Puma"Die freie Marktwirtschaft erfordert Grenzen"

Jedes Unternehmen sollte seinen CO2- Fußabdruck veröffentlichen, sagt Puma-Chef Zeitz. Im Interview erklärt er, warum wir unser Wirtschaftsmodell ändern müssen. von Henrik Mortsiefer

Frage: Herr Zeitz, Puma wird künftig als weltweit erstes Unternehmen Umweltbelastungen in die Gewinn- und Verlustrechnung aufnehmen. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?

Jochen Zeitz: Mein privater CO2-Fußabdruck liegt bei 40 Tonnen pro Jahr.

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Frage: Und was kostet Sie das?

Zeitz: Rund 400 Dollar.

Frage: Sie werden in Kürze den Puma-Chefsessel verlassen und in der Konzern-Holding PPR Verantwortung übernehmen. Warum kommt die Umwelt-G&V erst jetzt?

Zeitz: Die Idee, Umwelt-Kosten in die Gewinn- und Verlustrechnung aufzunehmen, hatte ich bereits Ende 2009. Aber damals gab es noch niemanden, der diesen Ansatz systematisch und professionell verfolgt hat. Von der Idee her ist es ja nichts Neues, wenn man die kostenlosen "Dienstleistungen", die die Umwelt uns zur Verfügung stellt, bewertet und mit einem entsprechenden Preis versieht. Heute gehen wir allerdings einen Schritt weiter. Wir wollen damit Denkanstöße für andere geben und daraus Lösungs- und Entscheidungswege ableiten. Wir werden das dann künftig Schritt für Schritt ausbauen.

Frage: Zum Beispiel?

Zeitz: Über Details kann ich bis zur Präsentation noch nicht sprechen. Aber wir müssen zunächst die Fragen beantworten: Wer ist innerhalb der Wertschöpfungskette für was verantwortlich? Welchen CO2-Fußabdruck nehmen wir mit auf? Bilden wir die gesamte Wertschöpfungskette ab oder nur das, was unmittelbar im Unternehmen geschieht?

Frage: Werden Puma-Produkte teurer?

Zeitz: Wir werden im kommenden Jahr die Preise erhöhen müssen, aber nicht wegen der umweltbezogenen Gewinn- und Verlustrechnung, sondern weil die Rohstoffpreise und auch die Lohnkosten stark gestiegen sind. Das gilt nicht nur für Puma, sondern für die gesamte Industrie. Wenn man Kosten internalisiert, die bisher nicht berücksichtigt wurden, kann man das durch Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen auffangen. Nachhaltigkeit gibt es aber nicht umsonst. Da müssen wir zunächst investieren.

Frage: Wo hat Puma noch Effizienzreserven?

Zeitz: Man muss sich überlegen, wie aufwendig jedes Produkt – zum Beispiel ein Schuh – konstruiert sein muss. Ähnlich wie die Autobauer versuchen wir, die Komplexität zu reduzieren. Das schafft Freiräume, um in neue, umweltfreundlichere Materialien zu investieren. Ein anderes Thema ist die Verpackung. Zunächst kostet es uns mehr, wenn wir weniger Verpackung verwenden. Langfristig zahlt es sich aber für uns aus, weil wir Energiekosten sparen. 

Leserkommentare
  1. Ich finde diesen Ansatz gut, denn er schafft mehr Transparenz beim Kauf von Produkten.

    Mein Eindruck ist, dass Konsumenten sich heute viel zu stark von der Werbung beeinflussen lassen und nichtmehr von der Qualität oder den sonstigen Eigenschaften der einzelnen Produkte bzw. der Firmen, von denen die Produkte stammen.

  2. ...die wahren (Umwelt-)Kosten eines Produktes auf den Preis umgelegt werden, dann ist das Ziel erreicht. 5 Mark für den Liter Sprit, der tonnenschwere SUV 300 000,-€ ohne Dienstwagenprivileg, das (markenfreie) Polohemd 100,-€. Ein paar gute Lederschuhe 800,-€, das Kilo Rindfleisch 70,-€. Ein Laptop 3500,-€, das Lifestylehandy 1500,-€. Schnell wäre ein umweltschonenderes Verhalten zu erreichen.

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    noch einen schönen Preis aufnehmen können: Die kWH für €1,80. Nur so, wegen des Umweltbewusstseins und wegen des Industriestandortes und der Arbeitsplätze.

    Die Lifecyclebilanz wird kommen, die Atomkraft wird gehen. Hach ja ...

  3. Das hört sich stark nach Greenwashing an. Anstatt immer nur auf dieses böse CO2 zu schauen, sollte Puma lieber sämtliche Gifte, die in ihren Schuhen und Textilien stecken, durch unschädliche Stoffe ersetzen. Jeder Turnschuh ist ein Chemikalienlager, das unmittelbaren Hautkontakt hat!

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    aber ziehen Sie sich doch der Einfachheit halber Socken an!

  4. die tatsächlichen Umweltkosten zu ermitteln ist sicherlich schwer, und nicht leicht zu durchschauen. Hier einen glaubwürdigen Berechnungsweg zu finden der Ehrlich ist ist die Herausforderung.

    Hm, in wie weit müsste denn Zum Beispiel die Gesamtgesellschaftliche Substituierung der Verkehrswege, die zum Transport der güter notwendig sind in die Kalkulation mit hinein.

    Was wir bräuchten wäre in der Tat eine Behörde die sich ausschließlich ernsthaft und umfassend mit solchen Themen beschäftigt. Da würde dann auch gleich die Energiebilanz von E10 die desaströse Wirklichkeit Zeigen..

    Aber wirklich ein guter schritt

  5. Die Veröffentlichung des Fußabdrucks und dessen Reduzierung halte ich für eine sehr gute Idee, aber den Bezug zur Bilanz verstehe ich nicht. Schließlich zahlt Puma das Geld nicht an den "Dienstleister Natur" aus. Was wird also aus dem Geld? Ist das ein Rechentrick um mit Ökostempel höhere Preise aufrufen zu können oder versucht man hier Gewinne kleizurechnen um Finanzamt und Aktionäre zu bescheißen?
    Also weiter so mit freiwilligem Umweltbewusstsein aber bitte ohne fiktive Zahlen in der Bilanz.

    PS: @mailzelmännchen:
    Ihre Aufzählung geht dann aber weiter mit "die Wohnung heizen - unbezahlbar!" Sprich wir wohnen alle wieder in Höhlen und zwar nakt, weil nicht nur das Polohemd teuer wird, sondern auch die Unterwäsche, die Hose, ect...
    Auch hier die Frage wie an Puma. Wer bekommt die vermeintlich "wahren Umweltkosten"? Die Natur hat leider kein Konto, also bleiben sie als Gewinne beim Konzern?
    Erst denken, dann posten. Danke.

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    Solange die Umweltkosten steuerrechtlich nicht anerkannt sind kann Puma oder ein anderes Unternehmen damit auch keine Gewinne reduzieren.

    Der Vorposter bezog sich auf das No-Name Polohemd, sprich ein Polohemd bei dem sie weder Hersteller noch Transportweg, noch Umweltbilanz kennen. Es geht darum, dass ein no-name Produkt nicht mehr billig verkauft werden sollte denn die teureren "Umwelt"herstellkosten werden in dem Fall auf alle verteilt.

    Nachhaltigkeit entsteht dann noch zusätzlich weil man bei höherem Preis Polohemd vielleicht 1 oder 2 Jahre länger trägt und nicht schon im Folgejahr ersetzt weil die Farbe nicht mehr modern ist.

    Auch Sie sollten sich Ihren letzten Satz aus dem Kommentar zu Herzen nehmen.

  6. "Sind die Käufer von Lifestylemarken wie Puma eher bereit, ein paar Euro mehr für ein umweltfreundlich hergestelltes Produkt auszugeben als, sagen wir, ein Maschinenbauer?"

    Maschinenbauer können also keine Lifestylemarkenkäufer sein?
    Maschinenbauer sind teil der Wertschöpfungskette in der Produktion. Sie kaufen keine Maschinen sondern verkaufen sie. Die Frage ist also eher sind die Pfennigfuchser im Einkauf der Firmen bereit mehr Geld für einen virtuellen Wert auszugeben und wie reagieren die Aktionäre auf die verminderte Rendite. Oder was sagen Rating-Agenturen dazu? Wahrscheinlich werden zur Kompensation einfach ein paar Mitarbeiter entlassen. Mit dem eingesparten CO2 (aus verringertem Verkehrsaufkommen durch weniger Pendler; Licht, Wasser und Wärme für die eingesparten Arbeitsplätze) kann man seine CO2-Bilanz natürlich auch auffrischen. Wenn das mal kein win-win ist.

    Mich würde auch mal interessieren wie Hr. Zeitz denn beispielsweise den CO2-Footprint belegen will - vor allem vor dem Finanzamt: "Wir haben da Geld ausgegeben für weniger CO2." - "Haben sie eine Quittung?"

  7. wenngleich auch Herr Zeitz NOCH weiter gehen könnte, wenn die Politik mitmachen würde.
    Herr Zeitz: "Aber Transportkosten allein rechtfertigen dies [in Deutschland zu produzieren] nicht, schließlich müssten Rohstoffe, Material und Vorprodukte immer noch um die Welt transportiert werden."
    Das liegt aber m.E. hauptsächlich daran, dass der Werkstoff Hanf so strengen Produktionsauflagen unterliegt. Seine Faser wäre perfekt für Turnschuhe geeignet, könnte Böden durch eine Wechselnutzung sogar fruchtbarer machen, in Deutschland brach liegende Flächen wieder für den Gebrauch interessant machen, Arbeitsplätze schaffen, Transportkosten senken, Außenhandelsbilanz verbessern...
    Aber solche Gedanken macht sich ja nur ein Kiffer, und darum ignorieren wir Ideen, auch wenn sie stimmig sein mögen.
    Dennoch Hut ab vor diesem Mann, in die Politik mit ihm!

  8. aber ziehen Sie sich doch der Einfachheit halber Socken an!

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