Arbeitsplätze schafft. Das führt schnell zu einer ungleichen Wohlstandsverteilung. Und dann ist da noch ein ganz praktischer Grund, der Rohstoffe zum Risiko werden lässt: Irgendwann sind die Vorräte erschöpft. Verschärft wird das Dilemma dadurch, dass andere Exportbranchen unter der Dominanz der Rohstoffe leiden - ein Phänomen, das Ökonomen als "holländische Krankheit" ( Dutch disease ) bezeichnen. Der Begriff kam in den 70er-Jahren auf, nachdem Holland begonnen hatte, im großen Stil Erdgas und Erdöl zu exportieren.