FrankreichAbhängig von der Atomlobby

Die Atompolitik wird in Frankreich von einer kleinen Kadergruppe bestimmt. Die mächtige Lobby verhindert, dass sich Frankreich einem strengem AKW-Stresstest unterzieht.

Wenn die Expertengruppe der 27 Mitgliedsländer und die EU-Kommission an diesem Donnerstag über die Kriterien für die Stresstests der Kernkraftwerke beraten, darf die Atomlobby ganz entspannt sein. Dass dabei kein wirklicher Stress aufkommt, dafür sorgt schon die Kernkraftnation Nummer 1 in Europa: Mit 58 Kraftwerken, die mehr als drei Viertel des Strombedarfs liefern, hat sich kein anderes Land so der Atomenergie verschrieben wie Frankreich. Und dabei soll es auch bleiben. Präsident Nicolas Sarkozy jedenfalls ließ keinen Zweifel daran, als er vergangene Woche die größte Atomanlage Westeuropas in Gravelines am Ärmelkanal besuchte. "Ich habe Vertrauen in die Sicherheit des französischen Nuklearparks", betonte er. "Ich wurde nicht gewählt, um ihn infrage zu stellen. Also wird er nicht infrage gestellt."

So klingt ein französisches Basta. André-Claude Lacoste, Chef der unter Regierungsaufsicht stehenden Behörde für Nuklearsicherheit ASN, erklärte etwas höflicher, aber ebenso entschieden, dass Frankreich die innerhalb Europas auf vergleichbare Standards ausgelegten Sicherheitschecks auf die Folgen von Naturkatastrophen beschränken will: "Wir können uns überhaupt nicht vorstellen, die von uns verlangte Transparenz und Offenheit auch auf Terroranschläge oder Flugzeugabstürze auszudehnen. Es ist unmöglich, alles über dieses Thema zu sagen."

Was kann man nicht preisgeben? Dass keines der Kraftwerke, nicht einmal der im Bau befindliche hochmoderne Druckwasserreaktor der sogenannten dritten Generation (EPR) im normannischen Flamanville einen Flugzeugabsturz überstünde? Stéphane Lhomme, Vorsitzender der atomkritischen Organisation Observatoire du Nucléaire, hatte noch in der Planungsphase die Anti-Terroreinheit der Staatsanwaltschaft am Hals, weil er ein Dokument der Betreiberfirma Electricité de France (EdF) veröffentlichte, das genau diesen Mangel einräumte. In Fachkreisen, sagt Mycle Schneider, wisse das ohnehin jeder. "Die breite Öffentlichkeit ist erst nach der Katastrophe in Fukushima auf das Thema aufmerksam geworden."

Schneider, Träger des alternativen Nobelpreises und seit mehr als 20 Jahren in Frankreich immer wieder als Berater für Regierungen tätig, ist überzeugt: "Wenn Flugzeugabsturz ein Sicherheitskriterium ist, können wir hier dicht machen." Über Risiken aus Naturkatastrophen könnten die Stresstests der EU aber keine Ergebnisse liefern, die nicht bereits bekannt seien. Der Jurist Sarkozy erklärte vollmundig, die Katastrophe in Japan sei "kein Atomunfall gewesen, sondern durch einen Tsunami bedingt. Und ein Tsunami mitten in Frankreich wäre doch eine Neuheit." ASN-Chef Lacoste räumte für seine Position jedoch ungewohnt offen ein: "Niemand kann garantieren, dass es niemals einen schweren Unfall in Frankreich geben wird." Ernsthafte Konsequenzen dürfte das jedoch nicht haben. Der gleiche Lacoste betonte Ende März, er sehe "keinen Grund, warum irgendeines der französischen Kraftwerke abgeschaltet werden sollte".

Es ist nicht so, dass die Behörde für Nuklearsicherheit völlig unsensibel für die Gefahren der Kernkraft oder die auch in Frankreich bestehenden Ängste der Bevölkerung wäre. Am Donnerstag und Freitag vergangener Woche organisierte sie in Paris ein schon seit Langem geplantes Symposium über Reaktorsicherheit. Frankreich müsse sich auf das "Unvorstellbare" vorbereiten, hieß es da. Akribisch listet die Behörde auf ihrer Website auch jeden Zwischenfall – jedes Jahr ein paar Hundert – auf. Aber dabei bleibt es dann meist. Die sechs Reaktoren in Gravelines befinden sich laut ASN 46 Zentimeter unterhalb der Marke eines Jahrtausendhochwassers. Das AKW Fessenheim, nur 30 Kilometer von Freiburg entfernt, steht in Europas seismisch aktivstem Gebiet. Laut einem ASN-Bericht aus dem Jahr 2000, kann bei einem stärkeren Erdbeben eine Sicherstellung der Reaktorkühlung nicht mehr gewährleistet werden.  

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Leserkommentare
  1. ... Politikfeldern von all seinen Nachbarn. Aus so einer Isolation können auch irgendwann kriegerische Spannungen entstehen - insbesondere wenn dies mit einer wirtschaftlichen Überlegenheit verbunden ist.

    Aber Gott sei Dank, die werden wir bald los sein und somit können wir beruhigt einschlafen.

    3 Leserempfehlungen
  2. Bei einem Physiker würde ich ja schon eine etwas differenziertere Argumentationsweise erwarten.

    2 Leserempfehlungen
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    Und seit wann ist ein Einzeiler wie Ihrer eine "differenzierte Argumentationsweise"? Vergleichen Sie mal meine Beiträge damit...

    Und seit wann ist ein Einzeiler wie Ihrer eine "differenzierte Argumentationsweise"? Vergleichen Sie mal meine Beiträge damit...

  3. 51. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/jz
    Von ODL in Deutschland habe ich nichts geschrieben! Aber Sie verstehen wahrscheinlich sowieso nichts von der Thematik und wollen nur stören - im Blog wie in der Gesellschaft. Zumindest bezweifle ich, dass Sie überhaupt damit (ODL) umgehen können...

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    erklären, was ODL ist?

    erklären, was ODL ist?

  4. Die gleiche Sorte interessengesteuerter Spezial-Experten hat vor knapp 100 Jahren auch der RMS Titanic die praktische Unsinkbarkeit bescheinigt...
    Das Ende kenne wir.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Welch schöner Traum"
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    angegeben und die Eigenschaften der hervorragenden Konstruktion übertrieben. Das Laienpublikum hatte natürlich keinen Dunst und konnte mit solchen "Argumenten" nichts anfangen... "unsinkbar" oder "praktisch unsinkbar"? Ein spürbarer Unterschied...

    Gut dass man damals nicht die Abschaffung der Schifffahrt als "endgültig nicht beherrschbar" gefordert hat! ;-)))

    angegeben und die Eigenschaften der hervorragenden Konstruktion übertrieben. Das Laienpublikum hatte natürlich keinen Dunst und konnte mit solchen "Argumenten" nichts anfangen... "unsinkbar" oder "praktisch unsinkbar"? Ein spürbarer Unterschied...

    Gut dass man damals nicht die Abschaffung der Schifffahrt als "endgültig nicht beherrschbar" gefordert hat! ;-)))

  5. 53. Ach ja?

    Und seit wann ist ein Einzeiler wie Ihrer eine "differenzierte Argumentationsweise"? Vergleichen Sie mal meine Beiträge damit...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Physiker?"
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    Entspannen Sie sich doch mal ein bisschen.

    Es geht hier um einen Stresstest, den ein sicheres KKW wie etwa das in Fessenheim doch mal locker überstehen könnte. Oder?

    ( Die Anzahl der Zeilen ist übrigens nicht unbedingt ein Indikator für die Gewichtigkeit von Argumenten :-) )

    Entspannen Sie sich doch mal ein bisschen.

    Es geht hier um einen Stresstest, den ein sicheres KKW wie etwa das in Fessenheim doch mal locker überstehen könnte. Oder?

    ( Die Anzahl der Zeilen ist übrigens nicht unbedingt ein Indikator für die Gewichtigkeit von Argumenten :-) )

  6. Der Eiffelturm ist jedenfalls älter als jedes französische Atomkraftwerk. Und wenn der umfällt, wären alle Touristen platt, die im Weg stehen. Damit wäre die Zahl der Opfer schon mal weitaus höher als in Fukushima.

    3 Leserempfehlungen
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    Die Herren Atomfreaks ziehen das Thema derart unnötig und unsensibel ins Lächerliche, das jedem anderen sofort klar wird, warum man solchen Menschen kein Vertrauen entgegebringt.

    Wer, anstatt Ängste ernstzunehmen, den anderen nur vorwirft, sie hätten eh keine Ahnung, wird niemanden überzeugen. Aber darum geht es Ihnen ja nicht, Sie wollen ja nur Recht haben.

    Die Herren Atomfreaks ziehen das Thema derart unnötig und unsensibel ins Lächerliche, das jedem anderen sofort klar wird, warum man solchen Menschen kein Vertrauen entgegebringt.

    Wer, anstatt Ängste ernstzunehmen, den anderen nur vorwirft, sie hätten eh keine Ahnung, wird niemanden überzeugen. Aber darum geht es Ihnen ja nicht, Sie wollen ja nur Recht haben.

  7. angegeben und die Eigenschaften der hervorragenden Konstruktion übertrieben. Das Laienpublikum hatte natürlich keinen Dunst und konnte mit solchen "Argumenten" nichts anfangen... "unsinkbar" oder "praktisch unsinkbar"? Ein spürbarer Unterschied...

    Gut dass man damals nicht die Abschaffung der Schifffahrt als "endgültig nicht beherrschbar" gefordert hat! ;-)))

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Denken sie dran:"
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    ""unsinkbar" oder "praktisch unsinkbar"? Ein spürbarer Unterschied..."

    Ja, genau wie zwischen "Gau" und "Super-Gau". Der eine ist beherrschbar, der andere nicht und wird DESWEGEN als "nicht anzunehmend" weginterpretiert.

    ""unsinkbar" oder "praktisch unsinkbar"? Ein spürbarer Unterschied..."

    Ja, genau wie zwischen "Gau" und "Super-Gau". Der eine ist beherrschbar, der andere nicht und wird DESWEGEN als "nicht anzunehmend" weginterpretiert.

  8. In Frankreich herrscht durchaus keine Verunsicherung über Atomkraftwerke. Und in Deutschland könnte man 100 Streßtest machen, die würden trotzdem keinen Grünen überzeugen. Ergo kann man ihn auch ganz lassen.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sie verstehen nicht."
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    aber das ist kein Argument.

    Der Punkt ist, dass Sie sehr einfach denken. Auf der einen Seite sogenannte Experten die von der Sicherheit der AKW's überzeugt sind und auf der anderen Seite die bösen und dummen grünen Blockierer.
    Das macht es natürlich sehr einfach in der Argumentation, das Gute gegen das Böse. Nur macht es den Fall nicht richtiger.
    Wie Sie die letzten Monate vielleicht beobachteten, haben die Grünen einen immensen Wählerzulauf, sicherlilch nicht zuletzt bedingt durch die Geschehnisse in Japan.
    Das heißt, dass selbst Menschen die normalerweise nicht Grün wählen, verunsichert sind. Jaja, und kommen Sie mir nicht damit, dass diese Menschen von den "Öko-Stalinisten" verunsichert werden... Selbst wenn: Durch einen Test mit strengen Auflagen könnten diese Menschen doch wieder überzeugt werden, von der Sicherheit der AKW's.

    Und noch mal: Es ist doch egal, ob die Menschen in Frankreich verunsichert sind oder nicht. Wenn es schon einmal einen großangelegten Test gibt, der ja übrigens nicht von den Grünen in Auftrag gegeben wurde, warum dann nicht mit strengen Auflagen? Wenn die AKW's sicher sind, warum wehren sich dann die Verteter der AKW-Betreiber? Das ergibt doch keinen Sinn.
    Eine andere plausible Erklärung, als das man sich seiner Sache doch nicht so 100% sicher ist, sehe ich nicht.

    aber das ist kein Argument.

    Der Punkt ist, dass Sie sehr einfach denken. Auf der einen Seite sogenannte Experten die von der Sicherheit der AKW's überzeugt sind und auf der anderen Seite die bösen und dummen grünen Blockierer.
    Das macht es natürlich sehr einfach in der Argumentation, das Gute gegen das Böse. Nur macht es den Fall nicht richtiger.
    Wie Sie die letzten Monate vielleicht beobachteten, haben die Grünen einen immensen Wählerzulauf, sicherlilch nicht zuletzt bedingt durch die Geschehnisse in Japan.
    Das heißt, dass selbst Menschen die normalerweise nicht Grün wählen, verunsichert sind. Jaja, und kommen Sie mir nicht damit, dass diese Menschen von den "Öko-Stalinisten" verunsichert werden... Selbst wenn: Durch einen Test mit strengen Auflagen könnten diese Menschen doch wieder überzeugt werden, von der Sicherheit der AKW's.

    Und noch mal: Es ist doch egal, ob die Menschen in Frankreich verunsichert sind oder nicht. Wenn es schon einmal einen großangelegten Test gibt, der ja übrigens nicht von den Grünen in Auftrag gegeben wurde, warum dann nicht mit strengen Auflagen? Wenn die AKW's sicher sind, warum wehren sich dann die Verteter der AKW-Betreiber? Das ergibt doch keinen Sinn.
    Eine andere plausible Erklärung, als das man sich seiner Sache doch nicht so 100% sicher ist, sehe ich nicht.

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