Die Debatte um das konkrete Modell für den beschleunigten Atomausstieg in Deutschland geht in die letzte Runde. Im Kern geht es um die Frage, ob bestimmte Endjahre für die Laufzeiten der Kernkraftwerke festgelegt werden sollen, oder nicht.

Nur gerät dabei aus dem Blick, dass es beim Atomausstieg in Deutschland letztlich um drei Herausforderungen geht: Erstens um ein belastbares Modell für den Ausstieg, zweitens um die Absicherung des Einstiegs in klimaverträgliche Alternativen und drittens um die Bedeutung, die dem deutschen Weg auch aus der internationalen Perspektive zukommt. Die deutsche Ausstiegsstrategie kann für viele der neu entbrannten energiepolitischen Debatten ein Modell bilden, in dem Risikominimierung durch den Ausstieg aus der Kernenergie mit der umfassenden Sicherung eines umweltfreundlichen und robusten Stromversorgungssystems verbunden werden. 

Dafür kommt neben der Definition eines glaubwürdigen Schlussjahrs für den Betrieb der Kernkraftwerke auch einem robusten Auslaufpfad eine Schlüsselrolle zu. Dieser bildet eine zentrale Leitplanke für die Umsetzung der notwendigen Alternativinvestitionen, die Schaffung der dafür notwendigen energiepolitischen Rahmenbedingungen wie auch für die Sicherung der Netzstabilität und viele andere technische Details.

Zwei Modelle sind hierzu derzeit in der Diskussion. Der CDU-Wirtschaftsrat und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schlagen ein Modell vor, das im Kern auf eine permanente Revision des Ausstiegspfades hinausläuft. Jedes Jahr sollen die Strommarktentwicklung und entsprechende Konsequenzen für den Atomausstieg überprüft werden. Letztlich entsteht mit diesem Modell eine selbsterfüllende Negativ-Prophezeiung. Die permanente Revision schafft Unsicherheiten im Markt, Investitionen unterbleiben oder werden nur zögerlich angegangen. Im Ergebnis eskaliert die Strommarktsituation, oder es bedarf sehr tiefer energiepolitischer Eingriffe, die wiederum zu Planungsunsicherheiten führen, mit negativen Folgen. Nicht zuletzt entstünde eine erhebliche Verhinderungsmacht der heutigen Kernkraftwerksbetreiber.

Das entgegengesetzte Modell sieht starre Abschaltjahre für die einzelnen Kernkraftwerke vor, beispielsweise orientiert am Alter der Anlagen. Ganz sicher ist dies ein mögliches Modell, aber auch nicht ganz problemfrei. Der schnelle Umbau des Stromversorgungssystems, weg von der Kernenergie kann durch ein gewisses Maß an Flexibilität erleichtert werden, mit Blick auf Kraftwerksprojekte, energiepolitische Flankierungsmaßnahmen und Infrastrukturanpassungen zur Sicherung der Netzstabilität – und auch um die Betreiber verbindlich am Umstieg zu beteiligen. Grundsätzlich ist dies auch für starre Auslaufpfade und ohne zusätzliche Flexibilität auch bei vergleichsweise kurzen Ausstiegszeiträumen machbar, aber auf die Schnelle und in der ganzen Breite der Herausforderungen sicher auch nicht ohne Umsetzungsrisiken.