Energiewende Wie ein Atomausstieg funktionieren kann

Alle vom Moratorium betroffenen AKW sollten endgültig vom Netz, schreibt Felix Matthes im Gastbeitrag. Für verbliebene Kraftwerke schlägt er flexible Betriebszeiten vor.

Die Debatte um das konkrete Modell für den beschleunigten Atomausstieg in Deutschland geht in die letzte Runde. Im Kern geht es um die Frage, ob bestimmte Endjahre für die Laufzeiten der Kernkraftwerke festgelegt werden sollen, oder nicht.

Nur gerät dabei aus dem Blick, dass es beim Atomausstieg in Deutschland letztlich um drei Herausforderungen geht: Erstens um ein belastbares Modell für den Ausstieg, zweitens um die Absicherung des Einstiegs in klimaverträgliche Alternativen und drittens um die Bedeutung, die dem deutschen Weg auch aus der internationalen Perspektive zukommt. Die deutsche Ausstiegsstrategie kann für viele der neu entbrannten energiepolitischen Debatten ein Modell bilden, in dem Risikominimierung durch den Ausstieg aus der Kernenergie mit der umfassenden Sicherung eines umweltfreundlichen und robusten Stromversorgungssystems verbunden werden. 

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Felix Matthes
Felix Matthes

Er ist ist Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut.
 

Dafür kommt neben der Definition eines glaubwürdigen Schlussjahrs für den Betrieb der Kernkraftwerke auch einem robusten Auslaufpfad eine Schlüsselrolle zu. Dieser bildet eine zentrale Leitplanke für die Umsetzung der notwendigen Alternativinvestitionen, die Schaffung der dafür notwendigen energiepolitischen Rahmenbedingungen wie auch für die Sicherung der Netzstabilität und viele andere technische Details.

Zwei Modelle sind hierzu derzeit in der Diskussion. Der CDU-Wirtschaftsrat und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schlagen ein Modell vor, das im Kern auf eine permanente Revision des Ausstiegspfades hinausläuft. Jedes Jahr sollen die Strommarktentwicklung und entsprechende Konsequenzen für den Atomausstieg überprüft werden. Letztlich entsteht mit diesem Modell eine selbsterfüllende Negativ-Prophezeiung. Die permanente Revision schafft Unsicherheiten im Markt, Investitionen unterbleiben oder werden nur zögerlich angegangen. Im Ergebnis eskaliert die Strommarktsituation, oder es bedarf sehr tiefer energiepolitischer Eingriffe, die wiederum zu Planungsunsicherheiten führen, mit negativen Folgen. Nicht zuletzt entstünde eine erhebliche Verhinderungsmacht der heutigen Kernkraftwerksbetreiber.

Das entgegengesetzte Modell sieht starre Abschaltjahre für die einzelnen Kernkraftwerke vor, beispielsweise orientiert am Alter der Anlagen. Ganz sicher ist dies ein mögliches Modell, aber auch nicht ganz problemfrei. Der schnelle Umbau des Stromversorgungssystems, weg von der Kernenergie kann durch ein gewisses Maß an Flexibilität erleichtert werden, mit Blick auf Kraftwerksprojekte, energiepolitische Flankierungsmaßnahmen und Infrastrukturanpassungen zur Sicherung der Netzstabilität – und auch um die Betreiber verbindlich am Umstieg zu beteiligen. Grundsätzlich ist dies auch für starre Auslaufpfade und ohne zusätzliche Flexibilität auch bei vergleichsweise kurzen Ausstiegszeiträumen machbar, aber auf die Schnelle und in der ganzen Breite der Herausforderungen sicher auch nicht ohne Umsetzungsrisiken. 

Leser-Kommentare
    • kfmb
    • 26.05.2011 um 11:36 Uhr

    Im Moment wird gerade eine Stimmung aufgebaut, die eine Energiewende 2017 oder 2022 begünstigen soll. Ambition und Motivation - wir können das technische Meisterstück schaffen in Deutschland und damit Vorreiter in der Welt werden: atomstromfrei durchs Leben gehen. Windräder und Wasserkraftwerke sollen die Grundlage bilden.

    Was passiert nach 2022? Denken wir, dass wir mit der Energiewende auch eine Verbesserung der menschlichen Lebensform erreichen können? Glauben wir, durch technologische Entwicklungen eine menschlichere Zukunft hinzubekommen?

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    "Was passiert nach 2022? Denken wir, dass wir mit der Energiewende auch eine Verbesserung der menschlichen Lebensform erreichen können? Glauben wir, durch technologische Entwicklungen eine menschlichere Zukunft hinzubekommen?"

    Ja, genau das sollte passieren. Zumindest wären ein paar Probleme weniger vorhanden, die sehr akut nach einer Lösung verlangen.

    Und wenn sich die Politiker nicht mehr um den Ausstieg balgen wie Kleinkinder könnte sich mal jemand eine ordentliche Lösung für den riesen Berg strahlenden Müll überlegen. Ich bin immernoch für Merkels Garage.

    "Was passiert nach 2022? Denken wir, dass wir mit der Energiewende auch eine Verbesserung der menschlichen Lebensform erreichen können? Glauben wir, durch technologische Entwicklungen eine menschlichere Zukunft hinzubekommen?"

    Ja, genau das sollte passieren. Zumindest wären ein paar Probleme weniger vorhanden, die sehr akut nach einer Lösung verlangen.

    Und wenn sich die Politiker nicht mehr um den Ausstieg balgen wie Kleinkinder könnte sich mal jemand eine ordentliche Lösung für den riesen Berg strahlenden Müll überlegen. Ich bin immernoch für Merkels Garage.

  1. Die Brennelementesteuer ist eigentlich das wohl beste Instrument für einen schnellen Ausstieg.

    Kernkraftwerke sind heute so beliebt weil Sie die gerinsten variablen betriebswirtschaftlichen Stromgestehungskosten aller Kraftwerksarten haben (ev. Neben Windstrom).

    Für den Jahresgewinn bedeutet dies eine gehörige Steigerung bei einer möglichst langen Jahresbetriebszeit.

    Wichtig wäre es diese Anreize für die Kernkraftwerksbetreiber zu verändern:
    1.) Die Brennelementesteuer sollte erhöht werden, so dass die Kernenergie höhere variable Kosten als Kohle aufweist.
    2.) Für jedes AKW sollte pro Monat in dem es nicht endgültig stillgelegt wurde eine Sicherheitsprämie verlangt werden.

    3.) Die Kosten und Steuern sollten pro Monat ansteigen.

    Ähnliche Konstrukte könnten via Deutschlandinternem CO2 Handel/Steuer (Europaweit / Weltweit führt nur zu Betrug)
    auch auf Kohle und Gaskraftwerke angewendet werden. Wobei hier die Kopfprämie und die variable Steuer niedriger angesetzt werden sollte, so dass die Kosten langsamer Steigen als für die AKWs.

    Langfristig halte ich eine komplette Umstellung auf Erneuerbare für unumgänglich. Wenn wir von einer Endlichkeit von Rohstoffen ausgehen (z.B. Peak Oil) oder einer Stagnation des Angebots bei steigender Nachfrage (Indien/China) - können wir nicht ewig beschränktes Brennmaterial verfeuern. Auch könnte Deutschland sicherer werden
    Vor Terroranschlägen auf Kernanlagen
    Vor der Abhängigkeit von Ölimporten

    Hohe Brennelementesteuer + EEG = Lösung

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Ich find ja witzig, dass im Moment wieder in der Diskussion ist, die Brennelementesteuer fallen zu lassen.

    Eigentlich bin ich der Meinung, dass diese Steuer monatlich für jedes Brennelement zu entrichten ist, bis keine Gefahr mehr von ihm ausgeht. Von den dadurch gewonnenen Geldern lässt sich wunderbar die Endlagerung finanzieren. Und die Konzerne können endlich den Atomstrompreis mal auf Basis der tatsächlichen Kosten kalkulieren...

  3. Alle AKWs werden bis Ende 2014 abgeschaltet. Die Machbarkeit wurde realistisch durchgerechnet.
    http://www.greenpeace.de/...

    Eine Leser-Empfehlung
  4. "Was passiert nach 2022? Denken wir, dass wir mit der Energiewende auch eine Verbesserung der menschlichen Lebensform erreichen können? Glauben wir, durch technologische Entwicklungen eine menschlichere Zukunft hinzubekommen?"

    Ja, genau das sollte passieren. Zumindest wären ein paar Probleme weniger vorhanden, die sehr akut nach einer Lösung verlangen.

    Und wenn sich die Politiker nicht mehr um den Ausstieg balgen wie Kleinkinder könnte sich mal jemand eine ordentliche Lösung für den riesen Berg strahlenden Müll überlegen. Ich bin immernoch für Merkels Garage.

    Antwort auf "Was danach?"
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    Auf das bGE zum Beispiel?

    Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen wäre zumindest der absolute zwang zu einem Job beendet.

    Vor allem fallen dann Verwaltung Jobs weg. Arbeitsamt, Job Center, usw. würde alles wegfallen. Allerdings sind die die Diskussionen in Deutschland schon wieder auf Stufe Nonsens anzusiedeln!
    Den es soll ein Grundeinkommen sein und nicht ein Standard von dem man nicht leben kann. Je nach Höhe des bGE wären auch Energie Einsparungen möglich.

    Beim bGE wäre es aber am besten wenn man es internationalisiert, sprich es wird weltweit in gleicher Höhe ausbezahlt.

    Aber das ist im Moment wohl etwas weit ab vom Thema, aber durch Einsparungen von Jobs, kann man auch Energie sparen. Und Job Center wären eine super Einsparungsquelle wo am ende eh nur Sinnloser Mist raus kommt.

    Auf das bGE zum Beispiel?

    Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen wäre zumindest der absolute zwang zu einem Job beendet.

    Vor allem fallen dann Verwaltung Jobs weg. Arbeitsamt, Job Center, usw. würde alles wegfallen. Allerdings sind die die Diskussionen in Deutschland schon wieder auf Stufe Nonsens anzusiedeln!
    Den es soll ein Grundeinkommen sein und nicht ein Standard von dem man nicht leben kann. Je nach Höhe des bGE wären auch Energie Einsparungen möglich.

    Beim bGE wäre es aber am besten wenn man es internationalisiert, sprich es wird weltweit in gleicher Höhe ausbezahlt.

    Aber das ist im Moment wohl etwas weit ab vom Thema, aber durch Einsparungen von Jobs, kann man auch Energie sparen. Und Job Center wären eine super Einsparungsquelle wo am ende eh nur Sinnloser Mist raus kommt.

  5. was Herr Matthes hier beschreibt. Könnte funktionieren. Dumm nur, daß unsere Regierung nicht von der Vernunft von Herrn Matthes gelenkt wird, sondern von der Wirtschaft.
    Deshalb wird das Konzept der Bunderegierung anders aussehen. Wetten?

  6. Auf das bGE zum Beispiel?

    Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen wäre zumindest der absolute zwang zu einem Job beendet.

    Vor allem fallen dann Verwaltung Jobs weg. Arbeitsamt, Job Center, usw. würde alles wegfallen. Allerdings sind die die Diskussionen in Deutschland schon wieder auf Stufe Nonsens anzusiedeln!
    Den es soll ein Grundeinkommen sein und nicht ein Standard von dem man nicht leben kann. Je nach Höhe des bGE wären auch Energie Einsparungen möglich.

    Beim bGE wäre es aber am besten wenn man es internationalisiert, sprich es wird weltweit in gleicher Höhe ausbezahlt.

    Aber das ist im Moment wohl etwas weit ab vom Thema, aber durch Einsparungen von Jobs, kann man auch Energie sparen. Und Job Center wären eine super Einsparungsquelle wo am ende eh nur Sinnloser Mist raus kommt.

    Antwort auf "Mal überlegen..."
  7. Was für ein unwürdiges Schauspiel! Erst der Ausstieg aus dem Ausstieg mit seinen milliardenschweren Zusagen an die großen EVUs und nach Fukishima und der Quittung bei der Wahl in Bremen ein dermaßen hektisches Zurückgerudere, daß womöglich Versorgungsengpässe drohen.

    Was waren das noch für herrliche Zeiten, als zusammen mit den Kraftwerksbetreibern ein seriöses Atomausstiegskonzept mit großzügigen Übergangsfristen und flankierenden Forschungen zu regenerativen Alternativen beschlossen wurden! Mit diesem "rot-grünen Chaos" habe ich mich jedenfalls wesentlich wohler gefühlt als mit Merkels wahltaktiktischen Schnellschüssen, hinter denen ich beim besten Willen kein weitsichtiges Energiekonzept erkennen kann.

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