Nach dem Fund von Ehec-Erregern in spanischen Gurken und Bio-Gurken nehmen die ersten deutschen Supermärkte das Gemüse aus ihren Regalen. Ein Sprecher des größten deutschen Handelskonzerns Metro sagte, dass die Tochterunternehmen Real und Metro-Großhandel spanische Bio-Salatgurken nicht mehr verkaufen. Die Warenhaus-Tochter Kaufhof stoppt ebenfalls den Verkauf von spanischen Bio-Salatgurken und einer Restmenge konventionell erzeugter Gurken aus Spanien. Es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Metro-Sprecher. "Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen, um eine schnelle Aufklärung zu ermöglichen." Auch die internen Kontrollen seien verstärkt worden.

Die Unternehmensgruppe Tengelmann, zu der die Kaiser’s-Supermärkte gehören, hat alle Filialen aufgerufen, spanische Bio-Gurken vorsorglich aus dem Sortiment zu nehmen. Die Unternehmen der Rewe Group, zu der die Marken Rewe, Penny und Toom gehören, haben ebenfalls "aus Gründen äußerster Vorsicht Salatgurken mit Herkunft Spanien bundesweit vollständig aus dem Verkauf genommen", heißt es in einer Mitteilung.

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/dpa/lno

Die Unternehmen reagieren damit auf Untersuchungsergebnisse des Hamburger Hygiene-Instituts, nach denen Salatgurken aus Spanien mit dem gefährlichen Durchfall-Erreger Ehec belastet sind. Bei drei Proben, darunter einer Bio-Gurke, sei der Erreger eindeutig festgestellt worden.

Die deutschen Gemüsebauern klagen derweil über drastische Absatzrückgänge: "Unsere Mitgliedsunternehmen aus Norddeutschland sind wirtschaftlich am heftigsten betroffen", sagt Karl Schmitz, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO). Der Absatz sei um 70 bis 90 Prozent eingebrochen. Betroffen seien dabei nicht nur Gurken, Tomaten und Blattsalate, sondern alle Gemüsesorten. Das Robert Koch-Institut hatte am Mittwoch vor dem Verzehr von Salatgurken, Blattsalaten und rohen Tomaten insbesondere in Norddeutschland gewarnt. Ehec-Erkrankte hätten diese Gemüse häufiger verzehrt als gesunde Vergleichspersonen.

Nicht nur in Norddeutschland wird weniger Gemüse verkauft. Alle der bundesweit 32 Erzeugerorganisationen, die im BVEO organisiert sind, setzten deutlich weniger um, sagt Schmitz. "Selbst am Bodensee werden keine Gurken mehr gegessen." Der Verband ruft seine Mitgliedsunternehmen dazu auf, vor der Ernte Proben analysieren zu lassen, um so größtmögliche Sicherheit zu erzielen. "Seit Montag nehmen unsere norddeutschen Unternehmen Proben, bisher wurden in keiner Ehec-Keime nachgewiesen", sagt Schmitz.

"Die Verkäufe gehen schlagartig nach unten", berichtet Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland. "Sowohl die Großverbraucher als auch die Endkunden auf dem Wochenmarkt halten sich zurück." Wie stark genau der Absatz eingebrochen ist, kann Boese nicht sagen. "Alle haben zu kämpfen, weil der Verbraucher verschreckt ist", sagt Boese. "Wenn das noch länger weitergeht, wird auf jeden Fall Gemüse weggeworfen oder auf den Äckern untergepflügt werden müssen." Dass die Ehec-Keime auf spanischen Salatgurken nachgewiesen worden sind, lässt Boese hoffen, "dass die Zurückhaltung aufgegeben wird und sich deutsches Gemüse schnell wieder verkaufen lässt".