Das Atomkraftwerk Philippsburg (Bild vom 21.3.2011) © Thomas Niedermueller/Getty Images

Von den 17 Atomkraftwerken in Deutschland werden ab dem Wochenende nur noch vier am Netz sein. Das geht aus Angaben der Aufsichtsbehörden und der Betreiber hervor. Im Rahmen des Atom-Moratoriums wurden bereits acht AKWs abgeschaltet, vier weitere wurden wegen Wartungsarbeiten vom Netz genommen. Am Samstag wird zusätzlich das RWE-Kernkraftwerk Emsland bei Lingen abgeschaltet. Es geht für eine dreiwöchige Routineuntersuchung vom Netz.

Damit liefern nur noch Isar 2 und Gundremmingen C (Bayern), Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Neckarwestheim 2 (Baden-Württemberg) Atomstrom. Da Gundremmingen B um den 26. Mai herum wieder ans Netz gehen soll, wird der bisher einmalige Engpass rund eine Woche andauern.

"Das Licht wird nicht ausgehen", sagte Verbraucherschützer Holger Krawinkel. Die Übertragungsnetzbetreiber hätten signalisiert, dass die Situation schwierig, aber unter Kontrolle sei.

Die Energiekonzerne sehen angesichts der Tatsache, dass nur noch 27 Prozent der Atomstromkapazitäten zur Verfügung stehen, hingegen die Gefahr eines größeren Blackouts. Nach Zahlen der europäischen Netzbetreiber muss Deutschland derzeit fast zu allen Tages- und Nachtzeiten Strom importieren, darunter Atomstrom aus Frankreich und Tschechien sowie Kohlestrom aus Polen.

Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, sieht keine Gefahr eines möglichen Zusammenbruchs der Stromversorgung. "Einen Blackout werden wir verhindern", sagte er. Man müsse aber immer mehr in den Strommarkt eingreifen. Zur aktuellen Situation stellte Kurth fest, das dies kein Dauerzustand sein wird und man Stromexporteur bleibe: "Wir können den Bedarf in Deutschland decken, ohne im Saldo auf Importe angewiesen zu sein."

CSU-Chef Horst Seehofer setzte sich unterdessen in der parteiinternen Ausstiegsdebatte durch. Die Partei wolle bis 2022 den Ausstieg aus der Atomkraft, sagte Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt.

Die SPD debattierte in Berlin über ihr Energiekonzept; sie will bis 2020 den letzten Meiler herunterfahren. Dabei kam es zu scharfer Kritik des Parteichefs Gabriel an Merkel: "Angela Merkel ist ein echter Verfassungsrowdy im Umgang mit dem Parlament", sagte Gabriel mit Blick auf die knappe Beratungszeit für den Bundestag.

"Die Ausstiegskanzlerin Merkel ist so glaubwürdig, wie es ein Wissenschaftsminister zu Guttenberg wäre", sagte Gabriel auch bezogen auf die Atomkehrtwende der Union. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe forderte eine Entschuldigung von Gabriel für seine Äußerungen.

Merkel strebt beim Ausstieg einen Konsens mit der Opposition an. Diese befürchtet aber, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Bereits bis 8. Juli will die Regierung das neue Atomgesetz durch Bundestag und Bundesrat bringen. Die SPD nennt drei Bedingungen für einen Konsens: einen Ausstieg um das Jahr 2020 herum, das endgültige Aus für die im Rahmen des Atom-Moratoriums stillstehenden AKW und drittens das Bekenntnis zu einer bundesweiten Endlagersuche.

Wie viele der derzeit ausgesetzten Meiler nicht wieder ans Netz gehen dürfen, will die Regierung bis Anfang Juni entscheiden, die Opposition fordert ein Aus für acht Meiler. Der Betreiber E.on dringt darauf, dass sein seit 1978 Strom lieferndes und nun stillstehendes AKW Unterweser in Niedersachsen wieder ans Netz darf, weil es unter anderem bei Flugzeugabstürzen über gute Sicherheitsreserven verfüge.

Der Energie-Koordinator der Unionsfraktion, Thomas Bareiß, hat Zweifel, ob sich nur auf Basis des Kriteriums Flugzeugabsturz die ältesten Atomkraftwerke stilllegen lassen. "Wir brauchen eine klare Begründung für die Abschaltung und keine Symbolpolitik. Die Entscheidungsgrundlage muss klar nachvollziehbar sein", sagte der CDU-Politiker. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte nach einem Bericht der Reaktorsicherheitskommission (RSK) angedeutet, dass mehrere AKW wegen eines fehlenden Schutzes gegen Flugzeugabstürze vom Aus bedroht sein könnten.