Puma : "Die freie Marktwirtschaft erfordert Grenzen"

Jedes Unternehmen sollte seinen CO2- Fußabdruck veröffentlichen, sagt Puma-Chef Zeitz. Im Interview erklärt er, warum wir unser Wirtschaftsmodell ändern müssen.

Frage: Herr Zeitz, Puma wird künftig als weltweit erstes Unternehmen Umweltbelastungen in die Gewinn- und Verlustrechnung aufnehmen. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?

Jochen Zeitz: Mein privater CO2-Fußabdruck liegt bei 40 Tonnen pro Jahr.

Frage: Und was kostet Sie das?

Zeitz: Rund 400 Dollar.

Frage: Sie werden in Kürze den Puma-Chefsessel verlassen und in der Konzern-Holding PPR Verantwortung übernehmen. Warum kommt die Umwelt-G&V erst jetzt?

Zeitz: Die Idee, Umwelt-Kosten in die Gewinn- und Verlustrechnung aufzunehmen, hatte ich bereits Ende 2009. Aber damals gab es noch niemanden, der diesen Ansatz systematisch und professionell verfolgt hat. Von der Idee her ist es ja nichts Neues, wenn man die kostenlosen "Dienstleistungen", die die Umwelt uns zur Verfügung stellt, bewertet und mit einem entsprechenden Preis versieht. Heute gehen wir allerdings einen Schritt weiter. Wir wollen damit Denkanstöße für andere geben und daraus Lösungs- und Entscheidungswege ableiten. Wir werden das dann künftig Schritt für Schritt ausbauen.

Frage: Zum Beispiel?

Zeitz: Über Details kann ich bis zur Präsentation noch nicht sprechen. Aber wir müssen zunächst die Fragen beantworten: Wer ist innerhalb der Wertschöpfungskette für was verantwortlich? Welchen CO2-Fußabdruck nehmen wir mit auf? Bilden wir die gesamte Wertschöpfungskette ab oder nur das, was unmittelbar im Unternehmen geschieht?

Frage: Werden Puma-Produkte teurer?

Zeitz: Wir werden im kommenden Jahr die Preise erhöhen müssen, aber nicht wegen der umweltbezogenen Gewinn- und Verlustrechnung, sondern weil die Rohstoffpreise und auch die Lohnkosten stark gestiegen sind. Das gilt nicht nur für Puma, sondern für die gesamte Industrie. Wenn man Kosten internalisiert, die bisher nicht berücksichtigt wurden, kann man das durch Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen auffangen. Nachhaltigkeit gibt es aber nicht umsonst. Da müssen wir zunächst investieren.

Frage: Wo hat Puma noch Effizienzreserven?

Zeitz: Man muss sich überlegen, wie aufwendig jedes Produkt – zum Beispiel ein Schuh – konstruiert sein muss. Ähnlich wie die Autobauer versuchen wir, die Komplexität zu reduzieren. Das schafft Freiräume, um in neue, umweltfreundlichere Materialien zu investieren. Ein anderes Thema ist die Verpackung. Zunächst kostet es uns mehr, wenn wir weniger Verpackung verwenden. Langfristig zahlt es sich aber für uns aus, weil wir Energiekosten sparen. 

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Kommentare

28 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ein Schritt in die richtige Richtung

Ich finde diesen Ansatz gut, denn er schafft mehr Transparenz beim Kauf von Produkten.

Mein Eindruck ist, dass Konsumenten sich heute viel zu stark von der Werbung beeinflussen lassen und nichtmehr von der Qualität oder den sonstigen Eigenschaften der einzelnen Produkte bzw. der Firmen, von denen die Produkte stammen.

Wenn am Ende aller Schritte...

...die wahren (Umwelt-)Kosten eines Produktes auf den Preis umgelegt werden, dann ist das Ziel erreicht. 5 Mark für den Liter Sprit, der tonnenschwere SUV 300 000,-€ ohne Dienstwagenprivileg, das (markenfreie) Polohemd 100,-€. Ein paar gute Lederschuhe 800,-€, das Kilo Rindfleisch 70,-€. Ein Laptop 3500,-€, das Lifestylehandy 1500,-€. Schnell wäre ein umweltschonenderes Verhalten zu erreichen.

Wir malen unsere Fassade grün an!

Das hört sich stark nach Greenwashing an. Anstatt immer nur auf dieses böse CO2 zu schauen, sollte Puma lieber sämtliche Gifte, die in ihren Schuhen und Textilien stecken, durch unschädliche Stoffe ersetzen. Jeder Turnschuh ist ein Chemikalienlager, das unmittelbaren Hautkontakt hat!

Ein super schritt.

die tatsächlichen Umweltkosten zu ermitteln ist sicherlich schwer, und nicht leicht zu durchschauen. Hier einen glaubwürdigen Berechnungsweg zu finden der Ehrlich ist ist die Herausforderung.

Hm, in wie weit müsste denn Zum Beispiel die Gesamtgesellschaftliche Substituierung der Verkehrswege, die zum Transport der güter notwendig sind in die Kalkulation mit hinein.

Was wir bräuchten wäre in der Tat eine Behörde die sich ausschließlich ernsthaft und umfassend mit solchen Themen beschäftigt. Da würde dann auch gleich die Energiebilanz von E10 die desaströse Wirklichkeit Zeigen..

Aber wirklich ein guter schritt