Wirtschaftspolitik Billigwahn am Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt in Deutschland boomt. Aber: Was Minister und Ökonomen in Hochstimmung versetzt, hat Hunderttausende an den Rand gedrängt.
Alles wunderbar, so scheint es: Der Arbeitsmarkt profitiert vom stabilen Aufschwung der deutschen Wirtschaft, verkündete die Bundesagentur für Arbeit (BA) gerade. Schon sieht es ganz danach aus, als ob Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bald wieder Plakate drucken lassen kann mit der Aufschrift: Unter drei Millionen! Zur Erinnerung: Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte sie BA-Chef Frank-Jürgen Weise die Schau gestohlen, war erstmals selbst vor die Presse getreten, um dieses Jobwunder zu verkünden. Zwar stieg die Arbeitslosenzahl danach wieder an. Doch schon bald könnte die magische Grenze erneut unterschritten werden, meinen jedenfalls einige Ökonomen.
Sogar das liberale britische Wirtschaftsmagazin Economist kam fast ins Schwärmen. In einem Stück über Deutschlands Erfolge berichtet es über Merkels "Wunderland", in dem die Wirtschaft hervorragend durch die Krise gekommen ist und die Arbeitslosigkeit die niedrigste Rate seit 1992 aufweist. Zu verdanken sei das unter anderem einem Sozialdemokraten, der vor Merkel das Land regierte: Gerhard Schröder. Dessen Reformen hätten den Arbeitsmarkt flexibler gemacht. Löhne und Gehälter seien im Gegensatz zu anderen Ländern kaum gestiegen.
Keine Frage: So viel Positives tut gut. Nur wem eigentlich? Was Minister und Ökonomen in Hochstimmung versetzt, hat Hunderttausende an den Rand der Arbeitsgesellschaft gedrängt. In Deutschland waren working poor, also Menschen, die trotz Arbeit arm sind, lange Jahre ein Schreckgespenst aus den fernen USA. Inzwischen haben auch wir ein Heer von Minijobbern und Leiharbeitern.
Gerade wurde bekannt, dass inzwischen nahezu jeder fünfte Arbeitnehmer nur einen 400-Euro-Job hat. Die Zahl der Betroffenen ist um 1,6 Millionen auf 7,2 Millionen gewachsen, seitdem die rot-grüne Regierung 2003 die Regeln gelockert hat. Viele dieser Minijobber müssen ihr Einkommen mit staatlicher Hilfe aufstocken, um über die Runden zu kommen. Das kostet. Was die Arbeitgeber sparen, belastet die Steuerzahler. Dabei würden die meisten Betroffenen lieber mehr arbeiten, wie die Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer neuen Studie schreiben. Sie fanden heraus, "dass Wunsch und Wirklichkeit häufig nicht übereinstimmen".
Das dürfte auch auf die rund 2,5 Millionen Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen zutreffen. Jeder Zweite muss bei seiner Einstellung mittlerweile akzeptieren, dass er im Job ein Verfallsdatum hat, also einfach wieder aussortiert werden kann: Gleichgütig, wie gut oder schlecht, wie faul oder fleißig er war. Und die Chancen auf eine Festanstellung sind laut IAB gesunken.
Es ist geradezu paradox: Da initiierte Ursula von der Leyen als Familienministerin ein Programm in Milliardenhöhe, damit wieder mehr Kinder geboren werden – und erreichte damit so gut wie nichts. Dabei könnte sie jetzt als Arbeitsministerin an wenigen Stellschrauben drehen, um ihr Ziel doch noch zu erreichen. Sie müsste den Menschen mehr Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt verschaffen. Das jedenfalls kam bei einer Forsa-Umfrage heraus. Danach nannten von jenen, die gerne Kinder hätten, mehr als die Hälfte eine fehlende finanzielle Basis als ausschlaggebend für die aufgeschobene Familiengründung.
Hochproblematisch ist auch die Entwicklung auf dem Markt der Leiharbeit. Man muss nicht unbedingt den sattsam bekannten Schlecker-Fall strapazieren, um eine Fehlentwicklung zu diagnostizieren. Statt, wie ursprünglich gedacht, nur Auftragsspitzen mit Zeitarbeitern zu bewältigen, ist diese Beschäftigungsform in vielen Betrieben ganz normal geworden. Auch hier fielen im Jahre 2003 die letzten entscheidenden Schranken: Seitdem dürfen Leiharbeiter unbegrenzt lange eingesetzt werden. Zurzeit sind es rund 900.000. Sie arbeiten an der Seite der Festangestellten, bekommen aber oft weniger Lohn – und manchmal sogar die Angst der Stammbelegschaft vor dem Abstieg zu spüren. Fraglich, ob ein solches Arbeitsklima motivierend wirkt.
- Datum 02.05.2011 - 14:53 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...richtig, Danke für den Artikel.
Bleibt nur noch das Problem mit dem Export, wer auf Teufel komm raus Exportüberschüsse erwirtschaften will (glaubt zu müssen) hat genauso ein Problem mit höheren Löhnen, wie die *schwäbischen Hausfrauen* die Verschuldung jeder Art als Hexenwerk ansehen. Das klammert der Artikel (wie leider üblich) mal wieder aus und bleibt damit unvollständig.
Was wir brauchen sind eben nicht nur höhere Löhne, sondern vor allem höhere Steuern für hohe Einkommen und Vermögen. Stichwort: Umverteilung oder alternativ eine stärkere staatliche Ausgabenpolitik mit einer gewissen Inflationierung. Das eine kann man nur mit wirksamen Grenzen und Kapitalkontrolle durchsetzen, das andere nur mit einer eigenen Zentralbank und Geldpolitik.
Beides wurde zugunsten der EU und des Euros leichtfertig von deutschen Politikern verschenkt.
Nichts destotrotz sind hohe Mindestlöhne ein absolutes moralisches Gebot, schon damit die Politik des sich gegenseitig kaputt konkurrieren, beendet wird.
Aber ich sehe keinen deutschen Politiker/in in weiter Flur, der/die auch nur ansatzweise verstanden haben, was zu tun wäre, die auch nur ansatzweise den Mut dafür mitbringen. Ich bin voll Hass auf Berlin und dieses unsägliche Opportunistenparlament! Ach was solls.
"Das eine kann man nur mit wirksamen Grenzen und Kapitalkontrolle durchsetzen, das andere nur mit einer eigenen Zentralbank und Geldpolitik."
Eine höhere Inflation ließe sich gut in der Eurozone durchsetzen. Viele Länder in der Eurozone hätten gerne eine etwas lockere Politik der EZB, Deutschland ist dort der Bremser.
Für ein Statement, in dem sich wirtschaftliches Unverständnis, sozialistische Träumereien, Nationalismus und Demokratiefeindlichkeit zu einer üblen Sauce vermengt haben. Echt traurig.
alles kaputt zu machen, siehe DDR etc.
Dort wurden nämlich ihre Rezepte befolgt.
Hass ist ein schlechter Berater und schlägt aufs Gemüt.
Mein Tipp.
Ne schöne Handvoll Verachtung. Wirkt besser, belastet nicht emotional und gewährt den nötigen sachlichen Abstand.
MfG
biggerB
"Das eine kann man nur mit wirksamen Grenzen und Kapitalkontrolle durchsetzen, das andere nur mit einer eigenen Zentralbank und Geldpolitik."
Eine höhere Inflation ließe sich gut in der Eurozone durchsetzen. Viele Länder in der Eurozone hätten gerne eine etwas lockere Politik der EZB, Deutschland ist dort der Bremser.
Für ein Statement, in dem sich wirtschaftliches Unverständnis, sozialistische Träumereien, Nationalismus und Demokratiefeindlichkeit zu einer üblen Sauce vermengt haben. Echt traurig.
alles kaputt zu machen, siehe DDR etc.
Dort wurden nämlich ihre Rezepte befolgt.
Hass ist ein schlechter Berater und schlägt aufs Gemüt.
Mein Tipp.
Ne schöne Handvoll Verachtung. Wirkt besser, belastet nicht emotional und gewährt den nötigen sachlichen Abstand.
MfG
biggerB
Ich habe nicht vergessen, dass es eine rot-grüne Regierung war, die den Arbeitsamkeit derart dereguliert hat. Und wenn ich mir eine Frau Künast anhöre, die nach wie vor die Rente mit 67 propagiert, dann gruselt mich die Vorstellung einer möglichen Neuauflage dieser Regierung, die dann womöglich grün-rot lautet.
Damit habe ich ein gewaltiges Problem: Egal ob schwarz-gelb oder rot-grün oder schwarz-rot - alle diese Parteien haben mehr oder weniger unseren Sozialstaat zu Grabe getragen, was wir in diesem Land wirklich brauchen sind echte Alternativen. Das was die derzeitigen Mehrheitsparteien bieten, ist ein und derselbe soziale Einheitsbrei auf Kosten der Schwächsten, der dieses Land mehr und mehr zu Grunde richtet! Was wir brauchen endlich eine Wende hin zu verantwortungsvoller Politik gegenüber den Bürgern und nicht die subversive Zerschlagung unserer gesellschaftlichen Ordnung, die mit immer größer werdender Überwachung einhergeht.
Polen kommen schon gar nicht mehr nach Deutschland, um hier zu arbeiten, weil sie für derartige Billiglöhne nicht einmal den kleinen Finger krum machen würden, die gehen lieber nach Benelux weiter oder England, wo es anständige Mindestlöhne gibt, die auch für ausländische Arbeitskräfte verbindlich sind.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich diese Erkenntnisse besser heute als morgen durchsetzen und mit E10 oder Atom ständig eine vergleichsweise uninteressante neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Nach ca. 10 Jahren, die wir den Rot-Grünen Reformen damit nun schon zu verdanken haben hört man von selbigen recht wenig dazu.
"Polen kommen schon gar nicht mehr nach Deutschland, um hier zu arbeiten, weil sie für derartige Billiglöhne nicht einmal den kleinen Finger krum machen würden, die gehen lieber nach Benelux weiter oder England, wo es anständige Mindestlöhne gibt, die auch für ausländische Arbeitskräfte verbindlich sind."
Und hochqualifizierte Deutsche verlassen zuhauf das Land wegen schlecht bezahlter Stellen oder weil sie überhaupt keine Stelle finden. Ob diese noch einmal zurück kommen, ist ungewiss. Warum sollten Sie auch?
Mir ging es nach meinem Arbeitsplatzverlust als promovierter Physiker vor 2 Jahren genauso. Heute kann ich mich darüber freuen, in einem Land mit hoher Lebensqualität und Freizeitwert zu leben, und bei einem Bruttogehalt von umgerechnet 82.000 Euro ca. 30% Steuern und Abgaben zu bezahlen statt vorher 47% Steuern und Abgaben bei 67.500 Euro Brutto.
Zudem geniesse ich jeden Tag, dass dieses wunderschöne Land nicht zur EU gehört, und ich kann sicher sein, dass ich auch in 5 Jahren mein Gehalt noch in der gleichen Währung wie heute bekomme.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich diese Erkenntnisse besser heute als morgen durchsetzen und mit E10 oder Atom ständig eine vergleichsweise uninteressante neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Nach ca. 10 Jahren, die wir den Rot-Grünen Reformen damit nun schon zu verdanken haben hört man von selbigen recht wenig dazu.
"Polen kommen schon gar nicht mehr nach Deutschland, um hier zu arbeiten, weil sie für derartige Billiglöhne nicht einmal den kleinen Finger krum machen würden, die gehen lieber nach Benelux weiter oder England, wo es anständige Mindestlöhne gibt, die auch für ausländische Arbeitskräfte verbindlich sind."
Und hochqualifizierte Deutsche verlassen zuhauf das Land wegen schlecht bezahlter Stellen oder weil sie überhaupt keine Stelle finden. Ob diese noch einmal zurück kommen, ist ungewiss. Warum sollten Sie auch?
Mir ging es nach meinem Arbeitsplatzverlust als promovierter Physiker vor 2 Jahren genauso. Heute kann ich mich darüber freuen, in einem Land mit hoher Lebensqualität und Freizeitwert zu leben, und bei einem Bruttogehalt von umgerechnet 82.000 Euro ca. 30% Steuern und Abgaben zu bezahlen statt vorher 47% Steuern und Abgaben bei 67.500 Euro Brutto.
Zudem geniesse ich jeden Tag, dass dieses wunderschöne Land nicht zur EU gehört, und ich kann sicher sein, dass ich auch in 5 Jahren mein Gehalt noch in der gleichen Währung wie heute bekomme.
Hartz IV war damals so auch nicht geplant, wie es heute ausgelegt wird, aber wie das so ist, aus dem "mal schauen wie es wird und dann nachbessern" wurde nichts. Es war zu bequem alles so schief zu lassen wie es ist.
Stattdessen setzen sich CDU und FDP dafür ein das Strafen schneller verhängt werden und damit ALG II unter das Existenzminimum geraten. Das ist ein elegantes Druckmittel um den letzten Aufrechten noch in einen Armutsjob zu drücken
Da gibt es wirklich nichts zu feiern, wenn die Arbeitslosigkeit sinkt. Und als Frechheit obendrauf verabschiedet die Regierung ein Gesetzt nach dem anderen welches vom Verfassungsgericht kassiert wird. Es wird höchste Zeit das die Politik wieder geerdet wird.
Raus aus der Atomkraft und raus aus der Billigarbeit! Welche Partei meldet sich freiwillig und macht mit?
Hervorragender Artikel!
Dazu kommt noch das nicht enden wollende Gejammer über den Mangel an Fachkräften. Leicht durchschaubar als Alibi-Argument, nun endlich noch billigere, noch weniger aufmüpfige und noch anspruchslosere "Fach"-Kräfte aus osteuropäischen Ländern zu importieren.
Am eigenen Leib durfte ich es erfahren: Abitur, 20 Jahre Erfahrung im Kredit- und Leasingwesen, noch 20 Arbeitsjahre bis zur Regelaltersgrenze. Gehaltsvorstellungen 50% von dem, was ich 2008 verdient habe.
Bewerbungen abgeschickt: 35
Ablehnungen: 31
nicht einmal reagiert: 4
Unlängst habe ich erfahren, dass meine Unterlagen es nicht einmal bis auf den Schreibtisch des Vorentscheiders geschafft haben, weil die Praktikantin schon die Vorauswahl anhand des Alters vornehmen musste.
Wie viele von den 7,2 Millionen Mini-Jobbern hätten gerne einen Vollzeit-Arbeitsplatz? 4 Millionen? Oder 5?
Addieren wir diese Zahl zu den offiziellen Arbeitslosen und zu denen, die in langwierigen Maßnahmen stecken, dann wird der grandiose Erfolg unserer Arbeitsmarktpolitik deutlich!
Die Schere zwischen wenigen Besserverdienenden und vielen, die Besseres verdient hätten, wird immer weiter. Die Folgen werden auf den sozialen Frieden in der Republik nicht gerade positive Auswirkungen haben.
im letzten Jahr über 500 Stück geschrieben,
ca. 450 Absagen,
30 Vorstellungsgespräche
5 haben mich abgelehnt,
24 habe ich aufgrund der Gehaltsvorstellungen der Firma abgeleht, noch bleibe ich bei meiner jetzigen und hoffe auf das nächste Vorstellungsgespräch (da passt das Gehalt schon mal), denn ab 2012 bin ich so alt, da kann ich mich unmöglich noch verbessern ;-(
Sie sind nicht nur wegen Ihres Alters sofort "aussortiert" worden, sondern gleich dazu wegen Ihrer Arbeitslosigkeit.
Das läuft in viele Unternehmen nicht erst seit
gestern, sondern seit Jahren.
Eigentlich bin ich nicht arbeitslos.
Habe meinen gut bezahlten Job vor mehr als zwei Jahren aufgegeben, um zu schreiben und davon zu leben.
Habe mich jedoch offenbar überschätzt...
Aber Sie haben Recht. Ausserhalb des Erwerbsprozesses zu stehen, ist in deren Augen ein dickes Manko.
Wie mag es Leuten ergehen, die zwei Jahre im Gefängnis oder im Krankenhaus verbracht haben?
im letzten Jahr über 500 Stück geschrieben,
ca. 450 Absagen,
30 Vorstellungsgespräche
5 haben mich abgelehnt,
24 habe ich aufgrund der Gehaltsvorstellungen der Firma abgeleht, noch bleibe ich bei meiner jetzigen und hoffe auf das nächste Vorstellungsgespräch (da passt das Gehalt schon mal), denn ab 2012 bin ich so alt, da kann ich mich unmöglich noch verbessern ;-(
Sie sind nicht nur wegen Ihres Alters sofort "aussortiert" worden, sondern gleich dazu wegen Ihrer Arbeitslosigkeit.
Das läuft in viele Unternehmen nicht erst seit
gestern, sondern seit Jahren.
Eigentlich bin ich nicht arbeitslos.
Habe meinen gut bezahlten Job vor mehr als zwei Jahren aufgegeben, um zu schreiben und davon zu leben.
Habe mich jedoch offenbar überschätzt...
Aber Sie haben Recht. Ausserhalb des Erwerbsprozesses zu stehen, ist in deren Augen ein dickes Manko.
Wie mag es Leuten ergehen, die zwei Jahre im Gefängnis oder im Krankenhaus verbracht haben?
"Löhne und Gehälter seien im Gegensatz zu anderen Ländern kaum gestiegen. Keine Frage: So viel Positives tut gut."
"Jenseits von sozialer Gerechtigkeit und ökonomischer Balance gibt es noch einen dritten Grund, warum der Arbeitsmarkt strikter reguliert werden muss. Es geht auch darum, Unternehmen vor unfairem Wettbewerb zu schützen."
"Ein Mindestlohn verhindert übrigens nicht nur Billigjobs, er würde auch der Staatskasse nützen. Das besagt eine neue Studie des Forschungsunternehmens Prognos AG."
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Dieser Artikel sagt wenig darüber aus, was sich in Deutschland demnächst verändern könnte. Aber er liefert Einblick in die Strukturen konservativer Meinungsbildung. Zum einen wird ein Londoner Neoliberalistenmedium zitiert, das durch nichts legitimiert ist oder deutschen Wirtschaftsanalysen vorzuziehen wäre. Als nächstes wird der Mindestlohn um ehrbarer Unternehmer willen gefordert. Drittens liefern Statistiker "zum richtigen Zeitpunkt" den Rahmen für eine "seriöse", zahlenbezogene Kostennutzenrechnung.
Was sagt uns das? Arbeitnehmer betteln hier um Mindestlöhne ("5 Mio. könnten profitieren"), aber verleugnen sich dabei selbst (Nutzen eher für Unternehmer und für Fiskus, als für Arbeitnehmer). Diese Argumentationsstruktur hat etwas Anheischiges, Menschenverachtendes und Unaufgeklärtes. Aber wer sich anheischig macht und den unvermeidlichen Interessenskonflikt scheut, hat von vornherein verloren und wird das Ungerechtigkeitskartell nie brechen.
Der Höhenflug der deutschen Wirtschaft lässt sich (leider) nicht auf die Lebensqualität des deutschen Volkes übertragen.
Sprach diese Regierung (Schwarz/Gelb) nicht einmal von "Geben und Nehmen"? - Sie nimmt aber vielen Menschen mehr als sie gibt!
An dieser Stelle möchte ich auch an die 7.000.000 Minijobber erinnern, die zu diesen Arbeitslosenzahlen so einiges beitragen.
leider 8 Jahre zu spät. Auch wird das auf einen Großteil der Dt. zukommende Problem der Altersarmut aufgrund der Erwerbsbiografien imho zu kurz angerissen, denn die Auswirkungen wird die Staatskasse, die Länder und die Kommunen wie einen Schlag treffen. Denn neben der Aufstockung auf die dann hoffentlich noch existierende bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter für Ottonormalverbraucher, kommen massive Belastungen aus Pensionansprüchen der Beamten (2050 optimistisch geschätzt 100 Mill./Jahr http://www.welt.de/finanz...) hinzu, die aufgrund von fehlenden Rückstellungen auch noch aus Steuern zu begleichen sein werden. Das wird bei der Niedriglohnpolitik kaum zu stemmen sein. Die Pensionsforderungen der EU noch nicht mit einberechnet.
Es sollte auch angemerkt werden, dass der Staat für Beamtenpensionen zur Zeit fast genausoviel ausgeben muss wie für HartzIV (http://www.bild.de/politi...).
"die Länder und die Kommunen wie einen Schlag treffen"
...nicht wie ein Schlag. Sie bluten langsam und stetig aus und DAS tun sie schon die ganzen letzten Jahre über:
http://www.helmut-himmler...
Während die verantwortungslosen Kasper in Berlin sich, zusammen mit der neoliberalen Presse und den neoklassischen VWL-Verdrehern, selbst feiern, werden munter Abgaben und Gebühren auf unterster Ebene hochgedreht und Leistungen massiv zurückgeschraubt. Und wie auf kommunaler Ebene üblich ohne gesellschaftliche Diskussion und maximal sozial unausgewogen.
Ein Beispiel?: bei uns wurden die Kiga-Gebühren deftig erhöht und die Stadt fordert Erschliessunggebühren für uralte Häuser nach:
http://www.schwarzwaelder...
anderswo betreibt man Luxus-Sanierung auf Bürgerkosten:
http://www.bild.de/berlin...
weil ja angeblich überall das Geld fehlt.
usw. usw. usw.
"die Länder und die Kommunen wie einen Schlag treffen"
...nicht wie ein Schlag. Sie bluten langsam und stetig aus und DAS tun sie schon die ganzen letzten Jahre über:
http://www.helmut-himmler...
Während die verantwortungslosen Kasper in Berlin sich, zusammen mit der neoliberalen Presse und den neoklassischen VWL-Verdrehern, selbst feiern, werden munter Abgaben und Gebühren auf unterster Ebene hochgedreht und Leistungen massiv zurückgeschraubt. Und wie auf kommunaler Ebene üblich ohne gesellschaftliche Diskussion und maximal sozial unausgewogen.
Ein Beispiel?: bei uns wurden die Kiga-Gebühren deftig erhöht und die Stadt fordert Erschliessunggebühren für uralte Häuser nach:
http://www.schwarzwaelder...
anderswo betreibt man Luxus-Sanierung auf Bürgerkosten:
http://www.bild.de/berlin...
weil ja angeblich überall das Geld fehlt.
usw. usw. usw.
Es geht nicht nur um die Ökonomie. Es geht um Kultur. Ein einigermassen kultivierter Mensch in einem reichen Land kann sich nicht wohl fühlen, wenn es ein staatlich organisiertes Prekariat gibt. Leider haben die Politiker (rot-grün inbegriffen)nicht die Sensibilität für die Konsequenzen ihrer Entscheidungen für die Benachteiligten. Von den Wirtschaftsleuten nicht zu sprechen, wobei man diese Eigenschaft von ihnen nicht erwarten darf (arme Ehepartner...)Ohne diese Sensibilität gibt es keine Kultur. Der Mangel an Kultur trägt einen Namen: Barbarismus. Deswegen sind die Politiker mehrheitlich Barbaren, so wie die Wirtschaftsführer.
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